Thailand steht vor einer komplexen Aufgabe: Es muss seinen steigenden Energiebedarf decken und gleichzeitig den Übergang zu erneuerbaren Energien beschleunigen. Während die Solarenergie im Land bereits weiter entwickelt ist als in vielen Nachbarländern, hinkt der Markt für Energiespeicher noch hinterher. Neue Pläne und Anreize sollen dies nun ändern.
Wichtige Erkenntnisse
- Thailands Strombedarf hat sich seit 2000 fast verdoppelt.
- Erdgas dominiert weiterhin die Stromerzeugung, macht 51% der EGAT-Kapazität aus.
- Der Anteil erneuerbarer Energien stieg von 22% (2015) auf 25% (2025).
- Geplante 35 GW erneuerbare Energiekapazität bis 2037, davon 24 GW Solar.
- Anreize und Förderungen sollen Energiespeicher und lokale Produktion stärken.
Steigender Energiebedarf und die Rolle von EGAT
Thailands Energiebedarf ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Die Spitzenstromnachfrage erreichte im April 2025 34.620 MW. Dies entspricht einem Anstieg von 132% gegenüber dem Spitzenwert von 14.918 MW im Jahr 2000. Diese Entwicklung stellt das Stromnetz vor große Herausforderungen.
Die staatliche Elektrizitätsversorgungsbehörde Thailands (EGAT) spielt eine zentrale Rolle. Sie ist der größte Stromerzeuger, Eigentümer und Betreiber des Übertragungsnetzes. EGAT ist auch der Hauptabnehmer für netzgekoppelte Energiespeicher. Ihre Strategie ist entscheidend für die Energiewende des Landes.
Faktencheck
- EGAT besaß im Dezember 2025 eine Erzeugungskapazität von 16,235 GW in 56 Kraftwerken.
- 51% der EGAT-Kapazität entfallen auf Gas- und Dampfturbinenkraftwerke.
- Wasserkraft macht 19% der EGAT-Kapazität aus, thermische Kraftwerke 23%.
Der Pfad zur grünen Energie: Ambitionierte Ziele
Thailands Energieziele basieren auf dem Power Development Plan (PDP) 2018. Ein Entwurf für eine Version von 2024 wurde zwar erstellt, aber noch nicht finalisiert. Mit einer neuen Regierung könnten Diskussionen über einen aktualisierten Plan wieder aufleben. Dies würde erneuerbare Energien noch stärker in den Fokus rücken.
Der Alternative Energy Development Plan 2018 sah vor, dass erneuerbare Energien bis 2037 30% des gesamten Endenergieverbrauchs ausmachen sollen. Der Entwurf des PDP 2024 erweiterte diese Pläne. Er zielte darauf ab, bis 2037 zusätzliche 35 GW Kapazität aus erneuerbaren Energien zu schaffen. Davon sollten 24 GW aus terrestrischer Solarenergie stammen.
Speichertechnologien im Fokus
Für Energiespeicher setzte der PDP 2024 ehrgeizige Ziele. Er sah 10 GW/10,5 GWh operationeller Batteriespeicher und 3,5 GW Pumpspeicherkraftwerke vor. Diese Zahlen zeigen Thailands wachsendes Bewusstsein für die Notwendigkeit flexibler Netze.
„Die Integration von Energiespeichern ist entscheidend für ein stabiles Netz, besonders bei einem hohen Anteil schwankender erneuerbarer Energien“, so ein Sprecher von EGAT.
Aktueller Energiemix und Herausforderungen
Trotz der ambitionierten Ziele ist Thailand immer noch stark von fossilen Brennstoffen abhängig. Erdgas macht den größten Anteil an der Stromerzeugung aus. Der Anteil erneuerbarer Energien in EGATs System (ohne Pumpspeicherkraftwerke) lag im Dezember 2025 bei 20,58%.
Der Anteil erneuerbarer Energien, einschließlich Pumpspeicher-Wasserkraft, der von EGAT selbst erzeugt wurde, stieg von 7% im Jahr 2020 auf 10% im Jahr 2024. Die Stromerzeugung aus Erdgas machte jedoch immer noch die Mehrheit aus, nämlich 67%. Solar- und Windenergie trugen im selben Jahr nur etwa 2% zum Energiemix Thailands bei, sowohl aus EGAT-Erzeugung als auch aus zugekauftem Strom.
Hintergrund: EGATs Rolle im Wandel
EGATs eigene Erzeugungskapazität ist rückläufig, da die Abkehr von fossilen Brennstoffen voranschreitet und private Akteure mehr Strom erzeugen. Im Jahr 2025 betrug der Anteil der von EGAT selbst erzeugten und vertraglich gebundenen Kapazität nur 32%. Dies ist ein deutlicher Rückgang gegenüber 40% im Jahr 2015.
