Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen hat im vergangenen Geschäftsjahr einen erheblichen Verlust von 2,1 Milliarden Euro verzeichnet. Dies stellt eine Verdopplung des Vorjahresverlusts dar und ist maßgeblich auf Sondereffekte im Rahmen des Konzernumbaus zurückzuführen. Das Unternehmen steht vor großen Herausforderungen in einem schwierigen Marktumfeld.
Wichtige Erkenntnisse
- ZF verzeichnete einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro im letzten Geschäftsjahr.
- Operatives Ergebnis konnte trotz Umsatzrückgang verbessert werden.
- Die Nettoverschuldung bleibt mit 10,2 Milliarden Euro hoch.
- Konzern plant weiteren Stellenabbau von bis zu 14.000 Arbeitsplätzen in Deutschland.
- Keine schnelle Besserung der Marktlage erwartet; Fokus auf Profitabilität.
Einmalige Belastungen prägen die Bilanz
Der hohe Verlust von 2,1 Milliarden Euro ist laut ZF-Chef Mathias Miedreich vor allem auf Abschreibungen unprofitabler Projekte zurückzuführen. Diese Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Konzernumbaus. Im Vorjahr lag der Verlust noch bei etwas über einer Milliarde Euro, was die aktuelle Situation noch ernster erscheinen lässt.
Miedreich äußerte sich dazu:
„Die Abschreibungen unprofitabler Projekte haben einen Einmaleffekt auf unsere Bilanz für 2025. Aber so nehmen wir Steine aus dem Rucksack für den Aufstieg in den kommenden Jahren.“Dieser Schritt soll dem Unternehmen langfristig helfen, agiler und profitabler zu werden.
Faktencheck ZF Verlust
- Verlust 2025: 2,1 Milliarden Euro
- Verlust 2024: Knapp über 1 Milliarde Euro
- Umsatz 2025: 38,8 Milliarden Euro
- Rückgang Umsatz: 6 Prozent (2,6 Milliarden Euro)
Operative Fortschritte trotz schwierigem Umfeld
Trotz des hohen Nettoverlusts konnte ZF im operativen Geschäft Fortschritte erzielen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) stieg von rund 1,47 Milliarden Euro auf etwa 1,75 Milliarden Euro. Dies deutet darauf hin, dass die Kernaktivitäten des Unternehmens trotz der Gesamtbelastung eine positive Entwicklung zeigen.
Der Umsatz hingegen sank im vergangenen Jahr um rund sechs Prozent auf 38,8 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Rückgang von 2,6 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Finanzvorstand Michael Frick betonte, dass eine durchgreifende Belebung der Nachfrage derzeit nicht erkennbar sei. Das Unternehmen müsse in einem Umfeld ohne nennenswertes Marktwachstum bestehen.
Hintergrund: Die Zeppelin-Stiftung
ZF ist einer der weltweit größten Automobilzulieferer. Eine Besonderheit ist die Eigentümerstruktur: Der Konzern gehört zu 93,8 Prozent der Zeppelin-Stiftung. Diese Stiftung wird vom Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen verwaltet. Diese Struktur beeinflusst die strategischen Entscheidungen des Unternehmens und seine langfristige Ausrichtung.
Hohe Verschuldung und Stellenabbau
Die Nettoverschuldung von ZF bleibt mit 10,2 Milliarden Euro weiterhin hoch, obwohl das Unternehmen seine Finanzverbindlichkeiten im vergangenen Jahr um 250 Millionen Euro reduzieren konnte. Die Eigenkapitalquote sank zudem um mehr als fünf Prozentpunkte auf 13,3 Prozent. Diese Kennzahl ist entscheidend für die finanzielle Stabilität eines Unternehmens.
Als Reaktion auf die anhaltend schwierige Marktlage plant ZF, in den kommenden Jahren bis zu 14.000 Stellen in Deutschland abzubauen. Ende 2025 beschäftigte der Konzern weltweit 153.153 Menschen, was einem Rückgang von rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. In Deutschland sank die Mitarbeiterzahl nominal ebenfalls um etwa fünf Prozent auf etwas mehr als 49.000. ZF sieht sich damit auf Kurs beim geplanten Stellenabbau.
Ausblick: Keine schnelle Besserung in Sicht
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 erwartet ZF keine schnelle Besserung der Gesamtlage. Bei stabilen Wechselkursen rechnet der Konzern mit einem Umsatz von über 38 Milliarden Euro. Das Unternehmen fokussiert sich weiterhin auf die schrittweise Erarbeitung von Profitabilität.
ZF-Chef Mathias Miedreich bekräftigte:
„Wir werden uns Schritt für Schritt wieder die Profitabilität erarbeiten.“Dies unterstreicht den langfristigen Ansatz des Unternehmens, trotz der aktuellen Herausforderungen eine nachhaltige finanzielle Basis zu schaffen.
Die Automobilzulieferindustrie leidet wie viele andere Branchen unter der schwachen Konjunktur und den globalen Lieferkettenproblemen. ZF muss sich in diesem Umfeld neu positionieren, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Fokus auf den Abbau unprofitabler Projekte und die Stärkung des operativen Geschäfts sind dabei zentrale Elemente der Strategie.
Die Transformation hin zu Elektromobilität und autonomen Fahrsystemen erfordert zudem erhebliche Investitionen, die sich in den Bilanzen der Zulieferer widerspiegeln. ZF ist hier in einer Schlüsselposition und muss die Balance zwischen Innovation und finanzieller Stabilität finden.





