Die Absicherung der eigenen Arbeitskraft ist ein zentraler Pfeiler der finanziellen Vorsorge. Viele Menschen denken dabei zuerst an eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Doch was, wenn Vorerkrankungen den Abschluss einer BU erschweren oder gar unmöglich machen? Dann rückt oft die Dread-Disease-Versicherung, auch bekannt als „Schwere-Krankheiten-Vorsorge“, in den Fokus. Sie verspricht Schutz bei spezifischen Diagnosen. Doch ist sie wirklich eine gleichwertige Alternative oder birgt sie Fallstricke?
Wichtige Erkenntnisse
- Die Dread-Disease-Versicherung zahlt eine einmalige Summe bei Diagnose einer im Vertrag definierten schweren Krankheit.
- Sie ist keine vollwertige Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung, die bei Verlust der Arbeitskraft eine monatliche Rente sichert.
- Häufige Ursachen für Arbeitsunfähigkeit wie psychische Erkrankungen oder Probleme mit dem Bewegungsapparat sind oft nicht abgedeckt.
- Für Personen ohne BU-Möglichkeit sind Erwerbsunfähigkeits- oder Grundfähigkeitsversicherungen meist bessere Optionen.
Was verbirgt sich hinter der Dread-Disease-Versicherung?
Die Dread-Disease-Versicherung, übersetzt als „Versicherung gegen gefürchtete Krankheiten“, bietet finanziellen Schutz bei bestimmten schweren Diagnosen. Sie deckt nicht nur Krankheiten im klassischen Sinne ab, sondern auch Folgen schwerer Unfälle oder notwendige chirurgische Eingriffe wie Bypass-Operationen oder Organtransplantationen. Ebenso sind Herzinfarkt und Schlaganfall typische Leistungsfälle.
Diese Art der Versicherung ist darauf ausgelegt, die wirtschaftlichen Folgen einer schweren Erkrankung abzufedern. Nach einer Diagnose folgen oft hohe Kosten für Behandlungen und Anpassungen im Alltag. Die Versicherungssumme soll hierbei eine Stütze sein.
Fakten zu schweren Erkrankungen in Deutschland
- Rund 270.000 Schlaganfälle ereignen sich jährlich.
- Über 300.000 Menschen erleiden jährlich einen Herzinfarkt.
- Etwa 500.000 Menschen erkranken jährlich an Krebs.
Welche Krankheiten sind versichert?
Der Versicherungsschutz einer Dread-Disease-Police ist eng an die im Vertrag festgeschriebenen Krankheiten gebunden. Es werden nur jene Diagnosen berücksichtigt, die bei Vertragsabschluss explizit aufgelistet wurden. Die genaue Anzahl und Art der versicherten Risiken kann je nach Anbieter stark variieren. Die statistisch häufigsten Erkrankungen wie Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall sind jedoch in den meisten Verträgen enthalten.
Wichtig ist, dass viele gängige Ursachen für Arbeitsausfälle oft nicht versichert sind. Dazu gehören beispielsweise Schäden am Bewegungsapparat, Rheuma oder psychische Erkrankungen wie Burn-out und Depressionen. Gerade diese Krankheitsbilder führen aber häufig zu langfristiger Arbeitsunfähigkeit.
Leistungen und Tarifgestaltung
Die Dread-Disease-Versicherung ist eine Personenversicherung. Tritt eine der im Vertrag definierten schweren Krankheiten ein, zahlt der Versicherer die vereinbarte Versicherungssumme zeitnah nach Diagnosestellung aus. Dieses Kapital steht dem Versicherten zur freien Verfügung. Eine monatliche Rente, wie sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung bietet, ist bei der Dread-Disease-Versicherung nicht vorgesehen. Es kann jedoch eine zusätzliche Todesfallsumme vereinbart werden, die dann an die Hinterbliebenen geht.
Tarifunterschiede bei Dread-Disease-Versicherungen
Die Angebote der Versicherer unterscheiden sich in mehreren Punkten:
- Anzahl der Krankheitsbilder: Wie viele und welche spezifischen Krankheiten sind abgedeckt?
- Versicherte Leistungen: Beitragsfreie Mitversicherung von Kindern, Höchstversicherungssummen, Nachversicherungsgarantien (z.B. bei Heirat oder Geburt ohne erneute Gesundheitsprüfung), weltweiter Geltungsbereich, lebenslanger Schutz.
- Zusatzoptionen: Einschluss von Erwerbsunfähigkeits-, Berufsunfähigkeits- und Pflegeschutz, Beitragsbefreiung bei Arbeitsunfähigkeit, Einschluss des Todesfallrisikos.
- Versicherungsbedingungen: Karenz- und Wartezeiten, dynamische Anpassung des Schutzes.
- Beitragshöhe: Abhängig von Alter, Versicherungssumme, Laufzeit und Gesundheitszustand. Bei Vorerkrankungen sind Risikozuschläge, Leistungsausschlüsse oder sogar eine Ablehnung möglich.
