Belgien macht bedeutende Fortschritte beim Ausbau seiner Energiespeicherinfrastruktur. Jüngst wurde das größte Batteriespeichersystem (BESS) in der Wallonie in Betrieb genommen. Es hat eine Leistung von 150 MW und eine Speicherkapazität von 600 MWh. Dieses Projekt, das von EDF Power Solutions über seine Tochtergesellschaft Luminus realisiert wurde, ist ein wichtiger Schritt zur Integration erneuerbarer Energien und zur Sicherung der Stromversorgung des Landes.
Wichtige Erkenntnisse
- EDF Luminus hat das größte BESS in Wallonien (150 MW/600 MWh) in Betrieb genommen.
- Engie startet den Bau eines weiteren Großspeichers (74 MW/296 MWh) in Coo.
- Belgien profitiert von einem speicherfreundlichen Regulierungssystem und einem Kapazitätsmarkt.
- Die neuen Anlagen verbessern die Netzstabilität und die Integration erneuerbarer Energien.
EDF Luminus nimmt Großspeicher in Lixhe in Betrieb
Das neue Batteriespeichersystem von EDF, das über die Tochtergesellschaft Luminus betrieben wird, befindet sich in Lixhe, Belgien. Es wurde letzte Woche offiziell in Betrieb genommen. Luminus ist einer der größten Energieversorger in Belgien. Das Projekt stellt eine Investition von 160 Millionen Euro dar.
Luminus und I4B – The Belgian Infrastructure Fund sind die Hauptaktionäre dieses Vorhabens. Sie haben die Finanzierung bereits im Juni des Vorjahres abgeschlossen. Die Anlage ist direkt an das Hochspannungsnetz des Übertragungsnetzbetreibers Elia angeschlossen. Die Luminus-Tochter Newelec war für das Mittelspannungsverteilungsnetz (33 kV) vor Ort und die Überwachung der elektrischen Installationen verantwortlich.
Faktencheck: Lixhe BESS
- Leistung: 150 MW
- Speicherkapazität: 600 MWh
- Speicherdauer: 4 Stunden
- Investition: 160 Millionen Euro
- Standort: Lixhe, nahe eines Wasserkraftwerks
Beitrag zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit
Das Batteriespeichersystem in Lixhe liegt in der Nähe eines Wasserkraftwerks. Es wird täglich zur Stabilisierung des Netzes beitragen. Darüber hinaus stärkt es die Versorgungssicherheit Belgiens. Dies ist ein entscheidender Faktor für die Energiewende.
„Mit 150 MW Leistung und 600 MWh Speicherkapazität bringt diese Batteriespeicheranlage neue Flexibilitätskapazitäten in unser Stromsystem. Dies ist unerlässlich, um die Integration erneuerbarer Energien zu stärken, das Netz besser auszugleichen und die Sicherheit unserer Versorgung zu gewährleisten.“
Diese Aussage unterstreicht die Bedeutung solcher Projekte für die Energiezukunft Belgiens. Die Anlage ermöglicht es, Schwankungen bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen auszugleichen.
Engie baut weiteren Großspeicher in Coo
Ein weiterer bedeutender Akteur auf dem belgischen Speichermarkt ist Engie. Das ebenfalls in Frankreich ansässige Energieunternehmen hat mit dem Bau eines Batteriespeichersystems in Coo, in der Provinz Lüttich, begonnen. Dieses Projekt hat eine Leistung von 74 MW und eine Speicherkapazität von 296 MWh.
Der Standort Coo entwickelt sich zu einem wichtigen Energiezentrum. Dort gibt es bereits ein Pumpspeicherkraftwerk, Solaranlagen und Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Die Inbetriebnahme des Engie-Projekts ist für Anfang 2028 geplant. Engie kündigte das Projekt im Rahmen einer Aktualisierung seiner europäischen Aktivitäten an.
Belgiens Rolle im Energiespeichersektor
Belgien war in Kontinentaleuropa einer der ersten Länder, die sich auf netzgebundene Speichersysteme konzentrierten. Dies liegt an einem speicherfreundlichen Regulierungssystem, insbesondere bei den Netzentgelten. Auch die Unterstützung des Übertragungsnetzbetreibers Elia, unter anderem durch einen Kapazitätsmarkt (CM), hat langfristige Einnahmen gesichert. Viele große BESS-Projekte in Belgien haben CM-Verträge.
Wachstum des belgischen Speichermarktes
Der belgische Speichermarkt wächst stetig. Erst im Juli nahm der Eigentümer-Betreiber BStor ein 50 MW/140 MWh-Projekt in Betrieb. Die niederländische Plattform Giga Storage finanzierte zudem ein riesiges Projekt mit 2,8 GWh Kapazität, das zu den größten in Europa gehört. Diese Entwicklungen zeigen das starke Engagement Belgiens im Bereich Energiespeicherung.
EDF ist weltweit in erneuerbaren Energien und Batteriespeichersystemen aktiv. Über seine Power Solutions-Sparte hat das Unternehmen im Mai ein 50 MW/120 MWh-Projekt in Polen in Betrieb genommen. Dies unterstreicht die globale Strategie, die Energiespeicherung als Schlüsseltechnologie voranzutreiben.
Zukünftige Aussichten und Herausforderungen
Die zunehmende Installation von Batteriespeichersystemen ist entscheidend für die Energiewende. Sie ermöglichen eine bessere Integration von Wind- und Solarenergie, deren Erzeugung naturgemäß schwankt. Ohne Speicher müssten diese Schwankungen durch konventionelle Kraftwerke ausgeglichen werden, was die CO2-Emissionen erhöht.
- Netzstabilisierung: Batterien können schnell auf Änderungen im Netz reagieren.
- Spitzenlastabdeckung: Sie können Strom in Zeiten hoher Nachfrage liefern.
- Erneuerbare Integration: Überschüssiger Strom kann gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden.
Die Herausforderungen liegen weiterhin in den Kosten der Technologie und der Verfügbarkeit von Rohstoffen. Dennoch zeigen die jüngsten Investitionen in Belgien, dass die Vorteile die Hürden überwiegen. Die politische Unterstützung und die Anreizsysteme des Landes spielen dabei eine wichtige Rolle. Belgien könnte damit ein Vorbild für andere europäische Länder werden.
Die Entwicklung in Coo zu einem Energie-Hub mit Pumpspeicherung, Solar und Ladeinfrastruktur ist ein Beispiel für eine umfassende Strategie. Solche integrierten Ansätze sind notwendig, um die komplexen Anforderungen der modernen Energieversorgung zu erfüllen. Die Projekte von EDF und Engie sind somit nicht nur lokale Erfolge, sondern tragen zur europäischen Energiesicherheit bei.





