Die Private Krankenversicherung (PKV) kalkuliert ihre Beiträge mithilfe von Alterungsrückstellungen. Diese sollen sicherstellen, dass die Prämien im Alter stabil bleiben, obwohl die Gesundheitskosten steigen. Doch trotz dieser Rücklagen erleben viele Versicherte im Laufe ihres Lebens immer wieder Beitragsanpassungen. Wir beleuchten, wie Alterungsrückstellungen funktionieren und warum sie Beitragssteigerungen oft nicht vollständig verhindern können.
Wichtige Punkte
- Alterungsrückstellungen sind Sparanteile, die in der PKV gebildet werden, um hohe Behandlungskosten im Alter zu finanzieren.
- Sie sollen die Beiträge über die gesamte Vertragslaufzeit möglichst konstant halten.
- Trotz Rückstellungen steigen Beiträge oft, da Ausgaben und Lebenserwartung über Prognosen liegen und Zinserträge geringer ausfallen.
- Bei einem Versicherungswechsel ab 2009 kann ein Teil der Rückstellungen mitgenommen werden.
- Vor einem Wechsel des Versicherungsunternehmens sollte immer ein Tarifwechsel innerhalb des eigenen Unternehmens geprüft werden.
Wie Alterungsrückstellungen in der PKV funktionieren
Die Beiträge in der Privaten Krankenversicherung basieren auf komplexen versicherungsmathematischen Berechnungen. Da das Risiko, zu erkranken, mit zunehmendem Alter steigt, würden die Beiträge ohne spezielle Vorkehrungen im Alter extrem ansteigen. Um dies zu verhindern, wird über die gesamte Vertragslaufzeit ein Sparanteil angesammelt. Dieser Sparanteil wird als Alterungsrückstellung bezeichnet und verzinst.
Diese Rücklagen dienen dazu, die erwarteten höheren Behandlungskosten im späteren Leben der Versicherten zu decken. Das Ziel ist es, einen möglichst gleichbleibenden Beitrag über viele Jahre zu ermöglichen.
Faktencheck
- Gesetzlicher Zuschlag: Zwischen dem 21. und 60. Lebensjahr zahlen Versicherte einen zusätzlichen Beitrag von zehn Prozent ihres regulären Beitrags in die Alterungsrückstellungen ein. Dieser Zuschlag soll Beitragssteigerungen nach dem 65. Lebensjahr abfedern und die Beiträge nach dem 80. Lebensjahr sogar senken.
- Keine Rückstellungen für junge Versicherte: Für Kinder, Jugendliche und Auszubildende werden in der Regel keine Alterungsrückstellungen gebildet.
Warum Beiträge trotz Rückstellungen steigen
Obwohl Alterungsrückstellungen gebildet werden, erleben viele Versicherte, dass ihre Beiträge über die Jahre hinweg steigen. Dies liegt an mehreren Faktoren, die die ursprünglichen Kalkulationen beeinflussen.
Die Berechnung der Beiträge und Rückstellungen basiert auf Prognosen zur zukünftigen Entwicklung. Versicherungsmathematiker nutzen dabei statistische Daten wie Sterblichkeit und Krankheitsrisiken, die zum Zeitpunkt der Kalkulation vorliegen. Diese Rechnungsgrundlagen sind jedoch nicht statisch und müssen laufend an die Realität angepasst werden.
„Die Kalkulation der Beiträge in der PKV ist komplex und muss wegen der sozialen Bedeutung dieses Versicherungszweiges besonders vorsichtig erfolgen.“
Steigende Lebenserwartung und medizinischer Fortschritt
Ein wesentlicher Grund für Beitragsanpassungen ist die steigende Lebenserwartung. Wenn Menschen länger leben, nehmen sie auch länger medizinische Leistungen in Anspruch. Dies führt zu höheren Gesamtkosten als ursprünglich angenommen.
