Deutsche Banken haben im vierten Quartal 2025 ihre Richtlinien für die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte spürbar gestrafft. Die Anpassungen sind laut einer aktuellen Umfrage der Deutschen Bundesbank die stärksten seit 2023 und übertreffen die Verschärfungen aus dem Vorquartal. Hauptgründe sind eine gesunkene Risikotoleranz und ein gestiegenes Kreditrisiko.
Wichtige Erkenntnisse
- Kreditrichtlinien für Unternehmen und Haushalte wurden deutlich verschärft.
- Risikotoleranz der Banken sank, Kreditrisiko stieg an.
- Nachfrage nach Unternehmenskrediten und Baufinanzierungen stieg leicht.
- Regulatorische Anforderungen beeinflussen weiterhin die Kreditvergabe.
- Weitere Straffungen der Richtlinien für das erste Quartal 2026 erwartet.
Stärkere Restriktionen bei Unternehmenskrediten
Die Straffung der Kreditrichtlinien betraf das Unternehmensgeschäft besonders stark. Ein Nettoanteil von +16 % der befragten Banken gab an, die Anforderungen restriktiver gestaltet zu haben. Im Vorquartal lag dieser Wert noch bei +10 %. Dies stellt die stärkste Verschärfung seit 2023 dar.
Die strengeren Regeln betrafen größere Unternehmen stärker als kleine und mittlere Betriebe. Bemerkenswert ist, dass diese Anpassungen nicht den Planungen der Banken aus dem Vorquartal entsprachen, die damals keine Veränderungen erwartet hatten.
Faktencheck
Die Kreditablehnungsquote stieg bei Unternehmenskrediten erneut an, wenn auch geringer als im Vorquartal. Auch bei Konsumentenkrediten gab es mehr Ablehnungen.
Gründe für die Verschärfung
Banken begründen die strengeren Richtlinien vor allem mit einer gesunkenen Risikotoleranz und einem gestiegenen Kreditrisiko. Diese Einschätzung ist eng mit der allgemeinen Wirtschaftslage und den Konjunkturaussichten verbunden. Im Firmenkundengeschäft kamen zusätzlich branchen- und firmenspezifische Faktoren zum Tragen.
„Die gesunkene Risikotoleranz und das gestiegene Kreditrisiko sind zentrale Treiber der aktuellen Entwicklung. Dies spiegelt die allgemeine Unsicherheit in der Wirtschaft wider“, so ein Sprecher der Bundesbank.
Auswirkungen auf private Haushalte
Auch für private Haushalte wurden die Kreditrichtlinien restriktiver. Bei Wohnungsbaukrediten meldeten +11 % der Banken eine Straffung (Vorquartal: +4 %). Bei Konsumenten- und sonstigen Krediten an private Haushalte lag der Nettoanteil ebenfalls bei +11 % (Vorquartal: +7 %). Diese Straffungen entsprachen weitgehend den ursprünglichen Planungen der Banken.
Im Geschäft mit privaten Haushalten spielte zudem eine erneut gesunkene Kreditwürdigkeit der Antragsteller eine Rolle bei der Entscheidung der Banken.
Hintergrundinformationen
Der Bank Lending Survey (BLS) ist eine vierteljährliche Umfrage der Deutschen Bundesbank, die die Kreditvergabepolitik deutscher Banken in drei Segmenten erfasst: Unternehmenskredite, Wohnungsbaukredite an private Haushalte sowie Konsumenten- und sonstige Kredite an private Haushalte. An der jüngsten Umfrage nahmen 33 Banken teil.
Kreditbedingungen und Nachfrageentwicklung
Die tatsächlichen Kreditbedingungen im Unternehmensgeschäft wurden ebenfalls restriktiver gestaltet. Dies zeigte sich in gestiegenen Kreditzinssätzen und bonitätsunabhängig ausgeweiteten Margen. Hier wirkten sich die verschlechterte Wirtschaftslage sowie branchen- und firmenspezifische Faktoren aus.
Interessanterweise gestalteten die Banken die Bedingungen für Wohnungsbaukredite an private Haushalte wettbewerbsbedingt sogar etwas expansiver, während Konsumentenkredite unverändert blieben.
Leichter Anstieg der Kreditnachfrage
Trotz der strengeren Richtlinien stieg die Nachfrage nach Bankkrediten in Deutschland im vierten Quartal 2025 im Firmenkundengeschäft und bei privaten Baufinanzierungen leicht an. Die Zuwächse blieben jedoch hinter den Werten des Vorquartals und den Erwartungen der Banken zurück.
- Unternehmenskredite: Die Nachfrage stieg primär aufgrund eines erhöhten Finanzierungsbedarfs für Lagerhaltung und Betriebsmittel. Nur große Unternehmen benötigten mehr Mittel für Anlageinvestitionen.
- Wohnungsbaukredite: Banken führen den Nachfrageanstieg darauf zurück, dass sich die Aussichten auf dem Wohnimmobilienmarkt aus Sicht der privaten Haushalte verbessert haben.
- Konsumentenkredite: Die Nachfrage blieb unverändert, nachdem sie in den sieben Quartalen zuvor gestiegen war.
Regulatorische Einflüsse und Zukunftsaussichten
Regulatorische und aufsichtliche Anforderungen haben in den vergangenen zwölf Monaten restriktiv auf die Kreditrichtlinien in allen Segmenten gewirkt. Banken erwarten auch für die kommenden zwölf Monate weitere restriktive Auswirkungen.
Ein Beispiel hierfür ist die ab dem 20. November 2026 anzuwendende Richtlinie (EU) 2023/2225 über Verbraucherkreditverträge, die den Verbraucherschutz stärken wird. Dies führt unter anderem zu Änderungen bei den Informationspflichten der Kreditgeber und den Anforderungen an die Kreditwürdigkeitsprüfung.
Sektorspezifische Entwicklungen
In den vergangenen sechs Monaten kam es in allen wichtigen Wirtschaftssektoren zu restriktiven Anpassungen der Kreditrichtlinien. Am stärksten betroffen waren der Immobiliensektor (Gewerbeimmobilien), das Verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe (ohne Immobilien).
Die Kreditnachfrage der Unternehmen entwickelte sich heterogen:
- Zuwächse gab es im Wohnimmobiliensektor.
- Im Gewerbeimmobiliensektor stieg die Nachfrage erstmals seit Mitte 2022 wieder an.
- Rückläufig war die Nachfrage im Baugewerbe (ohne Immobilien).
- Weitgehend unverändert blieb die Nachfrage im Handel, im Dienstleistungssektor und im Verarbeitenden Gewerbe.
Für das erste Quartal 2026 planen die Banken weitere Straffungen der Richtlinien in allen Kreditsegmenten. Sie erwarten eine weiter zunehmende Nachfrage im Firmenkundengeschäft und bei privaten Wohnungsbaukrediten. Bei Konsumentenkrediten rechnen sie jedoch mit einem Rückgang des Mittelbedarfs, was auf eine Eintrübung am Arbeitsmarkt zurückzuführen sein dürfte.





