Die Deutsche Bundesbank sieht sich bestens auf Krisen vorbereitet, um die Bargeldversorgung in Deutschland zu jeder Zeit sicherzustellen. Dies bekräftigte Bundesbankpräsident Joachim Nagel in einem Interview. Gleichzeitig unterstreicht er die Notwendigkeit des digitalen Euros als Ergänzung zum Bargeld, um die Resilienz des Zahlungssystems zu stärken und die Unabhängigkeit zu fördern.
Wichtige Punkte
- Bundesbankfilialen sichern Bargeldversorgung flächendeckend mit Notstromaggregaten ab.
- Der digitale Euro soll als Ergänzung zum Bargeld eingeführt werden, um Offline-Zahlungen zu ermöglichen.
- Die IT-Systeme der Bundesbank wehren täglich über 5.000 Cyberangriffe pro Minute ab.
- Deutschland ist trotz Herausforderungen wirtschaftlich stark und Stabilitätsanker in Europa.
- Unabhängigkeit der Zentralbanken ist ein hohes Gut und wird in Europa verteidigt.
Sicherstellung der Bargeldversorgung in Krisenfällen
Im Falle von Stromausfällen oder anderen Krisen ist die Bargeldversorgung ein zentraler Pfeiler der Infrastruktur. Ein Vorfall in Berlin, bei dem Bürger aufgrund eines Stromausfalls nur noch bar bezahlen konnten, hat dies deutlich gezeigt. Bundesbankpräsident Nagel versichert, dass die Bundesbank umfassend für solche Szenarien gerüstet ist.
Die Filialen der Bundesbank sind im gesamten Bundesgebiet strategisch verteilt, um eine flächendeckende Versorgung mit Bargeld zu gewährleisten. Jede Filiale deckt dabei einen Radius von etwa 75 Kilometern ab. Ein entscheidender Faktor für die Krisenfestigkeit sind die Notstromaggregate, mit denen alle Filialen ausgestattet sind. Dies stellt sicher, dass selbst bei einem großflächigen Stromausfall Bargeld ausgezahlt werden kann.
Faktencheck Bargeldversorgung
- Alle Bundesbankfilialen verfügen über Notstromaggregate.
- Jede Filiale sichert die Bargeldversorgung in einem Umkreis von 75 Kilometern.
- Regelmäßige Krisenszenarien werden geübt, um Abläufe zu optimieren.
Nagel betont weiter, dass es nicht nur einen Notfallplan gibt, sondern Krisenszenarien regelmäßig geübt werden. Dies umfasst auch die Bereitstellung von Bargeld in extremen Situationen. Er selbst verfügt über ein Satellitentelefon für den Fall eines Netzausfalls, was die Ernsthaftigkeit der Vorsorge unterstreicht. Jeder Mitarbeiter der Bundesbank ist in den Abläufen für Grenzsituationen geschult.
Der Digitale Euro: Eine Notwendigkeit für die Zukunft
Neben der traditionellen Bargeldversorgung sieht die Bundesbank den digitalen Euro als unverzichtbare Ergänzung. Er soll die Resilienz des Zahlungssystems weiter stärken und die Unabhängigkeit erhöhen. Es handelt sich dabei um einen digitalen Zwilling des Bargeldes, nicht um einen Ersatz.
„Der Stromausfall in Berlin, aber auch das massive Sicherheitsleck bei einem großen US-Zahlungsanbieter im vergangenen August belegen eindrücklich, dass wir den digitalen Euro gut brauchen können. Wohlgemerkt als digitalen Zwilling zum Bargeld, nicht als Ersatz.“
Der digitale Euro soll jederzeit in einer digitalen Brieftasche auf dem Handy verfügbar sein. Ein wesentlicher Vorteil ist die Möglichkeit, Zahlungen auch offline, also ohne Internetverbindung, durchführen zu können. Dies macht das System robuster gegenüber externen Störungen.
Schutz vor Cyberangriffen
Die Digitalisierung bringt auch neue Risiken mit sich, insbesondere im Bereich der Cybersicherheit. Die Bundesbank ist sich dieser Bedrohungen bewusst und sieht sich einem ständigen Wettlauf mit Cyberkriminellen ausgesetzt. Allein auf die IT-Systeme der Bundesbank prallen jede Minute mehr als 5.000 Cyberangriffe ab. Hochgerechnet sind das zweieinhalb Milliarden Fälle pro Jahr, die an der Firewall der Bundesbank scheitern.
Hintergrund: Cybersicherheit
Die Bundesbank hat eine Reihe von Schutzmaßnahmen ergriffen. Dazu gehören sicherheitsgeprüftes Personal, gesicherte IT-Systeme, umfassende Cyberabwehr und ein Business-Continuity-Management. Im Bereich des Zahlungsverkehrs fungiert die Bundesbank als wichtiger IT-Dienstleister für das gesamte Eurosystem.
