Pakistan macht einen wichtigen Schritt in Richtung einer stabilen und nachhaltigen Energieversorgung. Die nationale Regulierungsbehörde für elektrische Energie (NEPRA) hat entschieden, dass Bieter in künftigen Auktionen für erneuerbare Energien zwingend Energiespeichersysteme in ihre Angebote integrieren müssen. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Zuverlässigkeit des Stromnetzes zu erhöhen und die Integration von Wind- und Solarenergie zu verbessern.
Wichtige Punkte
- NEPRA genehmigt obligatorische Batteriespeicher für erneuerbare Energieprojekte.
- Mindestens 10% der Erzeugungskapazität müssen als Batteriespeicher ausgelegt sein.
- Die Regelung soll Netzschwankungen durch Wind- und Solarenergie reduzieren.
- Indien plant ähnliche Vorschriften ab Juli 2027.
Batteriespeicher zur Netzstabilisierung
Die Entscheidung der NEPRA vom 4. September betrifft den Auktionsprozess des Independent System and Market Operator of Pakistan (ISMO). Dieser Rahmen sieht die Beschaffung von 800 Megawatt (MW) aggregierter Kapazität aus erneuerbaren Energien vor. ISMO hatte drei Änderungsanträge zum Auktionsprozess eingereicht. Einer davon war die verpflichtende Kopplung von Batteriespeichersystemen (BESS) an Wind- und/oder Solar-Photovoltaik-Anlagen, die an der Auktion teilnehmen.
Diese Anforderung ist ein direktes Ergebnis der wachsenden Herausforderungen, die der zunehmende Anteil variabler erneuerbarer Energien (VRE) an das pakistanische Stromnetz stellt. Dazu gehören das sogenannte Duck-Curve-Phänomen, schnelle Lastanstiege und die Abregelung von Energie. Batteriespeicher sollen diese Probleme mindern, indem sie tagsüber, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist, geladen und in Stunden mit höherem Nettobedarf entladen werden. Dies reduziert die Belastung des Netzes in den Abendstunden und hilft, nicht genutzte Energie zurückzugewinnen.
Faktencheck
- 800 MW: Geplante aggregierte Kapazität für erneuerbare Energien.
- 10%: Mindestanforderung für Batteriespeicherausgabe im Verhältnis zur Erzeugungskapazität.
- 40 MW / 160 MWh: Geschätzter Speicherbedarf für eine anfängliche 400 MW Auktion.
Details der Speichervorschriften
Die Vorschläge von ISMO sehen vor, dass mindestens 10% der Erzeugungskapazität durch Batteriespeicher abgedeckt werden müssen. Für eine anfängliche Auktion von 400 MW würde dies etwa 40 MW/160 MWh an Energiespeicher bedeuten. Die Modellierungen von ISMO zeigen, dass Projekte mit 10%, 20% oder 25% BESS weiterhin finanziell tragfähig und wettbewerbsfähig bleiben. Dies ist ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz der neuen Regelung bei Investoren.
Die erste Auktionsrunde war ursprünglich auf 200 MW angesetzt, wurde aber im Juli vom Energieministerium auf 400 MW verdoppelt. ISMO bezeichnet die obligatorischen Batteriespeicher als "umsichtig und verhältnismäßig", um die Herausforderungen des Netzes effektiv zu bewältigen.
„Die zunehmende Nutzung variabler erneuerbarer Energien führt bereits zu Duck-Curve-Effekten, starken Lastanstiegen und Abregelungsproblemen im Netz. Obligatorische Batteriespeicher sind eine umsichtige und verhältnismäßige Antwort darauf.“
– ISMO
Diskussionen und zukünftige Anpassungen
Während des Stakeholder-Engagements kamen zahlreiche Kommentare von der Öffentlichkeit und eingeladenen Experten. Rehan Javed, ein Experte für den Energiesektor, unterstützte die obligatorische Kopplung von Batteriespeichern, schlug jedoch eine höhere Schwelle von 15% bis 20% vor, um die Auktionsziele effektiver zu erreichen. Auch das National Energy Academic Network (NEAN) hinterfragte, warum der Ehrgeiz nicht höher sei, da Konsultationsantworten eine 20%-Schwelle zu unterstützen schienen.
ISMO erklärte, dass die 10%-Schwelle ein anfängliches Minimum darstellt. Ziel ist es, einen wesentlichen Teil des modellierten Nutzens zu sichern, ohne höhere Kosten und Implementierungsrisiken durch eine größere Anforderung aufzuerlegen. ISMO kündigte an, das für die Berechnungen verwendete Finanzmodell zu veröffentlichen und die Schwelle zu einem späteren Zeitpunkt überprüfen zu können.
Hintergrund: Die Duck-Curve
Die Duck-Curve beschreibt ein Phänomen in Stromnetzen mit hohem Anteil an Solarenergie. Tagsüber, wenn die Sonne scheint, sinkt der Netzbedarf an konventionellem Strom stark ab (der 'Bauch' der Ente). Am späten Nachmittag, wenn die Sonne untergeht und der Energieverbrauch steigt, muss die konventionelle Stromerzeugung schnell hochgefahren werden (der 'Hals' der Ente). Dies stellt hohe Anforderungen an die Flexibilität des Netzes und der Kraftwerke.
Indien plant ähnliche Schritte
Pakistan ist nicht das einzige Land in der Region, das solche Maßnahmen ergreift. Die Central Electricity Authority (CEA) Indiens, eine Behörde des Energieministeriums, hat ebenfalls vorgeschlagen, dass neue Projekte für erneuerbare Energien ab dem 1. Juli 2027 obligatorisch netzbildende Wechselrichter und gekoppelte Energiespeicher umfassen müssen.
Der Entwurf der Central Electricity Authority (Technical Standards for Construction of Electric Plants and Electric Lines) 2nd Amendment Regulations, 2026, sieht vor, dass mindestens 15% der Wechselrichter in erneuerbaren Energieanlagen über eine netzbildende Steuerung verfügen müssen. Zudem sollen alle Leistungsumwandlungssysteme (PCS) von Batteriespeichersystemen (BESS) über eine netzbildende Steuerung verfügen, um die technischen Anforderungen der CEA zu erfüllen.
Für Freiflächen-Solar- und Onshore-Windprojekte, die nach dem 1. Juli 2027 in Betrieb genommen werden, schlägt die CEA obligatorische gekoppelte Energiespeichersysteme (ESS) vor. Diese sollen eine minimale Speicherdauer von zwei Stunden und eine Kapazität von mindestens 10% der installierten Leistung der Anlage haben. Ein 100-MW-Solar- oder Windprojekt müsste demnach mindestens 10 MW gekoppelte ESS mit zwei Stunden Speicherkapazität, also 20 MWh, aufweisen.
- Indien: Mindestens 15% der Wechselrichter mit netzbildender Steuerung.
- Indien: 10% der Anlagenleistung als ESS mit 2 Stunden Speicherdauer.
Diese Entwicklungen in Pakistan und Indien zeigen einen klaren Trend in Südasien: Die Notwendigkeit, Energiespeicher fest in die Infrastruktur für erneuerbare Energien zu integrieren, um die Stabilität und Effizienz der Stromnetze zu gewährleisten. Beide Länder erkennen die Bedeutung dieser Technologie für eine erfolgreiche Energiewende.





