Deutsche Banken haben im zweiten Quartal 2026 ihre Richtlinien für die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte weiter verschärft. Dies geht aus der aktuellen Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey, BLS) der Deutschen Bundesbank hervor. Hauptgrund für die restriktivere Haltung ist ein gestiegenes Kreditrisiko in allen Segmenten.
Wichtige Erkenntnisse
- Kreditrichtlinien für Unternehmen und Haushalte wurden gestrafft.
- Gestiegenes Kreditrisiko ist der Hauptgrund für die Verschärfungen.
- Nachfrage nach Unternehmenskrediten steigt, private Nachfrage sinkt.
- Klimabezogene Risiken beeinflussen Kreditvergabe.
- Ablehnungsquoten für Unternehmenskredite und Konsumentenkredite steigen.
Verschärfung der Kreditrichtlinien
Die deutschen Banken haben ihre internen Richtlinien für die Kreditvergabe in allen drei untersuchten Segmenten restriktiver gestaltet. Im Bereich der Unternehmenskredite lag der Nettoanteil der Banken, die ihre Anforderungen verschärften, bei +10 %. Dies ist eine leichte Abschwächung gegenüber dem Vorquartal (+16 %), jedoch weiterhin eine klare Tendenz zur Vorsicht.
Für private Wohnungsbaukredite stieg der Nettoanteil der Banken, die ihre Richtlinien strafften, von +4 % auf +7 %. Bei Konsumenten- und sonstigen Krediten an private Haushalte blieb der Anteil mit +11 % unverändert hoch. Diese Zahlen zeigen eine anhaltende Tendenz zu strengeren Vergabekriterien.
Faktencheck: Kreditrichtlinien
- Unternehmenskredite: +10 % der Banken strafften Richtlinien.
- Wohnungsbaukredite: +7 % der Banken strafften Richtlinien.
- Konsumentenkredite: +11 % der Banken strafften Richtlinien.
Gründe für die Straffung
Die Banken begründen die Straffungen primär mit einem gestiegenen Kreditrisiko. Im Unternehmensgeschäft spielen hier branchen- und firmenspezifische Faktoren eine Rolle, ebenso wie die gedämpfte Wirtschaftslage und die Konjunkturaussichten. Der Konflikt im Nahen Osten hatte bisher kaum Auswirkungen auf die Kreditrichtlinien deutscher Banken.
Bei privaten Haushalten kommen zur gedämpften Wirtschaftslage auch eine gesunkene Kreditwürdigkeit der Haushalte hinzu. Die Banken reagieren damit auf eine veränderte Risikolandschaft. Für das dritte Quartal 2026 planen die Banken, die Richtlinien weitgehend stabil zu halten, schließen aber zukünftige Anpassungen aufgrund geopolitischer Unsicherheiten nicht aus.
Kreditbedingungen und Nachfrageentwicklung
Neben den Richtlinien haben die Banken auch die tatsächlichen Kreditbedingungen restriktiver gestaltet. Dies betrifft insbesondere das Firmenkundengeschäft und private Wohnungsbaukredite. Die Anpassungen äußerten sich in gestiegenen Kreditzinssätzen und ausgeweiteten Margen für risikoreichere Kredite. Bei Unternehmenskrediten wurden zudem Zusatz- und Nebenvereinbarungen, sogenannte Covenants, gestrafft.
„Die Banken begründeten die Anpassungen in erster Linie mit einem gestiegenen Kreditrisiko sowie – bei den Wohnungsbaukrediten – mit höheren Refinanzierungskosten und ihrer gesunkenen Risikotoleranz.“
Nachfrage nach Krediten
Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten stieg im zweiten Quartal 2026 an, setzte damit die Belebung aus der ersten Jahreshälfte 2024 fort. Dieser Anstieg übertraf die Erwartungen der Banken. Er ging jedoch ausschließlich auf große Unternehmen zurück, während kleine und mittlere Unternehmen weniger Kredite nachfragten. Der Mittelbedarf betraf vor allem langfristige Kredite, oft für Umfinanzierungen und Anlageinvestitionen.
Im Gegensatz dazu ging die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnungsbaukrediten und Konsumentenkrediten deutlich zurück. Dies war der stärkste Rückgang seit drei Jahren und blieb hinter den Erwartungen der Banken zurück. Hauptgründe sind ein gesunkenes Verbrauchervertrauen, das höhere allgemeine Zinsniveau und rückläufige Ausgaben für langlebige Konsumgüter. Auch der Wohnimmobilienmarkt sendete erstmals seit zwei Jahren negative Impulse.