Einkäufe von externen Produzenten
EGAT kauft Strom von unabhängigen Stromerzeugern (IPPs) und kleinen Stromerzeugern (SPPs) sowie aus Laos und Malaysia. Im Jahr 2024 kaufte EGAT Strom von 13 IPPs, die alle fossile Brennstoffe nutzten. Während die Käufe von Heizöl und Dieselöl zurückgingen, stiegen die Einkäufe von Steinkohle und Erdgas um 34% bzw. 20%. Insgesamt stiegen die IPP-Einkäufe um 18%.
Erneuerbare oder teilweise erneuerbare Quellen machten 21% der Einkäufe von SPPs im Jahr 2024 aus, ein Anstieg von 15% gegenüber dem Vorjahr. Biomasse (10%) und Windkraft (6%) waren hier die Hauptquellen.
Infrastruktur und neue Projekte
Um die Energiewende zu unterstützen, plant EGAT schwimmende Solaranlagen an neun Dämmen mit einer Gesamtleistung von 2.725 MW. Bereits 69 MW sind fertiggestellt, darunter das 24 MW Hydro-Floating Solar Hybrid am Ubol Ratana Damm, das 2024 in Betrieb genommen wurde.
Das Übertragungsnetz wird ebenfalls ausgebaut. Die Länge der Übertragungsleitungen stieg von 2015 bis 2025 um 22%. Im selben Zeitraum wurden 25 Umspannwerke hinzugefügt. Die Arbeiten konzentrieren sich auf 115 kV- und 500 kV-Leitungen. Im Jahr 2025 wurden 200,52 Leitungskilometer an zusätzlichen 115 kV-Leitungen installiert.
Private Investitionen und Anreize
Gulf Energy, Thailands größter unabhängiger Stromerzeuger, investiert ebenfalls in erneuerbare Energien. Das Unternehmen hat bereits 12 Solar- und kombinierte Solar- und Batterieprojekte mit insgesamt 649 MW abgeschlossen. Drei weitere Projekte sollen 2026 fertiggestellt werden und die Kapazität auf 843 MW erhöhen.
Anfang 2026 wurde ein Darlehen von 60 Milliarden THB (1,9 Milliarden US-Dollar) von der Asiatischen Entwicklungsbank für diese Projekte sowie für 12 geplante Müllverbrennungsanlagen zur Energiegewinnung gesichert. Thailand fördert die Energiewende auch durch Anreize wie Steuerbefreiungen und Einspeisetarife (FiT).
Förderungen für Solar und Speicher
- Der 2022 eingeführte FiT-Plan hatte eine Beschaffungsquote von 5203 MW.
- Der Großteil der PPA-Kapazität (2632 MW) wurde für Freiflächen-Solaranlagen vergeben.
- Solaranlagen mit Batteriespeichern erhielten einen höheren Tarif von 2,8331 Baht/kWh.
- Stand-alone-Solaranlagen erhielten 2,1679 Baht/kWh.
Das Thailand Board of Investment (BOI) fördert die Herstellung von Batteriespeichersystemen (BESS) mit Anreizen der Kategorien A1 bis A3, abhängig vom Anteil der im Land hergestellten Komponenten. Dies soll die Zellproduktion steigern und ausländische Investitionen anziehen.
Ausblick und zukünftige Entwicklungen
Thailands Energiemarkt entwickelt sich weiter, muss aber noch aufholen. Im Vergleich zu anderen ASEAN-Ländern wie Vietnam und den Philippinen, die die Einführung von Batteriespeichern durch neue Einnahmensysteme und Ausschreibungsprogramme beschleunigen, hinken Thailands Politiken noch hinterher.
Das Fehlen von Peer-to-Peer-Stromhandel und zusätzlichen Einnahmequellen macht das Umfeld für Entwickler weniger attraktiv. Ein Pilotprojekt für direkte Strombezugsverträge (Direct Power Purchase) von 2 GW, das dieses Jahr starten und Rechenzentren ansprechen soll, könnte jedoch das Interesse an Speichern wiederbeleben. Es schreibt vor, dass die Stromerzeuger ausschließlich erneuerbare Energiequellen nutzen müssen.
Die sinkenden Batteriepreise könnten die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern für viele Projekte in den kommenden Jahren verbessern. Dies ist ein wichtiger Faktor für die weitere Entwicklung des thailändischen Energiespeichermarktes.





