Die US-amerikanische Industrie für saubere Energie erlebt derzeit eine tiefgreifende Umstrukturierung. Unternehmen passen ihre Strategien an, um Risiken zu minimieren, insbesondere im Hinblick auf die Foreign Entity of Concern (FEOC)-Regularien. Chinesische Firmen haben in jüngster Zeit Mehrheitsbeteiligungen an wichtigen Produktionsanlagen verkauft, was einen Paradigmenwechsel in der Branche signalisiert.
Wichtige Erkenntnisse
- Chinesische Firmen verkaufen Mehrheitsbeteiligungen in den USA, um FEOC-Vorschriften zu erfüllen.
- Die Neuausrichtung sichert den Zugang zu US-Kapital und Steuergutschriften.
- US-Investoren erwerben Anlagen zu attraktiven Bewertungen.
- Die FEOC-Regeln werden die gesamte Branche betreffen, nicht nur einzelne Fabriken.
- Unsicherheit bleibt bezüglich der langfristigen Auslegung und Durchsetzung der Regeln.
Neuausrichtung der Lieferketten für saubere Energie
Die Landschaft der US-Lieferketten für saubere Energie verändert sich grundlegend. Chinesische Unternehmen wie Envision Energy (über AESC) und JinkoSolar haben in der letzten Woche Mehrheitsbeteiligungen an ihren Batterie- beziehungsweise Solarproduktionsstätten veräußert. Diese Transaktionen sind ein klares Zeichen für die Auswirkungen politischer Risiken und der FEOC-Beschränkungen auf die Finanzierbarkeit von Projekten in den USA.
Mona Dajani, Co-Leiterin für Infrastruktur, Energie und Immobilien bei der Anwaltskanzlei Cooley, betont, dass dies kein vollständiger Rückzug chinesischer Firmen ist. Vielmehr handelt es sich um eine Rekapitalisierung und politische Umstrukturierung der US-Lieferkette für saubere Energie. Der Markt beginnt, FEOC-Risiken zu bewerten und Schritte zu deren Minderung einzuleiten.
Faktencheck FEOC
- Definition: Eine „Foreign Entity of Concern“ (FEOC) ist ein Unternehmen, bei dem mehr als 25 % der Vorstandsmitglieder, Stimmrechte oder Kapitalbeteiligungen von einer ausländischen Regierung oder einer mit ihr verbundenen Partei gehalten werden.
- Auswirkung: Projekte, die Produkte von FEOC-verbundenen Unternehmen nutzen, verlieren ihre Berechtigung für bestimmte Steuergutschriften.
- Startdatum: Die Beschränkungen gelten seit dem 1. Januar dieses Jahres.
Zugang zu US-Kapital und Steuergutschriften sichern
Chinesisch verbundene Hersteller strukturieren ihre Operationen um, um den Zugang zu US-Kapital, Steuergutschriften und Versicherungsmärkten zu erhalten. Die chinesische Eigentümerstruktur entwickelt sich zunehmend zu einem Finanzierbarkeitsproblem. Einige große Entwickler ziehen sich bereits von Geschäften mit chinesisch verbundenen Unternehmen zurück.
Gegenparteien stellen jetzt detaillierte Fragen. Es geht darum, wem das geistige Eigentum gehört, woher Materialien stammen und ob chinesische Sponsoren weiterhin die Kontrolle oder Vetorechte besitzen. Entwickler müssen nun eine umfassende Due Diligence ihrer Lieferketten durchführen.
„Dies ist keine vollständige Abkehr chinesischer Firmen vom Markt, sondern eine Rekapitalisierung und politische Umstrukturierung der US-Lieferkette für saubere Energie.“ – Mona Dajani, Cooley
Strategische Verkäufe und neue Eigentümer
Das Vorgehen von JinkoSolar, das einen Anteil von 75,1 % verkaufte, um unter der 25 %-Schwelle der FEOC-Regelung zu bleiben, könnte als Vorbild für weitere Transaktionen dienen. Chinesische Unternehmen möchten technologische Beziehungen und Minderheitsbeteiligungen beibehalten, da ihre Produkte weiterhin im US-Markt gefragt sein werden.
