Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland ist im ersten Quartal 2026 gesunken. Es erreichte 9.490 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 28 Milliarden Euro gegenüber Ende 2025 entspricht. Hauptursache hierfür waren negative Bewertungseffekte an den Finanzmärkten. Trotz eines Aufbaus finanzieller Forderungen konnten diese die Verluste nicht ausgleichen.
Wichtige Erkenntnisse
- Geldvermögen der privaten Haushalte sank um 28 Milliarden Euro auf 9.490 Milliarden Euro.
- Negative Bewertungseffekte von 122 Milliarden Euro waren maßgeblich.
- Nur die vermögendsten 10 Prozent der Haushalte erzielten eine positive reale Rendite.
- Außenfinanzierung der Unternehmen stieg im Quartal, bleibt aber auf Jahressicht verhalten.
- Kreditaufnahme der privaten Haushalte ging erneut zurück.
Finanzmärkte unter Druck: Krieg im Nahen Osten belastet
Die negativen Bewertungseffekte, die das Geldvermögen der Haushalte im ersten Quartal 2026 belasteten, beliefen sich auf insgesamt 122 Milliarden Euro. Diese Verluste stehen im direkten Zusammenhang mit einem eingetrübten Finanzmarktumfeld. Der Konflikt im Nahen Osten erhöhte die Unsicherheit erheblich.
Dies führte zu steigenden Energiepreisen und höheren kurzfristigen Inflationserwartungen. Gleichzeitig stiegen die Zinserwartungen, was insbesondere kapitalmarktnahe Anlagen negativ beeinflusste. Die Unsicherheit verstärkte die Präferenz der Haushalte für sichere und liquide Anlageformen.
Faktencheck
- Gesamtrückgang: Das Geldvermögen sank um 28 Milliarden Euro.
- Bewertungsverluste: Insgesamt 122 Milliarden Euro.
- Forderungsaufbau: Private Haushalte bauten 94 Milliarden Euro an Forderungen auf.
Anlageverhalten der Haushalte
Im ersten Quartal erhöhten die privaten Haushalte ihre Bestände an Bargeld und Sichteinlagen um 6 Milliarden Euro. Auch Termineinlagen stiegen um 6 Milliarden Euro. Dieser Trend zu liquiden Anlagen setzte sich fort, nachdem bereits im Vorquartal starke Zuwächse verzeichnet wurden.
Spareinlagen und Sparbriefe wurden hingegen um 1 Milliarde Euro abgebaut. Dieser Abbau hält seit dem zweiten Quartal 2024 an. Gleichzeitig blieb die Kapitalmarktorientierung der Haushalte bestehen.
„Die wirtschaftliche Unsicherheit stärkt die Präferenz der Haushalte für liquide und sichere Anlageformen.“
Schuldverschreibungen wurden per saldo in Höhe von 7 Milliarden Euro erworben, was einen stärkeren Erwerb als im Vorquartal darstellt. Ein ähnlich hohes Niveau war zuletzt vor zwei Jahren zu beobachten. Auch Aktien und sonstige Anteilsrechte wurden um 9 Milliarden Euro aufgebaut.
Investmentfondsanteile verzeichneten ebenfalls wieder stärkere Erwerbe mit einem Forderungsaufbau von 27 Milliarden Euro. Dies blieb auch im längerfristigen Vergleich auf einem erhöhten Niveau. Die Folgen des Iran-Krieges hinterließen jedoch deutliche Spuren an den Finanzmärkten.
Hintergrund: Bewertungsverluste
Bewertungsverluste entstehen, wenn der Wert von Finanzanlagen wie Aktien, Anleihen oder Investmentfonds aufgrund von Kursrückgängen an den Märkten sinkt. Diese Verluste reduzieren das Gesamtvermögen, auch wenn keine realen Verkäufe stattgefunden haben.
Reale Rendite des Geldvermögens sinkt
Die reale, also inflationsbereinigte, Gesamtrendite des Geldvermögens ist im ersten Quartal 2026 rückläufig gewesen. Dies betrifft die tatsächlich erzielte Rendite der privaten Haushalte. Eine Aufgliederung nach Vermögensgruppen zeigt, dass nur die vermögendsten 10 Prozent der Haushalte im Schnitt eine positive reale Rendite erzielten.
Doch auch diese Rendite sank infolge spürbarer Kursrückgänge an den Kapitalmärkten deutlich. Die übrigen Haushalte verzeichneten hingegen eine negative Rendite. Die vermögensärmere Hälfte hält ihr Geldvermögen nahezu ausschließlich in risikoarmen Anlageformen wie Einlagen und Versicherungsansprüchen.
Da die Rendite auf diese Instrumente schwach ausfiel, war die Gesamtrendite entsprechend gering und negativ. Über alle Haushalte betrachtet, sank die aggregierte reale Gesamtrendite auf Jahressicht im ersten Quartal 2026 auf etwa 0,6 Prozent. Dieser Rückgang ist hauptsächlich auf Aktien und Investmentfondsanteile zurückzuführen.
