Der Wunsch nach Gewichtsverlust treibt viele Menschen dazu, auf vermeintliche Wundermittel zurückzugreifen. Der Markt ist überschwemmt mit Shakes, Pillen und Programmen, die schnelle Erfolge versprechen. Doch die Realität zeigt: Die meisten dieser Produkte halten nicht, was sie versprechen, und können im schlimmsten Fall sogar die Gesundheit gefährden. Eine kritische Betrachtung ist unerlässlich, um zwischen wirksamen Ansätzen und leeren Versprechungen zu unterscheiden.
Wichtige Erkenntnisse
- Ernährungs- und Bewegungsumstellung sind entscheidend für nachhaltigen Gewichtsverlust.
- Viele Formula-Diäten weisen Mängel in der Nährstoffzusammensetzung auf oder sind überdosiert.
- Vorsicht vor unseriösen Werbeversprechen und Produkten aus dem Direktvertrieb oder dem Internet.
- Appetitbremsen, Abführ- und Entwässerungsmittel sind keine echten Schlankheitsmittel und bergen Risiken.
- Hormon-Diäten wie die HCG-Diät sind gefährlich und illegal.
Grundlagen des Abnehmens: Kaloriendefizit ist unverzichtbar
Wer dauerhaft abnehmen möchte, muss die eigene Energiezufuhr reduzieren. Dies ist die grundlegende Formel für jeden Gewichtsverlust. Grob gesagt, müssen etwa 7.000 Kilokalorien eingespart werden, um ein Kilogramm Körpergewicht zu verlieren. Dies erfordert Disziplin und eine bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Essgewohnheiten.
Viele Produkte werben mit schnellen Erfolgen bei minimalem Aufwand. Sie versprechen, den Körper auf magische Weise Fett verbrennen zu lassen oder den Hunger zu unterdrücken. Doch die Wirkung ist oft nur kurzfristig oder gar nicht vorhanden. Langfristig führt nur eine dauerhafte Änderung des Lebensstils zu Erfolg.
Faktencheck Abnehmen
- Um 1 kg Körpergewicht zu verlieren, müssen ca. 7.000 Kalorien eingespart werden.
- Wundermittel mit kurzfristigen Erfolgen sind oft gesundheitsschädlich.
- Hinweise wie „zertifiziert“ oder „ärztlich erprobt“ sind oft ohne Aussagekraft.
Formula-Diäten: Shakes als Mahlzeitenersatz
Formula-Diäten sind Pulver, die mit Wasser oder Milch angerührt werden und eine oder mehrere Mahlzeiten ersetzen sollen. Produkte wie Herbalife, Almased oder Yokebe fallen in diese Kategorie. Eine EU-Verordnung legt fest, wie diese „Mahlzeiten für eine gewichtskontrollierende Ernährung“ zusammengesetzt sein müssen.
Jede Mahlzeit muss zwischen 200 und 250 Kilokalorien enthalten. Der Eiweißgehalt muss zwischen 25 und 50 Energieprozent liegen, und der Vitamin- und Mineralstoffgehalt soll 30 Prozent der Tagesreferenzwerte betragen. Trotz dieser Vorgaben gibt es große Unterschiede in der Qualität der Produkte.
Qualität und Sicherheit von Shakes
Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Bremen im Jahr 2021 zeigte erhebliche Unterschiede in der Nährstoffzusammensetzung von 11 Mahlzeitenersatz-Getränken. Einige Produkte fielen durch einen hohen Anteil gesättigter Fettsäuren auf, andere durch sehr hohe Ballaststoffmengen. Auch der Zuckergehalt variiert stark.
Besonders problematisch ist oft der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen. Viele Produkte überschreiten bereits mit einer Portion die Hälfte der EU-weit geltenden Referenzmengen. Bei längerer Einnahme oder in Kombination mit zusätzlichen Nahrungsergänzungsmitteln kann dies zu einer Überschreitung der sicheren Obergrenzen führen.
„Viele Hersteller machen unseriöse Versprechungen oder kennzeichnen ihre Produkte falsch oder unzureichend. Eine aktuelle Untersuchung von Ökotest im Februar 2024 konnte nur zwei von 17 Shakes mit 'gut' bewerten.“
Hauptkritikpunkte sind Verunreinigungen mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/MOSH-Analoge) und der Einsatz umstrittener Süßstoffe. In sieben Produkten waren die Mineralölrückstände so hoch, dass Ökotest vier Notenpunkte abzog.
