Private Rentenversicherungen und ähnliche Policen erweisen sich für den Vermögensaufbau oft als ungeeignet. Hohe Kosten und geringe Renditechancen schmälern die Erträge erheblich, wie aktuelle Analysen zeigen. Verbraucher sollten Alternativen in Betracht ziehen, die flexibler und rentabler sind.
Wichtige Erkenntnisse
- Private Rentenversicherungen sind wegen hoher Kosten selten eine gute Wahl für den Vermögensaufbau.
- Bis zu die Hälfte der potenziellen Erträge können durch Abschluss-, Vertriebs- und laufende Kosten verloren gehen.
- Garantien reduzieren die Renditen oft so stark, dass nach Kosten sogar negative Ergebnisse möglich sind.
- Es gibt einfachere, günstigere und deutlich rentablere Alternativen zur Altersvorsorge, wie ETF-Sparpläne.
Hohe Kosten fressen Renditen auf
Ein Hauptproblem privater Rentenversicherungen sind die signifikanten Kosten. Diese umfassen Abschluss-, Vertriebs- und laufende Verwaltungskosten. Besonders in den ersten Jahren belasten diese Gebühren die Beiträge stark und reduzieren das tatsächlich angelegte Kapital.
Die Auswirkungen der Kosten werden von vielen Verbrauchern unterschätzt. Selbst geringe prozentuale Abzüge können über lange Laufzeiten einen enormen Unterschied machen. Ein beträchtlicher Teil der erwirtschafteten Erträge fließt nicht an die Versicherten, sondern an die Versicherungsgesellschaften und deren Vermittler.
Faktencheck Kosten
Bei einer Rendite von 5 Prozent pro Jahr und branchenüblichen Effektivkosten von 2 Prozent können die Erträge einer fondsgebundenen Rentenversicherung um 56 Prozent reduziert werden. Das bedeutet, mehr als die Hälfte des potenziellen Gewinns geht verloren.
Effektivkosten als entscheidende Kennzahl
Für Verbraucher ist es entscheidend, die Effektivkosten, auch als „Reduction in Yield“ bezeichnet, zu verstehen. Diese Zahl, die im Produktinformationsblatt angegeben sein muss, zeigt an, um wie viele Prozentpunkte pro Jahr die Kosten die Rendite mindern.
Ein Beispiel verdeutlicht dies: Bei einer angenommenen Rendite vor Kosten von 1 Prozent pro Jahr und Effektivkosten von ebenfalls 1 Prozent pro Jahr, werden die gesamten Erträge vollständig aufgebraucht. Das angesparte Kapital wächst dann überhaupt nicht.
Garantien bieten trügerische Sicherheit
Klassische Renten- und Lebensversicherungen werben oft mit garantierten Leistungen. Diese Garantien sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Sie beziehen sich auf den sogenannten Höchstrechnungszins, der nur auf den Teil der Beiträge gewährt wird, der nach Abzug aller Kosten und Risikovorsorge übrigbleibt.
Der tatsächliche Garantiezins variiert je nach Vertragsabschlussjahr und Versicherer. Er liegt oft deutlich unter den Erwartungen. Die reale Rendite der eingezahlten Beiträge ist wegen der hohen Kosten in den ersten Jahren oft negativ.
"Steuern sparen ist keine Anlagestrategie. Verbraucher sollten sich nicht von vermeintlichen Steuervorteilen blenden lassen, die oft nicht existieren oder minimal sind." – Markus Weber, Experte für Verbraucherschutz.
Historische Höchstrechnungszinsen
Der Höchstrechnungszins hat sich über die Jahre stark verändert. Während er von 1994 bis 2000 noch bei 4,00 Prozent lag, sank er bis 2021 auf 0,25 Prozent. Ab 2025 steigt er wieder auf 1,00 Prozent. Dieser Zins bildet die Grundlage für die Garantien, aber die tatsächliche Rendite ist oft viel niedriger.
Steuervorteile sind selten
Entgegen weit verbreiteter Annahmen bieten private Rentenversicherungen in den meisten Fällen keine signifikanten Steuervorteile mehr. Ausnahmen bilden lediglich Altverträge, die vor dem 31. Dezember 2004 abgeschlossen wurden und unter bestimmten Umständen steuerfrei sein konnten.
Seit 2005 unterliegen Erträge grundsätzlich der Abgeltungssteuer von 25 Prozent, zuzüglich möglicher Zuschläge. Bei lebenslangen Renten wird der sogenannte Ertragsanteil besteuert. In der Praxis sind diese Steuervorteile oft gering oder nicht vorhanden.
Was tun mit bestehenden Verträgen?
Wer bereits eine private Rentenversicherung besitzt, sollte die Situation genau analysieren. Eine pauschale Empfehlung zur Kündigung oder Beitragsfreistellung ist nicht möglich, da jeder Vertrag und die individuelle Situation des Versicherten einzigartig sind.
Optionen prüfen
- Renditeberechnung: Bei klassischen Policen mit Garantien sollte die Rendite genau durchgerechnet werden.
- Schuldenabbau: Wenn Schulden bestehen, kann es sinnvoller sein, den Vertrag zur Entschuldung zu nutzen, besonders wenn die Rendite des Vertrags unter dem Darlehenszins liegt.
- Zahlungsweise anpassen: Eine Umstellung von monatlicher auf jährliche Zahlung kann Kosten sparen.
- Fonds optimieren: Bei Fondspolicen ist es oft ratsam, teure Fonds gegen günstigere ETFs auszutauschen.
- Zusatzversicherungen kündigen: Überflüssige Zusatzversicherungen wie Unfalltod oder Berufsunfähigkeit sollten gekündigt werden, da diese Risiken oft günstiger separat abgesichert werden können.
Eine vorzeitige Kündigung führt wegen hoher Abschlusskosten und Stornoabschlägen fast immer zu Verlusten. Diese Verluste waren jedoch oft von Anfang an im Vertrag angelegt. Eine Kündigung oder Beitragsfreistellung kann dennoch vorteilhaft sein, um weitere laufende Kosten zu vermeiden.
Bessere Alternativen für die Altersvorsorge
Für den langfristigen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge gibt es einfachere, günstigere und oft deutlich rentablere Alternativen zur privaten Rentenversicherung. Diese bieten mehr Flexibilität und Transparenz.
Empfehlenswerte Alternativen
- ETF-Sparpläne: Exchange Traded Funds (ETFs) sind kostengünstige und breit gestreute Investmentfonds, die einen Index nachbilden. Sie bieten gute Renditechancen bei niedrigen Gebühren.
- Festgeld: Für den sicheren Teil der Altersvorsorge können Festgeldkonten eine gute Option sein, um Kapital ohne Risiko zu verzinsen.
- Sparbriefe: Ähnlich wie Festgeld bieten Sparbriefe feste Zinsen über eine definierte Laufzeit und sind eine sichere Anlageform.
- Mischstrategien: Eine Kombination aus verschiedenen Anlageformen, die auf die individuelle Risikobereitschaft und die Lebenssituation abgestimmt ist, ist oft die beste Lösung.
Altersvorsorge sollte in erster Linie Vermögensaufbau sein. Eine gute Strategie ist flexibel, auf die eigene Risikobereitschaft abgestimmt und möglichst rentabel. Finanzprodukte, die einen Großteil der Erträge durch hohe Kosten aufzehren, sind dabei meist keine gute Wahl.





