Ein Tochterunternehmen des Energieversorgers Northern Indiana Public Service Company (NIPSCO) hat eine Vereinbarung mit Amazon getroffen, um 3 Gigawatt (GW) neue, steuerbare Kapazität zu schaffen. Ziel ist es, die geplanten Rechenzentrumserweiterungen des Technologiegiganten zu versorgen. Die Details der Vereinbarung wurden in Einreichungen bei der Indiana Utility Regulatory Commission (IURC) veröffentlicht.
Die Vereinbarung umfasst den Bau einer neuen Batteriespeicheranlage (BESS) mit einer Kapazität von 400 Megawatt (MW) und 1.600 Megawattstunden (MWh). Darüber hinaus sieht der Plan die Errichtung von zwei neuen Gaskraftwerken mit einer kombinierten Kapazität von 2,6 GW vor. Diese Entwicklung spiegelt den steigenden Energiebedarf großer Technologieunternehmen wider.
Wichtige Punkte
- NIPSCO baut 3 GW neue Kapazität für Amazon.
- Dazu gehören 1,6 GWh Batteriespeicher und 2,6 GW Gaskraftwerke.
- Amazon finanziert den Bau der Anlagen und der Übertragungsinfrastruktur.
- Eine neue NIPSCO-Tochtergesellschaft, GenCo, wird die Anlagen besitzen und betreiben.
- Die Fertigstellung der Batteriespeicheranlage ist für Anfang 2027 geplant.
Massiver Ausbau für Amazons Rechenzentren
Die Notwendigkeit, Rechenzentren mit Strom zu versorgen, führt zu erheblichen Investitionen in die Energieinfrastruktur. Amazon, als einer der größten Betreiber von Cloud-Diensten, benötigt massive Energiemengen für seine expandierenden Operationen in Nordindiana.
Die Vereinbarung zwischen NIPSCO und Amazon ist ein Beispiel für eine wachsende Tendenz. Große Technologieunternehmen arbeiten direkt mit Energieversorgern zusammen, um ihren Strombedarf zu decken. Dies sichert die Energieversorgung für zukünftiges Wachstum.
Interessanter Fakt
Amazon plant den Bau mehrerer Rechenzentren in Nordindiana, was den enormen Energiebedarf erklärt.
Finanzierung und Eigentumsstruktur
Amazon wird den Bau der neuen Batteriespeicheranlage sowie der Gaskraftwerke vollständig finanzieren. Dies geschieht über einen sogenannten „Sondervertrag“. Zusätzlich übernimmt Amazon die Kosten für den Bau jeglicher neuer Übertragungsinfrastruktur, die NIPSCO benötigt, um die Rechenzentren zu versorgen.
Diese Zahlungen erfolgen an eine neu gegründete Tochtergesellschaft von NIPSCO, die NIPSCO Generation, LLC (GenCo). GenCo wird der Eigentümer der Anlagen sein und die alleinige Verantwortung für Zeitplan und Einsatz im Midcontinent Independent System Operator (MISO) Energiemarkt tragen.
„Wir waren bereit, diese finanziellen Verpflichtungen einzugehen, um Amazon schneller bedienen zu können“, erklärte Vincent Parisi, Chief Operating Officer von NIPSCO, zur Struktur der Vereinbarung.
In einem separaten Stromabnahmevertrag (PPA) wird NIPSCO dann den benötigten Strom von GenCo kaufen, um Amazons Rechenzentren zu versorgen. Diese komplexe Struktur ermöglicht es NIPSCO, die regulatorischen Hürden zu umgehen, die normalerweise vor dem Kauf von Anlagenausrüstung und dem Abschluss von Drittverträgen bestehen würden.
Details zu den neuen Energieanlagen
Die geplante Batteriespeicheranlage (BESS) wird auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Mitchell Generating Station in Gary, Indiana, errichtet. Dieses Kraftwerk wurde 2013 stillgelegt und anschließend abgerissen. Die BESS wird eine Kapazität von 1,6 GWh haben.
NIPSCO plant außerdem den Bau von zwei Gaskraftwerken mit jeweils 1,3 GW Leistung. Diese sollen später in Gas- und Dampfturbinen (GuD-Anlagen) umgewandelt werden. Die genauen Standorte dieser Anlagen wurden in den Einreichungen nicht offengelegt.
Hintergrundinformation
Die Indiana Utility Regulatory Commission (IURC) ist die staatliche Behörde, die für die Regulierung der Versorgungsunternehmen in Indiana zuständig ist. Ihre Genehmigung ist für solche Projekte entscheidend.
GenCo hat bereits die Ausrüstung für das BESS-Projekt gesichert und einen EPC-Vertrag (Engineering, Procurement, and Construction) für die Entwicklung abgeschlossen. Die Fertigstellung der Batteriespeicheranlage wird bis zum 1. Januar 2027 erwartet.
Amazons Energiebedarf und Zeitplan
Amazons Strombedarf von NIPSCO wird voraussichtlich im Jahr 2032 seinen Höhepunkt erreichen. Dann wird eine Spitzenlast von 2,4 GW erwartet. Dies unterstreicht die langfristige Planung und den Umfang der Investitionen.
Die schnelle Umsetzung des Projekts war ein wichtiger Faktor für NIPSCO. Normalerweise muss ein reguliertes Versorgungsunternehmen die Genehmigung der Aufsichtsbehörde einholen, bevor es Projektgeräte kauft und Verträge mit Dritten abschließt. Die GenCo-Struktur erlaubt es, diesen Prozess zu beschleunigen.
Kritik und Umweltauswirkungen
Die Gründung von GenCo wurde von Umweltschützern kritisiert. Sie sehen darin einen Verstoß gegen den Wettbewerb und eine Untergrabung des Regulierungsprozesses. Die Befürworter sauberer Energien äußerten Bedenken, dass die Struktur intransparent ist.
Obwohl die Vereinbarung den NIPSCO-Kunden über die nächsten 15 Jahre angeblich bis zu 1 Milliarde US-Dollar einsparen soll, werfen die massiven Investitionen in fossile Brennstoffe Fragen auf. NiSource, die Muttergesellschaft von NIPSCO, hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 Netto-Null-Emissionen (Scope 1 und 2) zu erreichen.
- Kritikpunkt 1: Anti-wettbewerbliches Verhalten durch die GenCo-Struktur.
- Kritikpunkt 2: Untergrabung des regulären Genehmigungsprozesses.
- Kritikpunkt 3: Konflikt mit den Netto-Null-Emissionszielen von NiSource bis 2040.
Die Umsetzung dieser Ziele wird mit den neuen Gaskraftwerken schwierig sein. Es müsste stark auf noch relativ unerprobte CO2-Abscheidungstechnologien gesetzt werden, um die Emissionen zu kompensieren. Die Debatte um die Balance zwischen Wirtschaftswachstum, Energieversorgungssicherheit und Klimaschutz bleibt aktuell.





