Der spanische Energiespeichermarkt steht vor erheblichen Herausforderungen. Trotz jüngster Fortschritte fehlt es an umfassenden Marktmechanismen und einem klaren Regulierungsrahmen für große Energiespeichersysteme. Dies bremst die Entwicklung und erschwert die Bankfähigkeit von Projekten, wie Isabel Rodriguez de Rivera, Geschäftsführerin von Nuveen Infrastructure, betont.
Wichtige Erkenntnisse
- Spanien fehlt ein umfassender Regulierungsrahmen für Energiespeicher.
- Es gibt keinen vergüteten Markt für Flexibilitätsdienste von Energiespeichern.
- Die Genehmigungsverfahren sind weiterhin komplex und langsam.
- Kapazitätsmärkte werden entwickelt, aber die Umsetzung verzögert sich.
- Die Bankfähigkeit von BESS-Projekten hängt stark von stabilen Einnahmequellen ab.
Der Zustand des europäischen Energiespeichermarktes
Europa hat in den letzten Jahren ein erhebliches Wachstum bei der Einführung von Batteriespeichersystemen (BESS) erlebt. Die Europäische Union hat durch das Clean Energy Package wichtige Schritte unternommen, um Energiespeicher in den Strommarkt zu integrieren. Dennoch gibt es weiterhin Hürden, die eine schnellere Expansion behindern.
Isabel Rodriguez de Rivera von Nuveen Infrastructure bemerkt, dass es 2024 zwar eine leichte Verlangsamung gab, der Trend aber weiterhin positiv ist. Der Markt entwickelt sich, doch die nationalen Besonderheiten spielen eine große Rolle für den Erfolg von Projekten.
Faktencheck: EU-Fortschritte
- Das Clean Energy Package der EU ist ein zentrales Instrument zur Integration von Energiespeichern.
- Es schafft einen Rahmen, der die Teilnahme von Speichern am Strommarkt fördern soll.
Nationale Unterschiede: Italien und Spanien im Fokus
Italiens Weg: Öffentliche Unterstützung und bürokratische Hürden
Italien profitiert von öffentlichen Förderprogrammen, die eine grundlegende Einnahmequelle für Energiespeicherprojekte darstellen. Dazu gehören der Kapazitätsmarkt und der Beschaffungsmechanismus für elektrische Speicherkapazitäten (MACSE). Diese Mechanismen haben zu einem großen Interesse bei den Produzenten geführt, was die Auktionen äußerst wettbewerbsfähig machte.
Ein Hauptproblem in Italien ist jedoch der langsame und komplexe Genehmigungsprozess. Die Zuständigkeiten sind zwischen lokalen, regionalen und nationalen Behörden oft fragmentiert. Dies führt zu Verzögerungen und Unsicherheiten bei der Projektentwicklung. Die Bankfähigkeit von Projekten hängt hier stark von den Einnahmequellen und den Garantieabdeckungen ab.
„In Italien ist eines der Haupthindernisse der langsame und komplexe Genehmigungsprozess, gepaart mit der Fragmentierung der Zuständigkeiten zwischen lokalen, regionalen und nationalen Behörden.“
Spaniens Herausforderungen: Fehlende Rahmenbedingungen
In Spanien ist die Situation noch komplexer. Das größte Hindernis ist das Fehlen eines umfassenden Regulierungsrahmens. Obwohl es in den letzten Jahren Fortschritte gab, bleibt die Regulierungslandschaft unvollständig. Es gibt keinen vergüteten Markt für die Flexibilitätsdienste, die Energiespeicher anbieten können. Auch die administrativen Verfahren sind weiterhin aufwendig.
Kapazitätsmärkte, die die Teilnahme von kommerziellen Batteriespeichern ermöglichen sollen, befinden sich derzeit in der Entwicklung. Ursprünglich wurde mit einer Einführung Ende 2025 oder Anfang 2026 gerechnet. Bisher gibt es jedoch noch keine klaren Signale für eine baldige Umsetzung. Dies schafft Unsicherheit für Investoren und Projektentwickler.
Hintergrund: Bankfähigkeit von BESS-Projekten
Die Bankfähigkeit eines Batteriespeichersystems (BESS) ist entscheidend für Investoren und Kreditgeber. Sie hängt von mehreren Schlüsselfaktoren ab, die das Risiko und die Rentabilität eines Projekts bewerten. Dazu gehören stabile Einnahmequellen, solide Garantien und eine klare regulatorische Umgebung.
Bankfähigkeit und Einnahmemodelle
Die Bankfähigkeit von BESS-Projekten in Spanien, ähnlich wie in Italien, hängt von mehreren Faktoren ab. Kreditgeber und Investoren bewerten Risiken und die Lebensfähigkeit von Projekten anhand von:
- Stabile Einnahmequellen: Eine Mischung aus vertraglich gesicherten und marktnahen Einnahmen wird bevorzugt.
- Garantieabdeckung: Umfassende Garantien für die Leistung und Lebensdauer der Systeme sind unerlässlich.
- Regulatorische Klarheit: Ein stabiler und vorhersehbarer Rahmen minimiert Risiken.
Banken entwickeln ihr Verständnis für komplexere Einnahmequellen von BESS-Anlagen weiter. Dies ist grundlegend für die Bankfähigkeit, ebenso wie die Verknüpfung verschiedener Einnahmequellen in hybriden Anlagen.
Merchant versus Tolling/Fixed Revenue Schemes
Die Monetarisierung von Projekten variiert je nach Promoter und Risikobereitschaft. Typischerweise wird ein gutes Gleichgewicht aus vertraglich gesicherten Einnahmen (Tolling/Fixed Revenue) und marktnahen Einnahmen (Merchant) bevorzugt. Dies sichert langfristige Erträge und kann die Eigenkapitalrendite verbessern.
Vertraglich gesicherte Einnahmen bieten Stabilität und Vorhersehbarkeit, während Merchant-Einnahmen die Möglichkeit bieten, von kurzfristigen Marktchancen zu profitieren. Eine ausgewogene Strategie ist für die Sicherstellung der Bankfähigkeit und attraktiver Renditen entscheidend.
Herausforderungen bei Netzanbindung und Interkonnektion
Häufig werden lange Wartelisten für die Netzanbindung und Interkonnektion als großes Problem genannt. Diese Engpässe verzögern Projekte und erhöhen die Kosten. Maßnahmen zur Linderung dieser Probleme sind entscheidend für die weitere Expansion des Energiespeichermarktes in Europa.
Es sind verstärkte Investitionen in die Netzinfrastruktur und optimierte Genehmigungsverfahren erforderlich, um diese Engpässe zu überwinden. Ohne eine schnelle Lösung dieser Probleme wird das volle Potenzial der Energiespeichersysteme nicht ausgeschöpft werden können.