Wichtige Hinweise zur Einnahme
Formula-Diäten, die eine ganze Tagesration ersetzen, sollten ohne ärztlichen Rat nicht länger als 3 Wochen verwendet werden. Für Kinder und Jugendliche sind sie nicht geeignet. Auch bei chronischen Erkrankungen oder Nierenvorschädigung ist vorab ein Arztgespräch notwendig. Die Zubereitung muss exakt nach Packungsanweisung erfolgen, um eine ausreichende Nährstoffversorgung zu gewährleisten.
Direktvertrieb und Online-Angebote: Skepsis ist angebracht
Abnehmprogramme werden oft über selbstständige Berater im Direktvertrieb angeboten. Diese Berater verfügen häufig nicht über anerkannte Qualifikationen in der Ernährungsberatung. Bei sogenannten „Shake-Partys“ im privaten Umfeld werden Produkte beworben und verkauft. Bei solchen Verträgen, die außerhalb von Geschäftsräumen geschlossen werden, haben Verbraucher ein 14-tägiges Widerrufsrecht.
Besondere Vorsicht ist bei Werbeversprechen geboten, die die Heilung von Krankheiten wie Schuppenflechte, Neurodermitis, Rheuma oder Diabetes in Aussicht stellen. Solche Behauptungen sind wissenschaftlich nicht haltbar und gesetzlich unzulässig. Verbraucher können solche Fälle der örtlichen Lebensmittelüberwachung melden.
Gefahren im Internet
Das Internet ist eine weitere große Plattform für Abnehmprodukte. In sozialen Medien und Abnehmforen finden sich oft euphorische Bewertungen und Erfahrungsberichte. Hier ist Skepsis angebracht, da diese Schilderungen subjektiv sind und auch von Firmenvertretern stammen könnten, die sich nicht als solche zu erkennen geben.
Internethändler sind verpflichtet, vor dem Kauf alle wichtigen Informationen wie Zutatenlisten, Nährwertangaben und Allergene bereitzustellen. Von Privatkäufen, beispielsweise über Online-Marktplätze, raten Verbraucherzentralen dringend ab. Hier gibt es keine Gewährleistung oder Geld-zurück-Garantie, und die Lagerbedingungen der Produkte sind oft unklar.
Medizinisch betreute Abnehmprogramme
Formula-Diäten können auch Teil medizinisch betreuter Abnehmprogramme sein. Diese Programme richten sich nach dem Grad des Übergewichts und möglichen Begleiterkrankungen und dauern meist zwischen 16 und 52 Wochen. Die Betreuung erfolgt ambulant in Therapiezentren oder Krankenhäusern.
Solche Programme orientieren sich an den Behandlungsleitlinien der Deutschen Adipositas-Gesellschaft. Sie kombinieren eine Formula-Diät mit einer kohlenhydratflexiblen, fettkontrollierten Ernährung, medizinischer und psychologischer Betreuung sowie Sport. Nach dem Programm ist eine weitere Betreuung durch den Hausarzt wichtig, um das Gewicht langfristig zu stabilisieren.
Die Kosten für die Formula-Diät liegen bei 250 bis 300 Euro pro Monat. Einzelne Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten, jedoch ohne die Formula-Produkte selbst. Die multidisziplinäre Betreuung durch Ärzte, Ernährungsfachkräfte, Psychologen und Sporttherapeuten gewährleistet eine gesundheitlich sichere Gewichtsabnahme.
Appetitbremsen, Abführ- und Entwässerungsmittel: Keine echten Lösungen
Freiverkäufliche Appetitbremsen sind Nahrungsergänzungsmittel, die oft Mate- oder Guarana-Extrakte enthalten. Sie sollen den Hunger dämpfen, wirken anregend und leicht entwässernd. Für diese Produkte liegen jedoch keine Wirkstudien vor, im Gegensatz zu verschreibungspflichtigen Appetitzüglern, die aber ebenfalls ihre Risiken haben.