Derzeitige Unsicherheiten rund um FEOC und das breitere US-Gesetzesumfeld gegen China machen diese Vermögenswerte für Investoren attraktiv. Es handelt sich hierbei weniger um strategische Käufer, sondern eher um Finanzinvestoren. US-Investoren können diese Projekte zu attraktiven Bewertungen erwerben und sie in besser finanzierbare Produktionsplattformen umwandeln.
Hintergrund der FEOC-Regeln
Die FEOC-Beschränkungen wurden als Teil des sogenannten „One Big Beautiful Bill“ (OBBB) unter der Präsidentschaft von Donald Trump eingeführt. Sie zielen darauf ab, die Abhängigkeit der USA von ausländischen, insbesondere chinesischen, Lieferketten in kritischen Technologien zu reduzieren und die heimische Produktion zu stärken.
Konkrete Beispiele für Verkäufe
Der Batteriespeichertechnologie-Anbieter Fluence hatte ein Angebot zur Übernahme der Tennessee-Gigafabrik von AESC unterbreitet. AESC entschied sich jedoch gegen den Verkauf an Fluence. Stattdessen wurde die Fabrik an Fixx Energy verkauft, ein neu gegründetes Unternehmen des Risikokapitalgebers Brett Conrad. Jinko wiederum veräußerte seine Beteiligung an die Private-Equity-Firma FH Capital.
Diese Transaktionen zeigen, dass es bei diesen Geschäften um Umstrukturierung und Risikomanagement geht, nicht primär um Branchenkonsolidierung. Strategische Käufer zögern, FEOC-exponierte Vermögenswerte zu übernehmen und sich mit zukünftigen Streitigkeiten auseinanderzusetzen. Die FEOC-Regeln entwickeln sich weiterhin in Echtzeit.
Anhaltende Unsicherheit und zukünftige Auswirkungen
Es besteht weiterhin erhebliche Unsicherheit bezüglich der FEOC-Regeln. Besonders die Kriterien für Kontrolle, Technologielizenzierung und Lieferkettenverbindungen sind noch nicht vollständig geklärt. Auch der Grad der strengen Auslegung und langfristigen Durchsetzung ist unklar.
Obwohl das US-Finanzministerium im Februar eine erste vorläufige FEOC-Leitlinie herausgegeben hat und in der letzten Woche weitere Details folgten, sind laut der New York State Bar Association immer noch mindestens 25 FEOC-Bereiche offen, die weitere Klärung erfordern. Diese fehlenden Details erschweren die Planung für Unternehmen erheblich.
- Die Unsicherheit betrifft Kontrolle und Technologielizenzierung.
- Die genaue Auslegung der Regeln ist noch nicht vollständig bekannt.
- Mindestens 25 Bereiche benötigen weitere Leitlinien vom US-Finanzministerium.
Mona Dajani fasst die Situation zusammen: „Wir stehen erst am Anfang, und dieser Prozess könnte enorme Ausmaße annehmen. Dies betrifft nicht nur einige wenige Fabriken, sondern die gesamte Industrie.“ Der Markt befindet sich an einem kritischen Wendepunkt. Eine ganze Generation von Produktionsanlagen muss möglicherweise finanziell und politisch neu gestaltet werden.
Die US-Regierung versucht, die heimische Produktion zu stärken und die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten zu reduzieren. Dies führt zu einer grundlegenden Verschiebung in den Investitions- und Produktionsstrategien innerhalb des Sektors für saubere Energien. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich diese dynamische Entwicklung weiter entfaltet und welche langfristigen Auswirkungen sie auf die globale Energielandschaft haben wird.