Für den digitalen Euro sind drei große Rechenzentren in Frankreich, Italien und Deutschland geplant. Diese sollen höchste Sicherheitsstandards erfüllen. Obwohl niemand eine absolute Garantie geben kann, wird alles unternommen, um die Systeme so sicher wie möglich zu gestalten.
Wirtschaftliche Lage Deutschlands und Europas
Trotz der globalen Herausforderungen wie Pandemie, dem Krieg in der Ukraine und Handelskonflikten sieht Bundesbankpräsident Nagel Deutschland wirtschaftlich gut aufgestellt. Er stemmt sich gegen die Bezeichnung als „kranker Mann Europas“ und betont die viel bessere Substanz der deutschen Wirtschaft, als oft wahrgenommen wird.
Es gibt zwar Handlungsbedarf, etwa bei Arbeitskosten und Bürokratie, doch die Politik hat in den letzten Jahren auch wichtige Schritte unternommen. Das im März aufgelegte Fiskalpaket wird als großer Schritt gewürdigt, insbesondere wenn die Mittel in Infrastruktur und Digitalisierung fließen, also in Zukunftsinvestitionen.
Schuldenpolitik und Reformen
Deutschland kann sich vorübergehend höhere Schulden leisten und bleibt ein Stabilitätsanker in Europa. Das Fiskalpaket findet auch bei europäischen Nachbarn viel Applaus. Die Bundesbank empfiehlt jedoch, den Fokus stärker auf zusätzliche Infrastrukturinvestitionen zu legen, um den Standort Deutschland weiter zu stärken.
Für die langfristige Stabilität plädiert die Bundesbank für eine Rückkehr zu soliden Staatsfinanzen nach einer Übergangsphase. Ab 2030 sollte eine Phase der Konsolidierung einsetzen. Verteidigungsausgaben sollten schrittweise wieder über den regulären Haushalt finanziert werden, während kreditfinanzierte zusätzliche Investitionen weiterhin möglich sein sollten. Auch die EU-Schuldenregeln müssen wieder verstärkt beachtet werden.
Internationale Herausforderungen und die Rolle Europas
Die Zollpolitik der USA unter Donald Trump schadet allen Beteiligten, insbesondere den Konsumenten in den betroffenen Ländern. Für Deutschland sind die genauen wirtschaftlichen Kosten noch nicht bezifferbar, aber der Außenhandel mit den USA hat bereits gelitten. Ähnlich wie beim Brexit wird es dauern, bis das volle Ausmaß sichtbar wird.
Gleichzeitig üben hochsubventionierte Elektrofahrzeuge aus China massiven Druck auf die deutsche Automobilindustrie aus. China spielt eine ambivalente Rolle: Einerseits ist es ein attraktiver Markt und Lieferant vieler Konsumgüter, andererseits erfordert die aggressive Industriepolitik Schutzmaßnahmen für Kernindustrien in Europa.
- Trumps Zollpolitik schadet dem Welthandel.
- Chinas Wirtschaftskraft ist ambivalent für Europa.
- Europa muss seine roten Linien gegenüber China klar markieren.
Bundesbankpräsident Nagel betont, dass Europa seine roten Linien gegenüber China markieren und behaupten muss. Er ist zuversichtlich, dass das Mercosur-Abkommen trotz Rückschlägen kommen wird und eine vorläufige Umsetzung bereits ein wichtiger Schritt wäre.
Die Unabhängigkeit der Zentralbanken
Die Unabhängigkeit der Zentralbanken ist für eine stabile Geldpolitik von größter Bedeutung. Nagel zeigte sich erschüttert über politische Angriffe auf den Fed-Chef Jerome Powell in den USA. Die USA haben nach dem Zweiten Weltkrieg die Bedeutung unabhängiger Zentralbanken gelehrt und damit das Fundament für die Deutsche Bundesbank gelegt.
In Europa bekennen sich alle Regierungen klar zur Unabhängigkeit der Zentralbanken. Die schwierige Lage der Zentralbank in der Türkei und die hohen Inflationsraten dort dienen als warnendes Beispiel dafür, was passiert, wenn diese Unabhängigkeit untergraben wird. Letztlich muss die Unabhängigkeit der Geldpolitik von der Bevölkerung getragen werden.
Der Euro ist für Nagel mehr als nur eine Währung; er steht für die Überzeugung, dass Europa große Herausforderungen am besten gemeinsam bewältigt. Nach fast einem Vierteljahrhundert rechnet und denkt er nur noch in Euro und sieht die europäische Gemeinschaftswährung als eine Erfolgsgeschichte, die weitergeschrieben wird.





