Fendt hat auf der Landtechnikmesse Agritechnica in Hannover einen vollautonomen Feldroboter vorgestellt: den Xaver GT. Dieses System ist speziell für die mechanische Unkrautbekämpfung in Reihenkulturen entwickelt worden und arbeitet komplett ohne menschlichen Fahrer. Die Innovation soll Landwirten helfen, den Einsatz von Pestiziden deutlich zu reduzieren.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Fendt Xaver GT ist ein vollautonomer Feldroboter für die mechanische Unkrautbekämpfung.
- Das System arbeitet ohne menschliche Bedienperson und reduziert den Pestizideinsatz.
- Es verfügt über einen dieselelektrischen Antrieb und KI-gestützte Bildverarbeitung.
- Vier Anbauräume ermöglichen den Einsatz verschiedener Hackgeräte in einer Überfahrt.
- Der Roboter ist besonders für ökologische und konventionelle Betriebe mit reduzierter Herbizidnutzung interessant.
Revolution in der Landwirtschaft: Fendt Xaver GT
Der neue Fendt Xaver GT ist ein wichtiger Schritt in Richtung autonomer Landwirtschaft. Fendt, ein Teil des AGCO-Konzerns, knüpft mit diesem Roboter an seine eigene Geschichte an. Bereits 1957 revolutionierte das Unternehmen die Landwirtschaft mit dem Fendt Geräteträger, einem sogenannten Einmannsystem. Der Xaver GT ist nun das Keinmannsystem für das 21. Jahrhundert.
Die Entwicklung reagiert auf mehrere aktuelle Herausforderungen in der Landwirtschaft. Beikräuter entwickeln zunehmend Resistenzen gegen Herbizide. Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche Druck, den Einsatz von Pestiziden zu verringern. Mechanische Unkrautbekämpfung erlebt daher eine Renaissance.
Technologie und Antrieb des Xaver GT
Der Xaver GT nutzt einen dieselelektrischen Antrieb. Ein Dieselmotor treibt einen 25-KW-Generator an, der elektrische Energie erzeugt. Diese Energie wird in 48-Volt-Pufferbatterien gespeichert. Von dort wird sie für den elektrischen Antrieb der Räder genutzt.
Faktencheck
- Antrieb: Dieselelektrisch
- Generatorleistung: 25 KW (48 Volt)
- Batteriesystem: 9 kWh für kurzzeitige Lastspitzen
- Navigation: Sensortechnik und KI-gestützte Bildverarbeitung
Ein zusätzliches Batteriesystem mit 9 kWh Kapazität liefert kurzzeitig extra Leistung, um Lastspitzen abzufangen. Diese fortschrittliche Antriebsart ermöglicht einen effizienten und emissionsarmen Betrieb auf dem Feld.
Präzision durch Künstliche Intelligenz
Für die Navigation und die exakte Reihenführung setzt der Xaver GT auf modernste Sensortechnik und KI-gestützte Bildverarbeitung. Das System namens "RowPilot" nutzt Kameras, um Pflanzenreihen zu erkennen. Die integrierte KI kann dabei zwischen Kulturpflanzen und Beikräutern unterscheiden.
Diese Unterscheidung ist entscheidend, um die Hackgeräte präzise zu steuern. So wird das Unkraut effektiv entfernt, ohne die Nutzpflanzen zu beschädigen. Fendt gibt an, dass das System auch unter schwierigen Lichtverhältnissen zuverlässig arbeitet.
„Die KI des sogenannten 'RowPilot' soll zwischen Kulturpflanzen und Beikräutern unterscheiden können und die Hackgeräte entsprechend steuern.“
Die mechanische Bodenbearbeitung erfolgt typischerweise mit Geschwindigkeiten von 6 bis 12 km/h. Das ist langsamer als das Spritzen mit 15 bis 20 km/h. Da jedoch keine Arbeitszeit eines Fahrers gebunden wird, werden autonome Lösungen hier wirtschaftlich attraktiv.
Vielseitigkeit durch Geräteträgerkonzept
Das Konzept des Geräteträgers macht den Xaver GT äußerst vielseitig. Er verfügt über vier Anbauräume: Front, Heck, Aufsattel- und Zwischenachsbereich. Dies ermöglicht die Kombination mehrerer Arbeitsgänge in einer einzigen Überfahrt.
Der Roboter kann verschiedene Anbaugeräte für die mechanische Unkrautbekämpfung aufnehmen. Dazu gehören Fingerhacken, Rollhacken, Striegel und kameragesteuerte Einzelpflanzenhacken. Fendt arbeitet eng mit Herstellern von Anbaugeräten zusammen, um die Kompatibilität sicherzustellen.
Anwendungsbereiche
Besonders in Reihenkulturen wie Mais, Rüben oder Soja ist präzises Hacken nahe an der Kulturpflanze entscheidend. Der Xaver GT kann hier länger und gleichmäßiger arbeiten als herkömmliche Methoden.
Ein Beispiel für einen zweistufigen Arbeitsprozess wäre die Kombination von Hacken in der Front mit Striegeln im Heck. Dies steigert die Effizienz und die Gründlichkeit der Unkrautbekämpfung.
Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit
Der Fendt Xaver GT ist besonders für ökologisch wirtschaftende Betriebe interessant. Für sie ist die mechanische Unkrautbekämpfung oft die einzige Option. Aber auch konventionelle Betriebe setzen zunehmend auf Kombinationsstrategien. Sie reduzieren den Herbizideinsatz und nutzen mechanische Verfahren, um die Bildung von Resistenzen bei Beikräutern zu verzögern.
Robotik und Künstliche Intelligenz entwickeln sich zu Schlüsseltechnologien für nachhaltigere Produktionsmethoden in der Landwirtschaft. Der zunehmende Fachkräftemangel und steigende Anforderungen an Dokumentation und Präzision erhöhen die Nachfrage nach solchen Systemen.
Zukunftsaussichten und Wettbewerb
Fendt hat umfangreiche Sicherheitsfunktionen in den Xaver GT integriert. Konkrete Details zu Sensorredundanz oder Notabschaltungen wurden bei der Vorstellung noch nicht genannt. Auch Informationen zur Markteinführung, Preisgestaltung oder Verfügbarkeit stehen noch aus.
Die Weltpremiere des Xaver GT zeigt jedoch die klare strategische Ausrichtung von Fendt auf autonome Technologien. Der Wettbewerb in diesem Bereich nimmt zu. John Deere hat bereits autonome Systeme für Traktoren und Baumaschinen vorgestellt, die ebenfalls Stereokameras und Lidar-Sensoren nutzen.
CNH präsentierte Mitte 2023 den T4 Electric Power, einen autonomen Elektro-Traktor. Dieser ist primär für konventionelle Feldarbeiten konzipiert. Der Fendt Xaver GT positioniert sich mit seinem Fokus auf die spezialisierte mechanische Unkrautbekämpfung als eine wichtige Innovation in diesem wachsenden Marktsegment.