Die reale Rendite auf Einlagen blieb unverändert negativ und dämpfte so zum wiederholten Male die reale Gesamtrendite.
Außenfinanzierung der privaten Haushalte
Die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte blieben im ersten Quartal 2026 weitgehend unverändert und stiegen leicht auf insgesamt 2.180 Milliarden Euro. Der geringe Anstieg resultierte hauptsächlich aus einer niedrigen und erneut rückläufigen Kreditaufnahme von 5 Milliarden Euro.
Aufgrund des gestiegenen nominalen Bruttoinlandsprodukts sank die Verschuldungsquote auf 48,4 Prozent. Im Ergebnis ging das Nettogeldvermögen um 32 Milliarden Euro auf 7.310 Milliarden Euro zurück.
Unternehmen: Mehr Kredite, aber verhaltene Dynamik
Die Außenfinanzierung der nichtfinanziellen Unternehmen in Deutschland stieg im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal. Sie legte um 20 Milliarden Euro auf 56 Milliarden Euro zu. Dies war vor allem einer höheren Kreditaufnahme zu verdanken, die sich auf 32 Milliarden Euro belief.
Sowohl die Kreditaufnahme bei inländischen Banken als auch die Finanzierung über ausländische Kreditgeber stieg. Die Belebung gegenüber dem schwachen Vorquartal bedeutet jedoch keine grundlegende Trendwende. Auf Jahressicht blieb die Außenfinanzierung weiterhin wenig dynamisch.
Die seit einigen Quartalen beobachtete Seitwärtsbewegung setzte sich damit weitgehend fort. Die schwache Entwicklung ist vor allem auf eine weiterhin schwierige Wirtschaftslage in Verbindung mit einer hohen wirtschaftspolitischen Unsicherheit zurückzuführen.
Unternehmensfinanzierung im Überblick
- Außenfinanzierung: Stieg um 20 Milliarden Euro auf 56 Milliarden Euro.
- Kreditaufnahme: Belief sich auf 32 Milliarden Euro.
- Schuldverschreibungen: Emissionen von 5 Milliarden Euro.
- Aktienemissionen: 17 Milliarden Euro, leicht unter Vorquartal.
Kapitalmarktaktivitäten der Unternehmen
Neben Krediten nutzten die Unternehmen auch den Kapitalmarkt. Schuldverschreibungen wurden im ersten Quartal per saldo in Höhe von 5 Milliarden Euro emittiert, nach 2 Milliarden Euro im Vorquartal. Die Emission von Aktien und sonstigen Anteilsrechten bewegte sich weitgehend seitwärts und lag mit 17 Milliarden Euro leicht unter dem Vorquartalswert.
Die Verbindlichkeiten der nichtfinanziellen Unternehmen sanken zum Ende des ersten Quartals 2026 um 121 Milliarden Euro auf 12.033 Milliarden Euro. Maßgeblich hierfür waren negative Bewertungseffekte in Höhe von 177 Milliarden Euro, die nahezu vollständig auf von nichtfinanziellen Unternehmen emittierte Aktien und sonstige Anteilsrechte entfielen.
Während die Verbindlichkeiten insgesamt zurückgingen, nahmen die Fremdkapitalinstrumente zu. Dadurch erhöhte sich die Verschuldungsquote leicht auf 67,4 Prozent. Insgesamt stieg das Geldvermögen der nichtfinanziellen Unternehmen um 31 Milliarden Euro auf 9.069 Milliarden Euro. Aufgrund der rückläufigen Verbindlichkeiten verbesserte sich das Nettogeldvermögen gegenüber dem Vorquartal um 152 Milliarden Euro auf minus 2.964 Milliarden Euro.
Wirtschaftliche Unsicherheit
Die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit und geopolitische Spannungen beeinflussen weiterhin die Investitionsbereitschaft von Unternehmen und das Anlageverhalten privater Haushalte. Dies führt zu einer Verlagerung hin zu sichereren Anlageformen und einer verhaltenen Dynamik bei der Außenfinanzierung.
Ausblick und Fazit
Die Entwicklungen im ersten Quartal 2026 zeigen, dass geopolitische Ereignisse und die damit verbundene Unsicherheit direkte Auswirkungen auf die Finanzmärkte und das Vermögen der Haushalte haben. Die Präferenz für liquide Anlagen spiegelt das Bedürfnis nach Sicherheit wider.
Trotz einer Belebung der Unternehmensfinanzierung im Quartalsvergleich bleibt die längerfristige Dynamik verhalten. Eine nachhaltige Erholung hängt von einer Stabilisierung des wirtschaftlichen Umfelds und einer Reduzierung der geopolitischen Risiken ab.
Für private Haushalte bedeutet dies, dass eine Diversifizierung der Anlagen und ein kritischer Blick auf die reale Rendite wichtiger denn je sind. Die Schere zwischen vermögenden und weniger vermögenden Haushalten bei der realen Rendite könnte sich weiter öffnen, wenn sich die Kapitalmärkte nicht erholen und risikoarme Anlagen weiterhin geringe Erträge liefern.





