In Deutschland ist die Ära des analogen Kabelfernsehens endgültig vorbei. Bereits Mitte 2019 erfolgte die vollständige Abschaltung des analogen Signals, was eine weitreichende Umstellung für Millionen Haushalte bedeutete. Seitdem wird im Kabelnetz ausschließlich das digitale Signal über DVB-C übertragen. Diese Veränderung erforderte von vielen Zuschauern Anpassungen an ihrer Empfangshardware, eröffnete aber gleichzeitig neue Möglichkeiten für den TV-Konsum.
Wichtige Punkte
- Analoges Kabelfernsehen wurde Mitte 2019 abgeschaltet.
- Alle Kabelhaushalte empfangen nun digital über DVB-C.
- Die Umstellung erforderte oft neue Hardware oder einen Sendersuchlauf.
- Für digitales Kabelfernsehen ist kein neuer Vertrag nötig.
- Die Programmauswahl ist seitdem deutlich größer.
Wer war von der Umstellung betroffen?
Die Abschaltung betraf alle Haushalte in Deutschland, die ihr Fernsehsignal ausschließlich analog über Kabel empfingen. Im Frühjahr 2019 waren dies noch etwa jeder zwanzigste Fernseh-Haushalt.
Besonders betroffen waren Besitzer älterer Fernsehgeräte, die noch keinen integrierten DVB-C-Tuner besaßen. Neuere Modelle verfügen in der Regel bereits über die notwendige Technik für den digitalen Empfang.
Faktencheck
Im Frühjahr 2019 nutzten noch fast 5% der deutschen Fernsehhaushalte analoges Kabelfernsehen.
Die Umstellung erfolgte schrittweise und wurde von den Kabelnetzbetreibern koordiniert. Viele Verbraucher mussten aktiv werden, um weiterhin fernsehen zu können.
Wie funktionierte die Umstellung auf digitales Kabelfernsehen?
Die gute Nachricht für die meisten Haushalte: Die Umstellung auf digitales Kabelfernsehen war in vielen Fällen mit kaum zusätzlichen Kosten verbunden. Öffentlich-rechtliche Sender wie ARD und ZDF sowie die großen Privatsender sind digital meist ohne Aufpreis verfügbar.
Hardware aufrüsten
Wer kein digitales Empfangsgerät besaß, konnte seinen Fernseher mit einem DVB-C-Kabelreceiver nachrüsten. Solche Receiver waren im Handel bereits ab etwa 40 bis 50 Euro erhältlich.
Einige ältere Fernseher benötigten lediglich einen solchen externen Receiver, um das digitale Signal verarbeiten zu können. Neuere Geräte mit integriertem DVB-C-Tuner benötigten keine zusätzliche Hardware.
Hintergrund: DVB-C
DVB-C steht für 'Digital Video Broadcasting – Cable'. Es ist der Standard für die digitale Übertragung von Fernsehsignalen über Kabelnetze. Dieser Standard ermöglicht eine höhere Bild- und Tonqualität sowie eine größere Sendervielfalt im Vergleich zum analogen Empfang.
Keine Vertragsänderung notwendig
Entgegen mancher Empfehlung von Medienberatern der Kabelnetzbetreiber war für die Analogabschaltung kein neuer, teurerer Kabelvertrag erforderlich. Der bestehende Vertrag für den Kabelanschluss reichte in der Regel aus, um das digitale Signal zu empfangen.
Neue Sendersortierung und mehr Programme
Mit der Abschaltung des analogen Signals erfolgte eine Neusortierung der digitalen Sender. Auch Haushalte, die bereits digital empfingen, mussten einen neuen Sendersuchlauf starten, sobald ihr Anbieter die Umstellung vorgenommen hatte.
Ein positiver Nebeneffekt der Umstellung auf DVB-C war die erhöhte Anzahl an empfangbaren Programmen in vielen Regionen. Digitale Übertragung nutzt die Bandbreite effizienter, was mehr Kanäle ermöglicht.
Was änderte sich beim Radioempfang über Kabel?
Viele nutzten ihren analogen Kabelanschluss nicht nur für das Fernsehen, sondern auch für den Radioempfang. Mit der Umstellung auf digitales Kabelfernsehen funktionierte dies nicht mehr auf die gleiche Weise.