Vorteile der Dread-Disease-Versicherung
Ein oft genannter Vorteil gegenüber der Berufsunfähigkeitsversicherung ist die Unabhängigkeit von der Arbeitsfähigkeit. Es spielt keine Rolle, ob die versicherte Person weiterhin eingeschränkt arbeiten könnte oder ob sich der Gesundheitszustand später wieder verbessert. Sobald eine im Vertrag definierte schwere Krankheit diagnostiziert wird und ein bestimmtes Stadium erreicht hat, erfolgt die Auszahlung der vereinbarten Summe.
Diese Auszahlung erfolgt unmittelbar nach der Diagnosestellung und nicht erst nach Feststellung bleibender Schäden. Der Heilungsverlauf ist für die Leistungspflicht irrelevant. Mit der Auszahlung endet der Vertrag, was bedeutet, dass bei einer späteren zweiten Erkrankung kein weiterer Schutz besteht.
„Die Auszahlung der Versicherungssumme ist für Privatpersonen steuerfrei, was einen klaren finanziellen Vorteil gegenüber der steuerpflichtigen Rente aus der Berufsunfähigkeitsversicherung darstellt.“
Das ausgezahlte Geld kann flexibel eingesetzt werden: zur Kompensation von Einkommensausfällen, zur Finanzierung zusätzlicher medizinischer Behandlungen, für Rehabilitationsmaßnahmen oder eine notwendige Auszeit zur Genesung. Auch der Umbau von Wohnung oder Fahrzeug kann damit finanziert werden, oder es dient zur Tilgung von Krediten.
Die Prüfung des Leistungsfalls kann bei der Dread-Disease-Versicherung unter Umständen einfacher und schneller sein als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Dies liegt an den oft klarer definierten Krankheitsbildern, die weniger Spielraum für Gutachterstreitigkeiten lassen. Allerdings können zu strenge Definitionen auch zur Ablehnung führen, etwa wenn frühe Krebsstadien nicht erfasst sind.
Nachteile und Alternativen
Trotz der genannten Vorteile hat die Dread-Disease-Versicherung erhebliche Nachteile. Sie deckt nicht alle Ursachen ab, die zu einem Verlust der Arbeitskraft führen können. Gerade psychische Erkrankungen, Schäden am Bewegungsapparat oder Rheuma, die zu den häufigsten Gründen für Berufsunfähigkeit zählen, sind oft nicht oder nur unzureichend versichert.
Zudem beginnt die Leistungspflicht bei vielen schweren Erkrankungen erst nach mehreren Monaten. Um Einkommensverluste für die gesamte restliche Zeit des Erwerbslebens auszugleichen, müsste eine sehr hohe Versicherungssumme gewählt werden, was die Dread-Disease-Versicherung schnell sehr teuer macht.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung bleibt das Mittel der Wahl, wenn es um die Absicherung der Arbeitskraft geht. Sie leistet eine monatliche Rente, wenn ein Arzt eine Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent bescheinigt und der zuletzt ausgeübte Beruf für voraussichtlich sechs Monate nicht mehr ausgeübt werden kann. Ursachen können Krankheit, Unfall oder altersbedingter Kräfteverfall sein.
Bessere Alternativen bei Ablehnung der BU
Für Personen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können, gibt es bessere Alternativen als die Dread-Disease-Versicherung:
- Erwerbsunfähigkeitsversicherung: Oft mit vereinfachter Gesundheitsprüfung erhältlich. Sie leistet, wenn man keinerlei Erwerbstätigkeit mehr nachgehen kann.
- Grundfähigkeitsversicherung: Sichert den Verlust grundlegender körperlicher oder geistiger Fähigkeiten ab (z.B. Gehen, Sprechen, Sehen).
Erst nach Prüfung dieser Optionen sollte eine Dread-Disease-Versicherung als viertbeste Lösung in Betracht gezogen werden. Sie ist keine gleichwertige Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn es um die umfassende Absicherung der Arbeitskraft geht.
Antragstellung und Gesundheitsprüfung
Wie bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung müssen auch für eine Dread-Disease-Versicherung Gesundheitsfragen beantwortet werden, die teilweise weit in die Vergangenheit zurückreichen. Ein schlechter Gesundheitszustand kann dazu führen, dass der Antrag abgelehnt wird oder nur unter Einschränkungen angenommen werden kann. Dies kann bedeuten, dass bestimmte Vorerkrankungen vom Versicherungsschutz ausgeschlossen werden oder ein Risikozuschlag erhoben wird.
Die Entscheidung für oder gegen eine Dread-Disease-Versicherung sollte daher gut überlegt und im Idealfall mit professioneller Beratung getroffen werden. Sie kann eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzt aber in den meisten Fällen nicht die existenzielle Absicherung durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung.





