Die Debatte um humanoide und vierbeinige Roboter aus dem Ausland erreicht Deutschland. Während US-Gesetzgeber über ein Importverbot für chinesische Robotik diskutieren, spalten sich auch hierzulande die Meinungen. Es geht um nationale Sicherheit, wirtschaftliche Abhängigkeit und die Zukunft der Forschung.
Wichtige Punkte
- Die USA erwägen ein Gesetz (GUARD Act) gegen den Import von Robotern aus "gegnerischen" Ländern, primär China.
- Befürworter warnen vor wirtschaftlicher Dominanz und Spionagerisiken, ähnlich wie im Drohnenmarkt.
- Kritiker befürchten, dass ein Verbot die heimische Forschung behindert, da viele Labore auf erschwingliche chinesische Hardware angewiesen sind.
- Chinesische Hersteller wie Unitree dominieren den globalen Markt, insbesondere im Forschungsbereich, durch kostengünstige Produkte.
Die Sorge vor wirtschaftlicher Dominanz und Spionage
In den Vereinigten Staaten steht der sogenannte GUARD Act zur Debatte. Dieses Gesetz würde strenge Sicherheitsprüfungen für humanoide und vierbeinige Roboter vorschreiben, die von ausländischen "Gegnern" hergestellt wurden. Betroffen wären in erster Linie chinesische Produkte. Die Befürworter des Gesetzes, darunter Michael Robbins, CEO der Association for Uncrewed Vehicle Systems International (AUVSI), ziehen Parallelen zum Drohnenmarkt. Dort habe China in den letzten zehn Jahren eine dominierende Stellung eingenommen.
Robbins betonte in einer Anhörung, dass Drohnentechnologie zwar in Amerika erfunden wurde, die Massenproduktion und Skalierung jedoch in China stattfand. Er führt dies auf massive staatliche Subventionen und gezieltes "Market Dumping" zurück. Er warnt, dass dieselbe Strategie nun im Robotiksektor angewendet werde. Chinesische Firmen halten bereits einen Marktanteil von rund 90 Prozent bei den globalen Lieferungen von humanoiden Robotern.
Faktencheck
- Chinesische Firmen liefern etwa 90% der weltweit verkauften humanoiden Roboter.
- Unitree verschickte 2025 über 5.500 Einheiten, was mehr als einem Viertel des Weltmarktes entspricht.
- 74% der humanoiden Roboter von Unitree werden an Universitäten, Forschungseinrichtungen und Entwickler verkauft.
Über die wirtschaftliche Kontrolle hinaus sehen Befürworter auch ein erhebliches nationales Sicherheitsrisiko. Ein kompromittierter Roboter könnte sich physisch in kritischen Infrastrukturen wie Fabriken oder Militärbasen bewegen und dort Überwachungsaufgaben übernehmen. Peggy Johnson, CEO des US-Robotikunternehmens Agility, unterstützt den GUARD Act ebenfalls. Sie sieht das Gesetz als notwendig an, um zu verhindern, dass eine weitere grundlegende Technologie an Peking verloren geht.
"Die Bewertung chinesischer Robotikplattformen allein durch die Linse des nachgewiesenen Datendiebstahls ... ignoriert das langfristige strategische Risiko: staatlich unterstützte Hersteller, die Subventionen und Preise unter Marktwert nutzen, um schnell Marktanteile zu gewinnen", so Johnson.
Agility selbst könnte von einem geschützten Heimatmarkt profitieren. Das Unternehmen aus Oregon plant einen Börsengang durch eine SPAC-Fusion im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar. Agility positioniert seine Digit-Plattform als sicheren, in Amerika hergestellten Standard für den Industriesektor.
Kritik aus der Forschung: Ein Schuss ins eigene Knie?
Die Aussicht auf ein pauschales Verbot chinesischer Hardware löst in westlichen Software- und KI-Laboren große Besorgnis aus. Unternehmen wie Agility konzentrieren sich hauptsächlich auf geschlossene, unternehmensinterne Pilotprojekte. Sie bieten keine offenen Forschungsplattformen an. Dadurch hat sich das in Hangzhou ansässige Unternehmen Unitree zum De-facto-Hardware-Standard für viele amerikanische KI-Entwickler entwickelt.
