Seit dem 1. Januar 2024 gelten in den USA neue Vorschriften und Zölle für Batteriespeichersysteme (BESS). Diese Änderungen haben den Einkauf von BESS grundlegend verändert. Käufer konzentrieren sich nicht mehr nur auf den Preis, sondern bewerten nun auch die Herkunft der Komponenten, die Einhaltung von Vorschriften und das gesamte Projektrisiko. Dies markiert einen Wandel hin zu langfristiger Wertschöpfung statt kurzfristiger Kosteneinsparungen.
Wichtige Erkenntnisse
- Neue US-Vorschriften und Zölle seit 1. Januar 2024 beeinflussen den BESS-Markt.
- Der Einkauf von BESS ist von preisorientiert zu risikobasiert geworden.
- Hersteller müssen Lieferketten diversifizieren und Compliance gewährleisten.
- Die Branche erwartet eine gesündere Marktentwicklung mit Fokus auf langfristige Leistung.
- Überkapazitäten bei Batteriezellen könnten sich bis 2026 einstellen.
Veränderte Beschaffung: Mehr als nur der Preis
Die Einführung der sogenannten Foreign Entity of Concern (FEOC)-Beschränkungen und die Erhöhung des Section 301-Zolls auf chinesische BESS-Produkte auf 25 Prozent haben die Dynamik im Energiespeichermarkt neu definiert. Entwickler und Versorgungsunternehmen prüfen nun genau die Herkunft, den Besitz und die Kontrolle aller Materialien, um die Einhaltung der FEOC-Vorschriften sicherzustellen und die Berechtigung für Steuergutschriften (ITC) zu wahren.
Tom Cornell, CEO und Präsident von Prevalon Energy, betont, dass der Einkauf "weit überlegter" geworden ist. Entscheidungen über die Ausrüstung werden seltener in letzter Minute getroffen. Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf der Bankfähigkeit und der langfristigen Einhaltung von Vorschriften.
Faktencheck
Die Section 301-Zölle sind eine Maßnahme der US-Regierung, um unfaire Handelspraktiken zu ahnden. Die Erhöhung auf 25 % für chinesische BESS-Produkte macht diese für US-Käufer deutlich teurer.
Zölle und ihre Auswirkungen auf die Beschaffung
Die Section 301-Zölle haben die Notwendigkeit diversifizierter Beschaffungsstrategien verstärkt. Einkaufsteams modellieren zunehmend verschiedene Lieferwege. Sie berücksichtigen dabei Zölle, Logistik- und Lieferrisiken zusätzlich zu den reinen Ausrüstungskosten. Was früher der niedrigste Anschaffungspreis war, ist heute oft nicht mehr der niedrigste Gesamtprojektpreis, wenn Zölle, Terminrisiken und Finanzierungskosten vollständig berücksichtigt werden.
"Der niedrigste Anschaffungspreis ist nicht mehr der niedrigste Gesamtprojektpreis, wenn Zölle, Terminrisiken und Finanzierungskosten vollständig berücksichtigt werden."
Chinesische Systeme: Immer noch die günstigste Option?
Rein auf die Ausrüstung bezogen, können chinesische Batteriespeichersysteme immer noch günstiger erscheinen. Doch dieser Preisunterschied hat sich laut Experten deutlich verringert. Wenn man Zölle, FEOC-Beschränkungen, den möglichen Verlust von Steuergutschriften, Finanzierungseffekte und langfristige Serviceaspekte einbezieht, sind die wirtschaftlichen Vorteile viel geringer als noch vor einem Jahr.
Für viele Projekte sind konforme Systeme mit klarerer regulatorischer Positionierung auf einer Gesamt- und risikobereinigten Kostenbasis ähnlich oder sogar besser. Dies zeigt, wie sich der Markt von einer reinen Kostenbetrachtung zu einer umfassenderen Risikobewertung entwickelt hat.
Hintergrund: Prevalon Energy
Prevalon Energy ist eine Ausgründung von Mitsubishi Power Americas, genauer gesagt aus der BESS-Sparte von Mitsubishi Heavy Industries. Der Hauptproduzent für Prevalon Energys BESS ist Clou Electronics, ein chinesisches Unternehmen, das zur Midea Group gehört. Diese Zusammenarbeit bietet Einblicke in die Veränderungen der BESS-Beschaffung.
Vorbereitung auf den Wandel: Diversifikation ist der Schlüssel
Unternehmen wie Prevalon Energy haben den bevorstehenden Wandel antizipiert. Sie haben ihre Lieferketten diversifiziert und langfristige Ausrüstung unter verschiedenen Beschaffungsszenarien gesichert. Die Plattformstrategie wurde so ausgerichtet, dass sie flexibel bleibt, wenn sich die Politik weiterentwickelt. Diese Vorbereitung ermöglicht es, Projekte mit unterschiedlichen Compliance- und Zollprofilen zu unterstützen, ohne Kunden auf einen einzigen Weg festzulegen.
Diese proaktive Herangehensweise ist entscheidend, um in einem sich schnell verändernden Marktumfeld wettbewerbsfähig zu bleiben. Es geht darum, Lösungen anzubieten, die nicht nur kosteneffizient, sondern auch zukunftssicher und regelkonform sind.
Ausblick: Ein gesünderer Markt?
Kurzfristig wird die Branche weiterhin mit Unsicherheiten zu kämpfen haben, bis endgültige Richtlinien feststehen und sich die Lieferketten angepasst haben. Es wird erwartet, dass Projekte genauer geprüft werden und der Fokus auf den Baubeginn und Partner liegt, die Politik, Technik und Ausführung gemeinsam meistern können.
Langfristig soll dies zu einem gesünderen Markt führen. Ein Markt, der disziplinierte Entwicklung und langfristige Leistung belohnt, anstatt kurzfristige Arbitragegeschäfte. Dies deutet auf eine Reifung der Branche hin, in der Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Zellkapazität im Überfluss?
Justin Johnson, COO von Arevon Energy, sieht in der langsameren Einführung von Elektrofahrzeugen eine Chance. Viele Fabriken, die ursprünglich für EV-Zellen geplant waren (z.B. von LG, Samsung, SK On), werden nun für den stationären Speichermarkt umgerüstet. Prognosen deuten auf ein Überangebot an Batteriezellen bis Ende 2026 und darüber hinaus hin.
Die Rolle des heimischen Inhalts
Die Verfügbarkeit von heimisch produzierten Komponenten spielt eine wachsende Rolle, insbesondere für Projekte, die Bonusanreize nutzen oder politische Risiken mindern wollen. Es ist jedoch keine Schwarz-Weiß-Entscheidung. Viele Kunden bewerten eine Reihe von Optionen und gleichen dabei heimische Produktion, die Lieferung aus verbündeten Ländern, Kosten, Zeitplan und Leistung ab.
Die Aufgabe der Integratoren ist es, Kunden dabei zu helfen, fundierte Kompromisse einzugehen und Projekte so zu strukturieren, dass sie auch bei sich ändernden politischen und Marktbedingungen widerstandsfähig bleiben. Dies unterstreicht die Komplexität der Beschaffungsentscheidungen in der heutigen Energiespeicherbranche.
Die Entwicklungen auf dem Energiespeichermarkt werden auch auf dem Energy Storage Summit USA diskutiert, der vom 24. bis 25. März 2026 in Dallas, TX, stattfinden wird. Dort werden Themen wie FEOC-Herausforderungen und das Management der BESS-Lieferkette im Mittelpunkt stehen.





