Deutsche Banken und Sparkassen zeigen sich in einem aktuellen Stresstest widerstandsfähig gegenüber schweren Wirtschaftskrisen. Trotz angespannter Wirtschaftslage und erhöhter geopolitischer Risiken verfügen die meisten Institute über eine solide Kapitalausstattung. Dies geht aus den Ergebnissen des LSI-Stresstests 2026 hervor, den die Deutsche Bundesbank und die BaFin durchgeführt haben.
Wichtige Erkenntnisse
- 90% der deutschen Banken und Sparkassen nahmen am Stresstest teil.
- Die aggregierte Kernkapitalquote (CET1) würde im Krisenszenario um 3,8 Prozentpunkte sinken.
- Etliche Institute könnten unter Druck geraten, aber weniger als vor zwei Jahren.
- Institute erwarten trotz Risiken steigende Erträge bis 2028.
- Neue Methodik reduziert Empfehlungen für zusätzliches Eigenkapital um 40%.
Stresstest bestätigt Stabilität des Finanzsektors
Der LSI-Stresstest 2026, durchgeführt von BaFin und Deutscher Bundesbank, umfasste eine große Mehrheit der deutschen Kreditinstitute. Insgesamt beteiligten sich 1.113 Banken und Sparkassen, was rund 90 Prozent aller Institute in Deutschland entspricht und 38 Prozent der gesamten Bilanzsumme abdeckt.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Institute insgesamt auf einem gesunden Fundament stehen. "Aufgrund ihrer guten Kapitalausstattung könnten die meisten Banken und Sparkassen auch einem schweren weltwirtschaftlichen Abschwung standhalten", erklärte Nikolas Speer, Exekutivdirektor der Bankenaufsicht bei der BaFin, auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main.
Zahlen und Fakten
- Teilnehmerzahl: 1.113 Banken und Sparkassen
- Abgedeckte Institute: ca. 90% aller deutschen Kreditinstitute
- Abgedeckte Bilanzsumme: ca. 38% der gesamten Bilanzsumme
Szenario einer schweren Krise
Das zugrunde gelegte Szenario des Stresstests simulierte eine sehr schwere Krise, ausgelöst durch eine Eskalation geopolitischer Spannungen. In einem solchen Stressszenario würde die aggregierte harte Kernkapitalquote (CET1-Quote) der deutschen LSIs um etwa 3,8 Prozentpunkte auf 14,6 Prozent sinken. Dies ist hauptsächlich auf Rückstellungen für Adressenausfall- und Marktrisiken zurückzuführen.
Obwohl einzelne Banken und Sparkassen unter Druck geraten könnten – "mehrere Dutzend Institute" drohen, ihre aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen nicht mehr zu erfüllen – wäre die Zahl der betroffenen Institute geringer als im LSI-Stresstest von 2024. Ein Grund dafür ist die engmaschige Überwachung der vor zwei Jahren als kritisch eingestuften Institute. Viele dieser Banken und Sparkassen haben ihre Eigenkapitalquoten seither gestärkt.
"Wir nehmen die vom Stresstest als auffällig identifizierten Institute besonders in den Blick. Sollte es notwendig sein, werden wir zeitnah aufsichtliche Maßnahmen ergreifen", betonte Nikolas Speer.
Optimistischer Blick auf die Profitabilität
Trotz der geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen bleiben die Institute hinsichtlich ihrer Ertragschancen optimistisch. Eine begleitende Umfrage zur aktuellen und zukünftigen Profitabilität und Risikolage zeigt, dass die Institute im Durchschnitt einen Anstieg der Gesamtkapitalrendite von 0,43 Prozent im Jahr 2025 auf 0,64 Prozent im Jahr 2028 erwarten. Das entspricht einer Steigerung um fast die Hälfte.
Michael Theurer, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank für Finanzaufsicht, wies darauf hin, dass die Institute, ähnlich wie im vorherigen Stresstest, ein stärkeres Wachstum ihrer risikogewichteten Aktiva als ihrer Bilanzsumme prognostizieren. Dies könnte auf eine erhöhte Risikobereitschaft oder regulatorische Änderungen hindeuten.
Hintergrund: LSI-Stresstest
Der LSI-Stresstest (Less Significant Institutions) wird regelmäßig von BaFin und Deutscher Bundesbank durchgeführt, um die Widerstandsfähigkeit kleinerer und mittlerer Kreditinstitute in Deutschland zu überprüfen. Diese Institute sind zwar nicht systemrelevant im globalen Maßstab, spielen aber eine entscheidende Rolle für die Finanzierung der Realwirtschaft in Deutschland.
Vorsichtige Kapitalplanung bleibt entscheidend
Gleichzeitig planen die Banken und Sparkassen insgesamt eine weitere Erhöhung der CET1-Quote von derzeit 18,4 Prozent auf 19,1 Prozent im Jahr 2028. Allerdings erwartet jedes fünfte Institut einen Rückgang dieser Quote in den nächsten drei Jahren.
Die wirtschaftliche Erholung in Deutschland verläuft schleppend, und die geopolitischen Risiken bleiben hoch. Strukturelle Belastungen, insbesondere im Unternehmens- und Gewerbeimmobilienbereich, könnten die Schuldentragfähigkeit der Kreditnehmer weiter beeinträchtigen. Michael Theurer betonte, dass die jüngsten Entwicklungen der vergangenen Monate noch nicht vollständig in den im zweiten Quartal erhobenen Planungszahlen berücksichtigt sind.
"Die anhaltend hohe Unsicherheit über die künftige geopolitische Entwicklung erschwert den wirtschaftlichen Ausblick. Umso notwendiger ist es, dass die Kreditinstitute ihre Geschäfts- und Kapitalplanung vorausschauend gestalten, um eine solide Kapitalausstattung zu wahren und die Finanzierung der Realwirtschaft auch bei unvorhergesehenen Schocks sicherzustellen", so Theurer.
Vereinfachungen und risikoorientierte Überwachung
Beim LSI-Stresstest 2026 profitierten die Institute von methodischen Vereinfachungen, einer schlankeren Datenerhebung und einer stärkeren Risikoorientierung. Zukünftig erhalten nur noch Institute, deren Kapitalquoten im adversen Szenario des Stresstests zuzüglich eines Puffers von 500 Basispunkten unter die Gesamt-SREP-Kapitalanforderung fallen, eine Empfehlung für zusätzliches Eigenkapital ("Pillar 2 guidance").
Diese Unterschreitung der Grenze gilt als risikoorientierte Frühwarnschwelle. Dadurch erhalten künftig rund 40 Prozent weniger Institute eine Eigenmittelempfehlung. Diese gezieltere Herangehensweise ermöglicht den Aufsichtsbehörden, sich auf die wirklich kritischen Fälle zu konzentrieren und frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen.
Die gesammelten Daten aus Stresstest und Umfrage liefern BaFin und Bundesbank wertvolle Einblicke. Besonders anfällige Institute wurden bereits frühzeitig intensiver überwacht. Dies hat nach Einschätzung von Herrn Theurer dazu beigetragen, die Stabilität des deutschen Bankenmarktes weiter zu festigen.





