Der britische Netzbetreiber NESO hat in der zweiten Runde des Stabilitätsmarktes keine Verträge für netzbildende Batteriespeichersysteme (BESS) vergeben. Dies geschieht trotz eines Pilotprogramms, das die Fähigkeiten dieser Technologie zur Netzstabilisierung bereits erfolgreich demonstriert hat. Stattdessen erhielten Synchrongeneratoren und offene Gasturbinen (OCGTs) Aufträge im Wert von 7,3 GVA.
Wichtige Erkenntnisse
- Keine Verträge für Batteriespeicher im Stability Market Round 2.
- Alle BESS-Einreichungen scheiterten in der technischen Bewertung.
- Synchrongeneratoren und OCGTs erhielten Zuschläge von 7,3 GVA.
- NESO hatte 323 Millionen Pfund in das Stability Pathfinder-Programm investiert, das BESS-Technologien fördern sollte.
- Die Branche zeigt sich frustriert über die Bevorzugung etablierter Technologien.
Batteriespeicher scheitern in technischer Bewertung
Die Entscheidung des britischen National Energy System Operator (NESO) überrascht viele Beobachter. In der zweiten Runde der Stabilitätsmarkt-Auktion wurden keine netzbildenden Batteriespeichersysteme (BESS) berücksichtigt. Dies gab das Marktanalyseunternehmen Modo Energy bekannt. Demnach scheiterten alle eingereichten BESS-Projekte bereits in der technischen Bewertung.
Im Gegensatz dazu sicherten sich Synchrongeneratoren und offene Gasturbinen (OCGTs) Verträge im Umfang von 7,3 GVA. Diese Technologien gelten als etablierte Lösungen zur Bereitstellung von Trägheit und anderen Netzstabilitätsdiensten.
Faktencheck
- 7,3 GVA: Volumen der an Synchrongeneratoren und OCGTs vergebenen Verträge.
- 323 Millionen Pfund: Investition des NESO in das Stability Pathfinder-Programm.
- 0: Anzahl der an BESS-Projekte vergebenen Verträge im Stability Market Round 2.
Pathfinder-Programm: Erfolgreiche Pilotprojekte
Die Ablehnung der Batteriespeicher ist besonders bemerkenswert, da der NESO zuvor das umfassende Stability Pathfinder-Programm ins Leben gerufen hatte. Dieses Pilotprogramm hatte die Fähigkeiten netzbildender Batteriespeicher zur Netzstabilisierung erfolgreich nachgewiesen. Ziel des Programms war es, zu zeigen, wie neuere Technologien wie BESS Trägheit und andere Stabilitätsdienste bereitstellen können, die traditionell von Gaskraftwerken erbracht wurden.
Der NESO investierte hierfür 323 Millionen Pfund (ca. 430 Millionen US-Dollar) in das Pathfinder-Programm. Einige der nun abgelehnten Batteriespeicher sind bereits in Betrieb und halten aktive Verträge aus dem Stability Pathfinder-Programm, wie Zachary Jennings, Analyst bei Modo Energy, auf LinkedIn anmerkte.
„Einige der abgelehnten Batteriespeicher sind bereits mit aktiven NESO Stability Pathfinder-Verträgen in Betrieb.“
Zenobē als Vorreiter
Der Betreiber Zenobē spielte eine führende Rolle bei der Implementierung von BESS-Projekten im Rahmen des Pathfinder-Programms. Zwei seiner Projekte, Blackhillock und Kilmarnock South in Schottland, sind bereits online. Der Systemintegrator Wärtsilä lieferte die BESS für beide Zenobē-Projekte und äußerte sich in einem Artikel des Energy Storage Report 2026 zu netzbildenden Technologien.
Hintergrund: Stabilitätsdienste im Netz
Die Stabilität eines Stromnetzes hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die sogenannte Trägheit. Diese hilft, Frequenzschwankungen auszugleichen und das Netz bei plötzlichen Laständerungen oder Ausfällen stabil zu halten. Historisch wurden diese Dienste von großen, synchron arbeitenden Kraftwerken wie Gas- oder Kohlekraftwerken bereitgestellt. Mit dem zunehmenden Anteil erneuerbarer Energien, die oft keine inhärente Trägheit bieten, werden neue Lösungen für die Netzstabilisierung dringend benötigt.
Frustration in der Branche
Die Entscheidung des NESO löste in der Branche Frustration und Besorgnis aus. Kommentare zu Modo Energys Analyse auf LinkedIn deuteten darauf hin, dass der NESO synchrone/thermische Anlagen gegenüber bewährten CO2-freien Alternativen bevorzugt. Mehrere Kommentatoren äußerten die Ansicht, dass die Eignungskriterien „eher um etablierte Akteure als um Ergebnisse herum geschrieben“ seien.
Einige Branchenexperten sehen darin eine verpasste Chance, die Energiewende voranzutreiben und innovative, klimafreundliche Technologien stärker zu integrieren. Die Tatsache, dass bereits funktionierende und bewährte BESS-Lösungen keine Berücksichtigung fanden, wirft Fragen nach der Konsistenz der Beschaffungspolitik auf.
Konservativer Ansatz oder veraltete Kriterien?
Andererseits gab es auch Stimmen, die den NESO als „beruhigend konservativ“ bezeichneten, wenn es um die Beschaffung von Trägheit geht. Angesichts der kritischen Bedeutung dieser Dienste für ein stabiles Netz sei ein vorsichtiger Ansatz verständlich. Die Notwendigkeit einer zuverlässigen Stromversorgung steht außer Frage. Doch die Branche fragt sich, ob die aktuellen Kriterien den technologischen Fortschritt ausreichend berücksichtigen oder ob sie die Integration zukunftsfähiger Lösungen unnötig erschweren.
Die Diskussion um die Rolle von Batteriespeichern und anderen modernen Technologien bei der Netzstabilisierung wird voraussichtlich weitergehen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Beschaffungspolitik des NESO in zukünftigen Runden entwickeln wird, um sowohl die Netzstabilität zu gewährleisten als auch die Ziele der Energiewende zu unterstützen.