Eric Jang, ein prominenter Robotiker und ehemaliger Vizepräsident für KI bei 1X Technologies, kritisierte die Haltung von Agility scharf. Er bezeichnete den vorgeschlagenen GUARD Act als "schrecklichen, kurzsichtigen Schritt".
"Die USA sind nicht in einer Position der Stärke, in der die Verabschiedung des GUARD Act die Aussichten für US-Robotikunternehmen kurz- oder mittelfristig verbessern würde", argumentierte Jang. "Fast jedes US-Labor, das an Humanoiden forscht, verwendet einen Unitree-Roboter, weil er das beste Produkt für die Forschung ist."
Jang wies auch die Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit um Unitrees "CloudSail" als "Angsttaktik" zurück. Er verglich den Fernzugriffstunnel mit Standard-Flottenüberwachungstools wie Tailscale, die von westlichen Tech-Firmen verwendet werden. Er betonte die Ironie, chinesische Hardware zu verbieten, während die US-Lieferkette untrennbar mit chinesischen Komponenten verbunden bleibt. "Ich kenne kein einziges US-Humanoidenunternehmen, das nicht irgendwo in der Kette von chinesischen Magneten abhängig ist", sagte er.
Hintergrund
Der GUARD Act würde Roboter, die als Sicherheitsrisiko eingestuft werden, auf die "Covered List" der FCC setzen. Dies würde den Import und die Verwendung dieser Systeme in den USA stark einschränken oder verbieten.
Unitree wurde kürzlich auf dem Cover des TIME-Magazins vorgestellt, was seine globale Bedeutung und Marktführerschaft unterstreicht.
Anstatt eines Hardware-Verbots schlägt Jang strengere Gesetze zur Datenexfiltration vor. Er fordert amerikanische Hersteller auf, bessere Forschungsplattformen zu wettbewerbsfähigen Kosten zu entwickeln, anstatt Lobbyarbeit für Marktschutzmaßnahmen zu betreiben. Als Reaktion auf dieses drohende Hardware-Vakuum stellen sich bereits einige westliche Unternehmen um. 1X Technologies hat beispielsweise angekündigt, die Veröffentlichung seines NEO-Entwicklerkits zu beschleunigen, um Forschern eine Alternative zu chinesischen Importen zu bieten.
Unitrees globale Reichweite und die TIME-Titelgeschichte
Die legislative Debatte in Washington fällt mit einem großen Medienmoment für genau das Unternehmen zusammen, das die Gesetzgeber ins Visier nehmen. Das TIME-Magazin zeigte diese Woche den Unitree-Gründer und CEO Wang Xingxing auf seinem Cover, flankiert von dem riesigen GD01 Mecha-Roboter des Unternehmens. Das TIME-Feature unterstrich, warum Unitree den westlichen Forschungsmarkt erobert hat.
Das Unternehmen lieferte im Jahr 2025 über 5.500 Einheiten aus. Dies macht mehr als ein Viertel des globalen Marktes aus. Mit einem Vorsteuerpreis von 13.500 US-Dollar für den G1 Humanoiden und weniger als 2.000 US-Dollar für ihre vierbeinigen Roboterhunde gewinnt Unitree den harten Wettbewerb um Kosteneffizienz in der Fertigung.
- Unitrees G1 Humanoid: Preis ab 13.500 US-Dollar (vor Steuern)
- Unitrees vierbeinige Roboterhunde: Preis unter 2.000 US-Dollar
Das Profil zeigte auch, dass 74 Prozent der humanoiden Roboter von Unitree an Universitäten, Forschungseinrichtungen und einzelne Entwickler verkauft werden. Sollte der GUARD Act verabschiedet werden, würde genau dieser Fluss erschwinglicher Hardware in amerikanische Labore abrupt unterbrochen.
Wang selbst spielte die Cybersicherheitsbedenken herunter. Er betonte gegenüber TIME, dass Unitrees Produkte vom Netzwerk getrennt arbeiten, es sei denn, der Kunde erlaubt dies ausdrücklich. Während der US-Kongress diese Maschinen als nationale Sicherheitsbedrohung einzustufen versucht, bleibt die grundlegende Spannung ungelöst: Können die Vereinigten Staaten ihre physische Infrastruktur schützen und heimische Hardware-Champions fördern, ohne die Forscher einzuschränken, die die Gehirne der Roboter von morgen entwickeln?





