Südkorea verstärkt seine Bemühungen zur Integration erneuerbarer Energien und zur Stabilisierung seines Stromnetzes. Eine wichtige Ausschreibung für großflächige Energiespeichersysteme (ESS) soll im Februar abgeschlossen werden. Das Ministerium für Handel, Industrie und Energie (MOTIE) hat dieses Vorhaben im Mai angekündigt, um die Energiewende des Landes voranzutreiben.
Wichtige Punkte
- Ausschreibung für 540 MW/3.240 MWh Energiespeicher.
- Ziele: Netzstabilität und Integration erneuerbarer Energien.
- Fokus auf neue, eigenständige Batteriesysteme.
- Südkorea will erneuerbare Energien bis 2038 vervierfachen.
- Sicherheitsaspekte und Beitrag zur Netzstabilität stark gewichtet.
Zweite Ausschreibungsrunde für Energiespeicher
Die aktuelle Ausschreibungsrunde, bekannt als „2025 2nd ESS Central Contract Market Competitive Bidding“, zielt auf die Beschaffung von 500 MW/3.000 MWh Speicherkapazität für das Festland und zusätzlich 40 MW/240 MWh für die Insel Jeju ab. Die Korea Power Exchange (KPX), der Marktbetreiber, verwaltet diesen Prozess. Unternehmen hatten bis zum 12. Januar Zeit, ihre Vorschläge und Geschäftspläne einzureichen.
Die Evaluierung der Angebote läuft noch bis Mitte Februar. Danach wird die KPX die erfolgreichen Bieter bestätigen und bekannt geben. Die Vertragsunterzeichnung erfolgt, sobald die ausgewählten Unternehmen die erforderlichen Genehmigungen für ihre Projekte erhalten haben. Dies markiert einen wichtigen Schritt in der langfristigen Energiestrategie Südkoreas.
Faktencheck Energiespeicher
- Gesamtkapazität: 540 MW / 3.240 MWh
- Dauer: 6 Stunden Speicherkapazität
- Technologie: Neue, eigenständige ESS-Anlagen
- Ausschluss: Gemischte Batterietypen (z.B. NMC und LFP in einem System) sind nicht zugelassen.
Anforderungen an die Speichersysteme
Auf dem Festland werden Anlagen mit einer Leistung zwischen 10 MW und 100 MW gesucht. Für die Insel Jeju liegt die Spanne bei 10 MW bis 40 MW. Es ist eine entscheidende Anforderung, dass alle Einrichtungen neue, eigenständige Energiespeichersysteme (ESS) sind. Das bedeutet, sie dürfen nicht mit anderen Anlagen gekoppelt sein.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Batterietechnologie. Die KPX hat festgelegt, dass Kombinationen verschiedener Batterietypen, wie Nickel-Mangan-Kobalt (NMC) und Lithium-Eisenphosphat (LFP) oder NMC und Flow-Batterien, nicht zugelassen sind. Diese klare Vorgabe soll die technische Einheitlichkeit und Leistung der Systeme sicherstellen.
„Seit 2018 haben häufige Brände in Energiespeichersystemen und die Aussetzung staatlicher Förderprogramme das Wachstum des heimischen Speichermarktes erheblich verlangsamt“, erklärte Chang Jae Won, stellvertretender Vorsitzender der Korea Smart Grid Association (KSGA).
Hintergrund: Die erste Ausschreibung
Die erste zentrale Marktausschreibung fand bereits 2023 statt. Damals wurde ein 15-Jahres-Vertrag für 60 MW/260 MWh Batteriespeichersysteme (BESS) auf der Insel Jeju vergeben. Diese Ausschreibung war entscheidend, um die Netzbelastungen auf der beliebten Touristeninsel zu bewältigen und mehr erneuerbare Energien zu integrieren. Es war das erste Mal, dass die koreanische Regierung einen zentralen Marktvertrag für kohlenstoffarme Stromquellen anbot.
Bewertungskriterien und Netzstabilität
Die KPX wird die Angebote nach Preis- und Nicht-Preis-Faktoren gleich gewichten. Die Nicht-Preis-Faktoren, denen die höchste Bedeutung beigemessen wird, umfassen Brand- und Anlagensicherheit, einschließlich Notfallplänen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Beitrag des Projekts zur Netzstabilisierung am jeweiligen Anschlusspunkt. Zudem wird der „Beitrag zum ESS-Industrie-Ökosystem“ bewertet, was die lokale Wertschöpfung und technologische Entwicklung fördert.
Dieser Ansatz zeigt, dass Südkorea nicht nur auf die Kosten schaut, sondern auch großen Wert auf die Sicherheit und den langfristigen Nutzen für das nationale Stromnetz und die heimische Industrie legt. Die Erfahrungen der Vergangenheit, insbesondere die Brandereignisse von 2018, haben die Bedeutung von Sicherheit unterstrichen.
Ziele für erneuerbare Energien und Speicherbedarf
Südkorea hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: Das Land will seine installierte Kapazität für erneuerbare Energien von 30 GW im Jahr 2023 auf 121,9 GW bis 2038 vervierfachen. Um diese massive Expansion zu unterstützen und die Netzstabilität zu gewährleisten, prognostiziert die Regierung einen Bedarf von rund 23 GW an kurz- und langzeitigen Energiespeichern bis 2038.
Chang Jae Won von der KSGA betonte, dass die aktuelle 540-MW-Ausschreibung den Entwicklern die Investitionskosten ihrer Projekte über eine Laufzeit von 15 Jahren erstatten soll. Dies ist entscheidend, da private Unternehmen unter dem derzeitigen Strommarktdesign Schwierigkeiten haben, ihre Investitionen in DC-Energiespeicher in Südkorea zu amortisieren.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Obwohl Südkorea einige der weltweit größten ESS-Anbieter wie LG Energy Solution und Samsung SDI beheimatet, stagnierte die inländische Akzeptanz nach dem Ende eines staatlich subventionierten Booms im Bereich kommerzieller und industrieller Speicher im Jahr 2018. Dies war eine direkte Folge mehrerer Brandereignisse.
Berichten zufolge wurden die Brände eher durch angebliches Fehlmanagement der Ausrüstung als durch Mängel an den Batterien selbst verursacht. Dennoch haben die 23 Brände, die 2018 gemeldet wurden, das Vertrauen in die Branche beeinträchtigt. Trotz dieser Rückschläge wächst die globale Energiespeicherindustrie stark, und auch in Korea wird die Notwendigkeit weiterer Speicher durch den Ausbau erneuerbarer Energien immer deutlicher.
Die aktuellen Ausschreibungen sind ein klares Signal, dass Südkorea fest entschlossen ist, die Energiespeicherung als Schlüsseltechnologie für seine Energiewende zu etablieren. Die Kombination aus finanzieller Unterstützung, klaren technischen Anforderungen und einem starken Fokus auf Sicherheit soll das Vertrauen wiederherstellen und den Markt ankurbeln.





