Südaustralien hat einen wichtigen Schritt zur Sicherung seiner Stromversorgung unternommen. Im Rahmen des ersten Firm Energy Reliability Mechanism (FERM)-Verfahrens wurden Verträge für sechs Batteriespeicherprojekte mit einer Gesamtleistung von 1.334 MW und 5.336 MWh vergeben. Diese Projekte sollen die Netzstabilität gewährleisten, während der Bundesstaat sein Ziel von 100 % erneuerbarer Energie bis 2027 verfolgt.
Wichtige Erkenntnisse
- Sechs Batteriespeicherprojekte erhalten Zuschläge im ersten FERM-Verfahren.
- Gesamtleistung von 1.334 MW und 5.336 MWh Speicherkapazität.
- Ziel ist die Sicherstellung der Netzstabilität bis 2027.
- Projekte müssen 8 Stunden lang kontinuierlich Strom liefern können.
- Lithium-Ionen-Technologie kommt in allen Projekten zum Einsatz.
Südaustraliens Weg zur 100 % Erneuerbaren Energie
Südaustralien ist bereits ein Vorreiter bei der Integration erneuerbarer Energien. Mehr als 70 % des Strombedarfs des Bundesstaates werden durch erneuerbare Quellen gedeckt. Dies ist weltweit einer der höchsten Anteile für eine Region dieser Größe. Dieser hohe Anteil erfordert jedoch auch eine robuste, flexible Kapazität, um die Netzstabilität zu gewährleisten, insbesondere bei Schwankungen in der erneuerbaren Erzeugung.
Der FERM-Mechanismus wurde ins Leben gerufen, um genau diese Lücke zu schließen. Er soll sicherstellen, dass auch bei hoher Einspeisung von Wind- und Solarenergie eine zuverlässige Stromversorgung gewährleistet ist. Die vergebenen Verträge sind ein Meilenstein auf dem Weg zu einem vollständig erneuerbaren Energiesystem.
Faktencheck
- 70 %: Anteil erneuerbarer Energien am Strommix Südaustraliens.
- 2027: Zieljahr für 100 % erneuerbare Energie.
- 1.334 MW / 5.336 MWh: Gesamtleistung und -kapazität der neuen Batteriespeicher.
- 8 Stunden: Mindestdauer, über die die Projekte kontinuierlich Strom liefern müssen.
Details der Ausschreibung und Projekte
Die Ausschreibung, die im November 2025 endete, zielte auf langfristige, zuschaltbare Kapazitäten ab. Die Projekte wurden in zwei Kategorien unterteilt, basierend auf ihrem geplanten Betriebsbeginn. Insgesamt wurden 517 MW und 4.136 MWh an kontinuierlich über acht Stunden abrufbarer Leistung vergeben.
Vier Projekte erhielten in Kategorie 1 einen Zuschlag, mit dem Ziel, bis November 2028 betriebsbereit zu sein. Neoen Australia sicherte sich zwei Verträge für sein Goyder Battery Projekt. Jede Stufe dieses Projekts liefert 75 MW und 600 MWh, was einer kombinierten Nennleistung von 400 MW und 1.600 MWh entspricht.
Ampyr Energys Northern Battery ergänzt diese Kategorie mit einer zugesagten Leistung von 125 MW und 1.000 MWh. Iberdrolas Tungkillo BESS, das 2025 von RES Australia übernommen wurde, trägt weitere 100 MW und 800 MWh bei.
Kategorie 2: Projekte für 2029
Zwei Projekte wurden in Kategorie 2 vergeben und sollen bis November 2029 in Betrieb gehen. Dazu gehören Akaysha Energys Brinkworth BESS mit 92 MW und 736 MWh sowie ZEBREs Dartmoor BESS mit 50 MW und 400 MWh.
Alle sechs ausgewählten Projekte setzen auf die bewährte Lithium-Ionen-Batterietechnologie. Dies unterstreicht das Vertrauen in diese Technologie für großskalige Energiespeicherlösungen.
„Die Ausschreibung stieß auf einen starken Wettbewerb, wobei die erfolgreichen Projekte die wichtigsten Bewertungskriterien hervorragend erfüllten. Die Bewertung von ASL priorisierte Projekte mit einem klaren und glaubwürdigen Weg zum kommerziellen Betrieb, einem sinnvollen Beitrag zur Systemzuverlässigkeit und einem starken Wert für die Stromverbraucher in Südaustralien.“
Vertragsdetails und Finanzierung
Die erfolgreichen Projekte haben sogenannte FERMAs (Firm Energy Reliability Mechanism Agreements) abgeschlossen. Es handelt sich um 15-jährige Verträge, die den Investoren Planungssicherheit bei den Einnahmen bieten. Im Gegenzug verpflichten sich die Projekte, ihre Leistungsverpflichtungen in Zeiten hoher Systembelastung zu erfüllen.
ASL, der unabhängige Administrator des FERM-Programms, wurde Ende 2025 ernannt. Das Unternehmen betonte den robusten Wettbewerb und die hohe Qualität der eingereichten Angebote. Der Finanzierungsmechanismus des SA FERM-Programms, der im Februar 2026 eingerichtet wurde, wird die vertraglich vereinbarten Zahlungen verwalten.
Hintergrund des FERM-Programms
Das FERM-Rahmenwerk ist Südaustraliens Antwort auf die im National Electricity Market (NEM) festgestellten Zuverlässigkeitslücken. Diese Lücken entstehen durch die Stilllegung thermischer Kraftwerke und den Ausbau erneuerbarer Energiekapazitäten. Das Programm soll private Investitionen in feste Kapazitätsinfrastrukturen anziehen, die für die Netzstabilität während der Integration erneuerbarer Energien unerlässlich sind.
Technologische Entwicklungen und Zukunftsaussichten
Die Ausschreibung war technologieoffen, schloss jedoch Kohle und Kernkraft als förderfähige Brennstoffquellen explizit aus. Dies ermöglichte eine breite Palette von Lösungen, wobei Lithium-Ionen-Batterien als wirtschaftlichste Option hervorgingen. Thimo Mueller, General Manager Commercial von ASL, wies kürzlich darauf hin, dass sinkende Kosten für Lithium-Ionen-Technologien selbst für Langzeitanwendungen wettbewerbsfähige Preise ermöglichen.
Die Ergebnisse des ersten SA FERM-Verfahrens wurden in einem straffen Zeitrahmen erzielt. Die Registrierung begann im Oktober 2025, die Gebote endeten Ende November, und die Ergebnisse wurden Ende Mai 2026 bekannt gegeben. Dies zeigt die Dringlichkeit und das Engagement Südaustraliens, seine Energieziele schnell zu erreichen.
Dieser Erfolg Südaustraliens könnte als Blaupause für andere Regionen dienen, die ebenfalls vor der Herausforderung stehen, ihre Stromnetze mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien stabil zu halten. Die Kombination aus wettbewerbsorientierten Ausschreibungen und langfristigen Verträgen schafft ein attraktives Umfeld für Investitionen in kritische Infrastrukturen.





