Die bayerische Staatsregierung hat in den letzten Jahren Millionen Euro für die Förderung von Wasserstoff-Technologien bereitgestellt. Doch die Nachfrage nach diesen Geldern, insbesondere für Wasserstoff-Tankstellen und Elektrolyseure, bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Ein Großteil der zugesagten Fördermittel wurde nicht abgerufen oder sogar zurückgezahlt, was Fragen zur Effizienz der staatlichen Investitionen aufwirft.
Wichtige Erkenntnisse
- Nur 16,3 Millionen Euro von 61 Millionen Euro für Wasserstoff-Tankstellen abgerufen.
- Fünf Tankstellenprojekte wurden gestoppt, 9 Millionen Euro zurückgezahlt.
- Ziel von 100 Tankstellen wurde mit nur 20 deutlich verfehlt.
- Für Elektrolyseure wurden nur 4,1 Millionen Euro von 120 Millionen Euro ausgezahlt.
- Energieforschungsprogramm ist hingegen erfolgreich und wird stark nachgefragt.
Geringe Nachfrage bei Wasserstoff-Tankstellen
Zwischen 2018 und 2025 stellte die bayerische Staatsregierung fast 61 Millionen Euro für den Bau von Wasserstoff-Tankstellen in Aussicht. Von dieser Summe wurden jedoch lediglich 16,3 Millionen Euro tatsächlich abgerufen. Dies geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf Anfragen der Grünen im Landtag hervor.
Die Diskrepanz zwischen zugesagten und abgerufenen Mitteln ist erheblich. In fünf Fällen kam es sogar zu Rückzahlungen in Höhe von insgesamt 9 Millionen Euro. Die Projekte wurden mutmaßlich nicht umgesetzt. Das Förderprogramm für Tankstellen ist inzwischen ausgelaufen.
Faktencheck: Wasserstoff-Tankstellen
- Zusagen 2018-2025: 61 Millionen Euro
- Abgerufen: 16,3 Millionen Euro
- Rückzahlungen: 9 Millionen Euro (5 Projekte)
- Ursprüngliches Ziel: 100 Tankstellen
- Tatsächlich realisiert: nur 20 Tankstellen
Kritik an der Förderpolitik
Die Grünen-Abgeordneten Martin Stümpfig und Markus Büchler üben scharfe Kritik an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Sie sprechen von Steuergeldverschwendung und der „Förderung sinnloser Projekte“. Aiwanger hatte sich lange Zeit für Wasserstoff als Energieträger der Zukunft eingesetzt und das Ziel von 100 Wasserstoff-Tankstellen in Bayern propagiert.
Die Realität sieht anders aus: Nach Angaben der Grünen sind es lediglich 20 Tankstellen geworden. Dies wirft die Frage auf, ob die Erwartungen an Wasserstoff als Kraftstoff für Pkw zu optimistisch waren.
„Die massiven Rückzahlungen und die geringe Nachfrage zeigen deutlich, dass die Wasserstoff-Strategie im Verkehrsbereich in Bayern nicht aufgegangen ist. Hier wurden Steuergelder verpufft.“
Geringe Auszahlung bei Elektrolyseur-Förderung
Auch beim Bau von Elektrolyseuren, also Anlagen zur Produktion von Wasserstoff, zeigt sich ein ähnliches Bild. Für die Jahre 2024 und 2025 hatte die Staatsregierung knapp 120 Millionen Euro an Fördergeldern zugesagt. Davon wurden bis dato jedoch nur 4,1 Millionen Euro tatsächlich ausgezahlt.
Das Ministerium verweist darauf, dass Fördergelder oft nicht im Jahr der Zusage, sondern später abgerufen werden. Dennoch ist der Unterschied zwischen Zusage und Auszahlung beträchtlich und deutet auf eine geringe Umsetzungsquote hin.
Hintergrund: Elektrolyseure
Elektrolyseure sind zentrale Anlagen zur Herstellung von Wasserstoff. Sie nutzen elektrischen Strom, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. Für eine nachhaltige Wasserstoffproduktion ist es entscheidend, dass dieser Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt.
Erfolgreiches Energieforschungsprogramm
Im Gegensatz zu den Förderprogrammen für Tankstellen und Elektrolyseure ist ein anderes Programm deutlich erfolgreicher: das bayerische Energieforschungsprogramm. Von den insgesamt knapp 142 Millionen Euro zugesagten Forschungszuschüssen war bis Ende 2025 bereits mehr als die Hälfte abgerufen. Dies deutet darauf hin, dass die Forschung im Bereich Wasserstoff und erneuerbare Energien auf großes Interesse stößt und erfolgreich umgesetzt wird.
Es scheint, als ob die Investitionen in die Grundlagenforschung und Entwicklung von Wasserstoff-Technologien besser angenommen werden als die direkte Implementierung in die Infrastruktur für Endverbraucher.
Bundesweite Strategie und Herausforderungen
Die Bundesregierung plant den Aufbau eines sogenannten Wasserstoff-Kernnetzes. Dieses soll primär Abnehmer in der Industrie versorgen. Für den Einsatz von Wasserstoff als Brennstoff für Heizungen oder Autos sehen Energieexperten jedoch große Hürden. Die hohen Produktionskosten machen eine breite Durchsetzung als unwahrscheinlich.
Zudem müsste Deutschland einen erheblichen Teil des Wasserstoffs importieren, ähnlich wie es derzeit bei Erdgas der Fall ist. Dies würde neue Abhängigkeiten schaffen und die Energieversorgung nicht unbedingt unabhängiger machen.
- Hohe Produktionskosten: Die Herstellung von grünem Wasserstoff ist energieintensiv und teuer.
- Infrastruktur: Der Aufbau eines flächendeckenden Tankstellennetzes ist kostenintensiv und dauert lange.
- Importabhängigkeit: Deutschland müsste viel Wasserstoff importieren, um den Bedarf zu decken.
Die Erfahrungen in Bayern spiegeln die nationalen und internationalen Debatten wider. Während Wasserstoff in bestimmten Industriezweigen und für schwere Transportmittel eine Rolle spielen könnte, bleibt sein Potenzial im Pkw-Bereich und in der Wärmeversorgung umstritten.
Die aktuelle Situation in Bayern zeigt, dass politische Ziele und die tatsächliche Marktakzeptanz oft weit auseinanderliegen können. Es bedarf einer realistischen Einschätzung der Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit, um Steuergelder effektiv einzusetzen und die Energiewende voranzutreiben.