Zudem tritt im Alter häufiger die sogenannte Multimorbidität auf, bei der mehrere Krankheiten gleichzeitig bestehen. Solche Fälle erfordern oft komplexere und damit kostspieligere Behandlungen. Der medizinische Fortschritt, der neue und effektivere, aber auch teurere Therapien ermöglicht, trägt ebenfalls zu den steigenden Ausgaben bei.
Hintergrundinformation
Im Gegensatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gibt es in der PKV keine Begrenzung der Beitragshöhe auf den Höchstbeitrag der GKV. Eine solche Begrenzung ist nur in speziellen Sozialtarifen wie dem Basis- und Standardtarif der PKV vorgesehen.
Geringere Zinserträge und Tarifaustritte
Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Zinserträge. Die Alterungsrückstellungen werden angelegt, um Zinsen zu erwirtschaften. Fallen diese Zinserträge geringer aus als ursprünglich kalkuliert, entsteht eine Finanzierungslücke, die durch höhere Beiträge ausgeglichen werden muss.
Auch die Zusammensetzung des Versichertenkollektivs spielt eine Rolle. Wenn viele gesunde Versicherte einen Tarif verlassen und verhältnismäßig viele erkrankte Versicherte zurückbleiben, kann dies ebenfalls zu Beitragsanpassungen führen, da sich das durchschnittliche Krankheitsrisiko im Tarif erhöht.
Was bei einem Wechsel passiert
Alterungsrückstellungen sind kein individuelles Sparguthaben, das bei einer Kündigung ausgezahlt wird. Der Bundesgerichtshof hat bereits 1999 entschieden, dass Versicherte bei einer Kündigung ihres Vertrages keine Auszahlung der Rückstellungen erhalten.
Übertragung bei Verträgen ab 2009
Für Verträge, die ab dem Jahr 2009 abgeschlossen wurden, gibt es jedoch eine wichtige Regelung: Bei einer Kündigung und gleichzeitigem Abschluss eines neuen Vertrages bei einem anderen Versicherungsunternehmen kann ein Teil der gebildeten Alterungsrückstellungen auf den neuen Vertrag übertragen werden. Der alte Versicherer ist verpflichtet, Ihnen die Höhe dieses übertragbaren Anteils mitzuteilen.
Es ist ratsam, diese Angaben von unabhängigen Versicherungsmathematikern prüfen zu lassen, um die Plausibilität der Summe zu bestätigen.
Tarifwechsel im eigenen Unternehmen
Bevor man über einen Wechsel des Versicherungsunternehmens nachdenkt, sollten Versicherte immer prüfen, ob ein Tarifwechsel innerhalb des eigenen Unternehmens möglich ist. Dies hat einen entscheidenden Vorteil: Die angesparten Alterungsrückstellungen bleiben Ihnen dabei vollständig erhalten. Ein Tarifwechsel kann oft zu niedrigeren Beiträgen führen, ohne die aufgebauten Rücklagen zu gefährden.
Wichtiger Tipp
Lassen Sie sich die Höhe Ihrer individuellen Alterungsrückstellungen von Ihrem Versicherer mitteilen. Bestehen Sie auf dieser Angabe, falls sie verweigert wird.
Beitragsanpassungen und rechtliche Prüfung
Manchmal können Beitragsanpassungen auch auf fehlerhaften Kalkulationen beruhen, die nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Versicherte haben die Möglichkeit, die Korrektheit der Beitragsberechnung und der Alterungsrückstellungen gerichtlich überprüfen zu lassen. Dies ist jedoch mit einem Prozessrisiko verbunden und sollte gut abgewogen werden.
Die Verbraucherzentralen raten zur sorgfältigen Prüfung aller Optionen, insbesondere wenn ein Wechsel des Versicherungsunternehmens den Verlust von Rückstellungen bedeuten könnte. Der Erhalt der Alterungsrückstellungen ist oft finanziell vorteilhafter als ein Wechsel, bei dem diese teilweise verloren gehen.