Wirtschaftliches Umfeld
Die allgemeine Wirtschaftslage und die Konjunkturaussichten beeinflussen die Kreditmärkte stark. Während große Unternehmen offenbar Investitionen tätigen oder umstrukturieren, halten sich private Haushalte aufgrund der unsicheren Lage und gestiegener Zinsen zurück.
Sektorspezifische Betrachtung und Klimafaktoren
Die Umfrage enthielt auch spezifische Fragen zur Kreditvergabe in wichtigen Wirtschaftssektoren und zu den Auswirkungen klimabedingter Risiken. Die Kreditrichtlinien im Unternehmensgeschäft wurden in den letzten sechs Monaten am stärksten für den Immobiliensektor, das Verarbeitende Gewerbe und den Handel gestrafft. Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes waren besonders das Kfz-produzierende Gewerbe und energieintensive Bereiche betroffen.
Für die kommenden sechs Monate erwarten die Banken weitere restriktive Anpassungen, vor allem für den Gewerbeimmobiliensektor, das Kfz-produzierende Gewerbe und das energieintensive Verarbeitende Gewerbe.
Klimawandel und Kreditvergabe
Klimabedingte Risiken und Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels beeinflussen die Kreditvergabepolitik der Banken immer stärker. In den letzten zwölf Monaten wirkten sich diese Faktoren besonders restriktiv auf Kredite an Unternehmen mit hohem CO₂-Ausstoß aus. Auch Unternehmen im Übergangsprozess sahen sich strengeren Richtlinien gegenüber.
Klimabedingte Auswirkungen
- Hoher CO₂-Ausstoß: Richtlinien deutlich restriktiver.
- Übergangsprozess: Richtlinien ebenfalls restriktiver.
- Grüne Unternehmen: Kein Einfluss auf Richtlinien, zukünftig Lockerungen erwartet.
Interessanterweise erwarten die Banken für die kommenden zwölf Monate einen lockernden Einfluss des Klimawandels auf ihre Kreditrichtlinien für „grüne“ Unternehmen. Für andere Unternehmen rechnen sie jedoch mit weiteren restriktiven Auswirkungen. Gleichzeitig stimulieren die Auswirkungen des Klimawandels die Kreditnachfrage von Unternehmen im Übergangsprozess und solchen mit hohem CO₂-Ausstoß, die Investitionen in Anpassungsmaßnahmen tätigen müssen.
Private Baufinanzierung und Energieeffizienz
Auch in der privaten Baufinanzierung spielt die Energieeffizienz eine Rolle. Richtlinien für Kredite, die für Gebäude mit niedriger Energieeffizienz aufgenommen wurden und kaum zu Effizienzverbesserungen führen, wurden gestrafft. Bei Krediten für Gebäude mit hoher Energieeffizienz gab es hingegen leicht expansive Effekte auf die Kreditrichtlinien.
Die Banken planen, diese Differenzierung in den kommenden zwölf Monaten noch stärker zu berücksichtigen. Klimawandel und Klimapolitik stimulieren die Nachfrage nach Krediten für energieeffiziente Gebäude, während die Nachfrage für Gebäude mit niedriger Energieeffizienz negativ beeinflusst wird.
Ablehnungsquoten und Ausblick
Die Kreditablehnungsquote stieg bei Unternehmenskrediten erneut an. Auch bei Konsumenten- und sonstigen Krediten nahm die Ablehnungsquote zu. Bei privaten Wohnungsbaukrediten blieb sie nahezu unverändert.
Für das dritte Quartal 2026 erwarten die Banken einen weiteren Anstieg der Nachfrage im Firmenkundengeschäft. Im Geschäft mit privaten Haushalten rechnen sie dagegen mit einem erneuten Rückgang des Mittelbedarfs. Diese Entwicklung unterstreicht die anhaltende Vorsicht der Banken und die Zurückhaltung der privaten Konsumenten.
Umfrage-Details
Die viermal jährlich durchgeführte Befragung zum Kreditgeschäft fand vom 15. bis 30. Juni 2026 statt. In Deutschland nahmen 33 Banken teil, mit einer Rücklaufquote von 100 Prozent.