Der separate Stecker für den Radioempfang an der Anschlussdose ist nach der Umstellung nicht mehr nutzbar. Das Radiosignal kommt nun gemeinsam mit dem TV-Signal aus derselben Buchse.
- Bestehende Radios: Um weiterhin Radio über Kabel zu hören, ist oft ein Antennen-Verteiler notwendig. Dieser Adapter splittet das Signal aus einer Buchse. Eventuell ist auch ein zusätzliches Adapterstück für den Radioanschluss erforderlich.
- Zimmerantenne: Wer auf den Kabelanschluss verzichten möchte, kann Radiosender über eine Zimmerantenne empfangen, sofern das Signal stark genug ist.
- Neue Radios/Receiver: Alternativ kann ein Receiver für digitales Radio per Kabel zwischen Anschlussdose und Radio geschaltet werden. Moderne Radios mit DAB+ oder DVB-C mit AAC-LC-Empfangsteil sind ebenfalls eine Option.
„Die Umstellung betraf nicht nur das Fernsehen, sondern auch den Radioempfang über Kabel. Hier waren oft kleine Anpassungen oder neue Geräte nötig, um weiterhin die Lieblingssender zu empfangen.“
Welche Alternativen zum Kabel-TV gibt es?
Für Verbraucher, die nicht auf digitales Kabelfernsehen umsteigen wollten oder konnten, gibt es mehrere Alternativen für den Fernsehempfang:
1. Satellitenempfang (DVB-S)
Der Satellitenempfang bietet die größte Sendervielfalt. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind kostenlos empfangbar. Auch viele Privatsender werden bis mindestens Ende 2022 in kostenfreier SD-Qualität übertragen.
Vorteile: Hohe Programmauswahl, kostenlose Grundversorgung. Nachteile: Einmalige Kosten für Satellitenschüssel und Receiver. Jedes Fernsehgerät benötigt einen eigenen Receiver oder DVB-S-Tuner. Nach 2022 könnten Privatsender kostenpflichtig werden.
2. Antennenfernsehen (DVB-T2 HD)
DVB-T2 HD ist das digitale Antennenfernsehen. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind hierüber kostenlos verfügbar.
Vorteile: Einfache Installation mit Zimmer- oder Dachantenne. Öffentlich-rechtliche Sender sind kostenfrei. Nachteile: Für Privatsender wie RTL oder Sat.1 ist ein kostenpflichtiger Vertrag mit Freenet TV nötig. Es wird ein DVB-T2 HD-Receiver oder ein kompatibles Fernsehgerät benötigt. Achten Sie auf das grüne DVB-T2 HD-Logo, da ältere DVB-T-Geräte nicht funktionieren.
3. IPTV (Fernsehen über Internet)
IPTV wird über den Internetanschluss des Anbieters bezogen. Viele Internetanbieter bieten eigene TV-Pakete an, oft inklusive passendem Receiver mit Zusatzfunktionen.
Vorteile: Oft gebündelt mit Internet- und Telefonverträgen, zusätzliche Funktionen über den Receiver. Nachteile: Ausschließlich zum Internetanschluss eines bestimmten Anbieters hinzubuchbar, was einen Wechsel erschweren kann. Bei einem Ausfall der Internetverbindung ist auch kein Fernsehen möglich.
4. Internet-Streaming
Streaming-Dienste nutzen eine Breitband-Internetverbindung, um Inhalte direkt auf internetfähige Fernseher, Laptops oder PCs zu übertragen. Dazu gehören Mediatheken der Sender und kostenpflichtige Streaming-Anbieter.
Vorteile: Große Flexibilität und On-Demand-Inhalte. Viele Mediatheken sind kostenlos. Nachteile: Erfordert einen Internetanschluss und ein internetfähiges Endgerät. Die Qualität hängt stark von der Internetgeschwindigkeit ab.
Die Abschaltung des analogen Kabelfernsehens war ein wichtiger Schritt in die digitale Zukunft des Fernsehens in Deutschland. Sie hat die Art und Weise, wie wir TV-Inhalte empfangen, nachhaltig verändert und die Auswahlmöglichkeiten für Verbraucher erweitert.