Der appetithemmende Arzneistoff Sibutramin ist seit 2010 wegen schwerer Nebenwirkungen weltweit verboten. Auch die Zulassung für Rimonabant ruht seit 2007. Selbst diese rezeptpflichtigen Präparate zeigten im Vergleich zu einem Placebo nur eine geringfügig bessere Wirkung von etwa 4 bis 5 Prozent, und das Körpergewicht stieg nach dem Absetzen wieder an.
Das Medikament „Wegovy“, eine Abnehmspritze, wurde 2022 zugelassen, wird aber als Lifestyle-Medikament nicht von den Krankenkassen bezahlt. Häufige Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden.
Gefährliche Praktiken: Entwässerungs- und Abführmittel
Entwässerungs- und Abführmittel werden fälschlicherweise als Schlankheitsmittel beworben. Sie führen lediglich zu Wasserverlusten und erhöhten Stuhlmengen, aber nicht zu echtem Fettabbau. Eine langfristige und unkontrollierte Einnahme kann die Gesundheit ernsthaft gefährden, auch bei Arzneitees.
Ballaststoff- und Quellstoffprodukte: Sättigung mit Vorsicht
Produkte mit Ballast- und Quellstoffen, wie Glucomannan aus der Konjak-Knolle, werden als Hungerbremsen beworben. Sie können tatsächlich sättigen, aber nur bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr. Andernfalls besteht das Risiko eines Darmverschlusses. Wichtig ist, die Packungsbeilagen genau zu beachten und mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten ärztlich abzuklären.
Der Sättigungseffekt kann dazu führen, dass sich der Körper daran gewöhnt und nach der Diät wieder mehr isst, was den Gewichtsverlust zunichtemacht. Ohne eine gleichzeitige Kalorienreduktion wirken diese Produkte nicht nachhaltig.
Fett- und Kohlenhydratblocker: Physikalische Wirkung mit Tücken
Fett- und Kohlenhydratblocker werden meist als Medizinprodukte angeboten. Fettblocker wie Chitosan sollen Nahrungsfett binden. Dies funktioniert jedoch nur in Kombination mit einer kalorienreduzierten Ernährung. Ein Problem dabei ist, dass auch fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) gebunden und ungenutzt ausgeschieden werden.
Kohlenhydratblocker hemmen ein Verdauungsenzym, das Stärke spaltet, jedoch nur zu etwa 60 Prozent. Gegen zu viel Zucker sind sie wirkungslos. Ungedaute Stärke kann zu Blähungen und Durchfall führen. Die Aufnahme von Haupt- und Mikronährstoffen sowie mancher Medikamente kann ebenfalls beeinträchtigt werden.
Hormone: HCG-Diät ist gefährlich und illegal
Die HCG-Diät, die auf dem Hormon humanes Choriongonadotropin basiert, ist ein riskantes und unbewiesenes Konzept. Dabei wird eine extrem niedrige Kalorienzufuhr von nur rund 500 Kilokalorien pro Tag mit der Einnahme des Hormons kombiniert. Es gibt jedoch keinerlei Belege dafür, dass HCG die Fettreserven mobilisiert.
Stattdessen birgt eine solche Diät erhebliche Gesundheitsrisiken wie Nierensteine, Herzrhythmus- und Stoffwechselstörungen. HCG ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und darf nicht als Abnehmhilfe verkauft werden. Jeglicher Gewichtsverlust ist ausschließlich auf die extreme Kalorienrestriktion zurückzuführen, die zu einem Mangel an lebensnotwendigen Nährstoffen führt und den Jo-Jo-Effekt begünstigt.
Light-Produkte: Nicht immer die bessere Wahl
Light-Produkte versprechen weniger Kalorien, Fett, Zucker oder Alkohol. Um Geschmack und Konsistenz zu erhalten, werden oft aufwendige Verarbeitungsprozesse und zahlreiche Zusatzstoffe wie Aromen, Geschmacksverstärker oder Verdickungsmittel eingesetzt. Ob sie tatsächlich beim Abnehmen helfen, ist fraglich.
Oft sättigen Light-Produkte nicht nachhaltig, was dazu verleiten kann, größere Portionen zu essen und die tatsächliche Kalorienmenge zu unterschätzen. Sie tragen nicht unbedingt dazu bei, ungünstige Essgewohnheiten zu ändern. Eine bewusste Ernährung mit vollwertigen Lebensmitteln ist hier oft der effektivere Weg.





