Thailand setzt auf Energiespeicher, um seine ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen. Neue Marktregeln sollen Investitionen in Batteriespeichersysteme und Pumpspeicherkraftwerke fördern. Das Land strebt eine Reduzierung der Emissionen auf Netto-Null bis 2050 an und will den Anteil erneuerbarer Energien deutlich erhöhen.
Wichtige Punkte
- Thailand plant massive Investitionen in Energiespeichertechnologien.
- Neue Marktregeln sollen private und öffentliche Investitionen ankurbeln.
- Ziel ist ein Anteil von 70% erneuerbaren Energien bis 2050.
- Das Land strebt 10.485 MW/26.010 MWh Batteriespeicher bis 2037 an.
- Pumpspeicher und Batteriespeicher sollen die Netzstabilität sichern.
Energiespeicher als Rückgrat der Energiewende
Wattanapong Kurovat, Generaldirektor des Energy Policy and Planning Office (EPPO) im thailändischen Energieministerium, betonte die zentrale Rolle von Energiespeichern. Er eröffnete den Energy Storage Summit Asia 2026 Anfang Juli mit einer klaren Botschaft: Energiespeicher sind das Rückgrat eines modernen Energiesystems.
Sie ermöglichen Flexibilität, Zuverlässigkeit und Resilienz. Dies ist entscheidend, um die schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien mit einer stabilen Versorgung zu verbinden. Kurovat bezeichnete Energiespeicher als einen Pfeiler der nationalen Energievision Thailands. Diese Vision beinhaltet das Engagement für Netto-Null-Emissionen bis 2050.
Wachsender Energiebedarf
Thailands Energiebedarf steigt rapide. Der Markt für erneuerbare Energien ist im Vergleich zu anderen ASEAN-Ländern bereits relativ reif. Die Entwicklung von unterstützenden Richtlinien für Energiespeicher hinkte jedoch bisher hinterher.
Herausforderungen und Chancen
Bislang war die Entwicklung von Energiespeichern in Thailand, insbesondere bei großen Batteriespeichersystemen (BESS), begrenzt. Ende 2024 verfügte Thailand laut Angaben der Asian Development Bank (ADB) über lediglich drei Solaranlagen mit Speicherfunktion. Diese kombinierten 184 MW Solar-PV mit 345 MWh BESS-Kapazität.
Es gab keine eigenständigen BESS-Projekte. Die meisten Angebote auf der Asia Sustainable Energy Week (ASEW) in Bangkok zielten auf den Wohn-, Gewerbe- und Industriesektor ab. Dies zeigt den Nachholbedarf im Bereich der großen Netzintegrationslösungen.
„Der Energiesektor in Thailand entwickelt sich weiter. Wir schaffen ein flexibleres und wettbewerbsfähigeres Marktumfeld“, sagte Wattanapong Kurovat.
Vier-Säulen-Strategie für die Integration
Die thailändische Regierung verfolgt eine Vier-Säulen-Strategie, um Energiespeicher in die nationale Energielandschaft zu integrieren. Diese umfasst:
- Smart-Grid-Integration von Speichern.
- Entwicklung heimischer Fertigungs- und Lieferketten.
- Reformen der Marktmechanismen und des Marktzugangs.
- Grenzüberschreitenden Stromhandel in der ASEAN-Region und internationale Partnerschaften.
Ein Beispiel für wichtige politische Entwicklungen ist die Einführung direkter Stromabnahmeverträge (PPAs). Diese ermöglichen großen Energieverbrauchern und -produzenten, wie Rechenzentren und Entwicklern erneuerbarer Energien, direkten Netzzugang. Dies eröffnet neue Investitionswege.
Regionale Vergleiche
Länder wie die Philippinen und Vietnam sind bei der Einführung von Batteriespeichern weiter. Sie nutzen neue Erlösmodelle und Ausschreibungsprogramme. Die Future Energy Storage & System Integration Alliance (FESSIA) empfiehlt anderen ASEAN-Ländern, diesem Beispiel zu folgen.
Der neue Energieentwicklungsplan (PDP)
Der lang erwartete nationale Energieentwicklungsplan (PDP) Thailands, offiziell der PDP 2024, wird voraussichtlich im Herbst veröffentlicht. Er soll einen Netto-Null-Emissionsziel für die Mitte des Jahrhunderts festlegen. Warit Rattanachuen, stellvertretender Gouverneur für Strategie bei der Electricity Generating Authority of Thailand (EGAT), betonte, dass Solar die praktikabelste Technologie ist, um den Anteil erneuerbarer Energien auf 70% bis 2050 zu steigern.
Im Jahr 2025 bestand Thailands Energiemix aus 54% Erdgas, 19% Kohle/Braunkohle, 25% erneuerbaren Energien und 2% anderen Quellen. Bis 2050 soll der Großteil des verbleibenden Anteils auf Erdgas basieren.
Mix aus Batteriespeichern und Pumpspeicherkraftwerken
Angesichts der Herausforderungen bei der Netzintegration, einschließlich der Abregelung von Solar-PV-Anlagen, benötigt Thailand Energiespeicher. Dies soll eine Kombination aus BESS und Pumpspeicherkraftwerken (PHES) sein. Das tropische Klima Thailands verringert den Effizienzunterschied zwischen Batterien und Pumpspeichern, da BESS-Anlagen Kühlung benötigen.
PHES eignet sich besser für Entladedauern von 4 bis 12 Stunden, erfordert jedoch spezifische topografische Bedingungen. Batterien mit ihren schnelleren Reaktionszeiten sind hingegen besser für Systemregulierungsanwendungen geeignet, wie Frequenz- und Spannungsregelung über 0,5 bis 4 Stunden. Sie glätten auch den Einfluss großer Lasten wie Rechenzentren.
Ambitionierte Ausbauziele
Der Entwurf des PDP 2024 sieht den Ausbau von 10.485 MW/26.010 MWh Batteriespeichern bis 2037 vor. Derzeit gibt es nur zwei BESS-Pilotprojekte: ein 16 MW/16 MWh System in Chaiyaphum und ein 21 MW/21 MWh System in Lopburi.
Technologische Innovation und Elektromobilität
Dr. Pimpa Limthongkul, Direktorin des National Energy Technology Center (ENTEC) und Präsidentin der Thailand Energy Storage Technology Association (TESTA), hob die wissenschaftlichen Grundlagen der Klimaziele hervor. Neben erneuerbaren Energien und Energiespeichern muss Thailand auch Elektrifizierungstechnologien wie Elektrofahrzeuge (EVs) weiter einführen.
Aktuelle Berichte deuten darauf hin, dass das Ziel von 70% sauberer Energie bis 2050 aus 60% variablen erneuerbaren Energien (VRE) und 10% kleinen modularen Kernreaktoren (SMRs) bestehen könnte. TESTA hat drei Arbeitsgruppen eingerichtet, um Barrieren bei der Einführung von Energiespeichern zu überwinden. Diese Gruppen befassen sich mit Politik, Nutzungsförderung, End-of-Life-Management sowie Sicherheit und Standards.
Der PDP wird voraussichtlich im August die Regierungsprüfung durchlaufen und im Oktober dem Parlament vorgelegt. Dies wird einen klaren Fahrplan für Thailands Energiezukunft liefern und Investitionen in den Sektor weiter stärken.





