Neuseelands Stromversorgung könnte bis 2031 unter die Mindestsicherheitsstandards fallen. Dies geht aus einem Entwurf der „Security of Supply Assessment (SOSA) 2026“ von Transpower hervor. Der Bericht zeigt, dass selbst bei fristgerechter Umsetzung aller geplanten und genehmigten Projekte eine Versorgungslücke entstehen könnte. Dies ist ein dringender Appell an die Branche, das Tempo bei neuen Investitionen zu erhöhen.
Wichtige Erkenntnisse
- Neuseeland könnte bis 2031 eine Stromlücke von 698 GWh erreichen.
- Ein Rückgang der Gasversorgung beschleunigt das Problem, mit Engpässen schon ab 2030.
- Trotz vieler neuer Projekte besteht ein erhebliches Lieferrisiko.
- Batteriespeicher spielen eine immer größere Rolle bei der Stabilisierung.
- Langfristige Versorgungssicherheit erfordert die Umsetzung aller geplanten Projekte ohne Verzögerung.
Drohende Engpässe trotz Investitionswelle
Die aktuelle Bewertung von Transpower, dem neuseeländischen Übertragungsnetzbetreiber, zeichnet ein besorgniserregendes Bild für die zukünftige Stromversorgung des Landes. Obwohl eine Rekordzahl an neuen Stromerzeugungs- und Batteriespeicherprojekten in der Pipeline ist, wird erwartet, dass die National Winter Energy Margin (NZ-WEM) bis 2031 unter den unteren Sicherheitsstandard fällt. Dies würde ein Defizit von 698 GWh bedeuten.
James Kilty, CEO von Transpower, betont die Notwendigkeit, das Tempo der Investitionen zu beschleunigen. Er warnt vor den Risiken einer verzögerten Umsetzung von Projekten, insbesondere angesichts der steigenden Nachfrage und potenzieller Engpässe bei der Gasversorgung oder dem Ausfall älterer Anlagen.
„Das Lieferrisiko ist ein zentrales Thema, das mittelfristig gemanagt werden muss. Die Versorgungssicherheitsprobleme tauchen Anfang der 2030er Jahre wieder auf, selbst wenn die bestehenden Projekte, die voraussichtlich umgesetzt werden, termingerecht geliefert werden“, so James Kilty.
Gasversorgung: Ein kritischer Faktor
Ein wesentlicher Treiber der drohenden Engpässe ist der Rückgang der Erdgasverfügbarkeit. Im „Expected Future“-Szenario von Transpower, das eine geringere Gasversorgungsprognose berücksichtigt, könnten die Engpässe bereits 2030 beginnen. Hier wird ein Defizit von 734 GWh prognostiziert, das bis 2031 auf 1.903 GWh ansteigen könnte.
Faktencheck
- 2031: Erwarteter Rückgang der NZ-WEM unter Mindeststandard.
- 698 GWh: Geschätztes Defizit an Strom.
- 2030: Frühester Beginn der Engpässe bei geringerer Gasversorgung.
- 1.903 GWh: Defizit im „Expected Future“-Szenario bis 2031.
Die Regierung arbeitet an Initiativen zur Entwicklung von LNG-Importkapazitäten, um die Gasverfügbarkeit zu verbessern. Diese Maßnahmen werden jedoch voraussichtlich erst gegen Ende des kurzfristigen Horizonts, also bis Winter 2028, wirksam. Ihr Einfluss auf die unmittelbare Situation ist daher begrenzt.
Die Rolle von Batteriespeichersystemen
Batteriespeichersysteme (BESS) gewinnen zunehmend an Bedeutung. Genesis Energy hat kürzlich das kostengünstigste netzgebundene Batteriespeicherprojekt in Neuseeland genehmigt. Auch Contact Energy plant eine Investition von 316 Millionen US-Dollar in erneuerbare Energien und Speichererweiterungen. Diese Projekte sind entscheidend, um die Netzstabilität zu gewährleisten und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Hintergrund: Aktueller Stand
Für den Zeitraum 2026-2028 liegt das Stromsystem über den Mindestsicherheitsstandards. Diese Lage ist jedoch fragil. Verzögerungen bei Projekten, geringere Unterstützung durch thermische Erzeugung, schnelleres Nachfragewachstum oder schwächere Wind- und Solarerträge könnten die Margen unter akzeptable Werte drücken.
Neuseeland geht mit überdurchschnittlichen Speicherständen in den Wasserkraftwerken in den Winter 2026. Dies bietet einen Puffer gegen unmittelbare Risiken, aber die langfristigen Herausforderungen bleiben bestehen.
Herausforderungen in der Kurz- und Mittelfrist
Kurzfristig (2026-2028) muss sich die Branche auf die pünktliche Lieferung neuer Projekte konzentrieren. Auch die Verfügbarkeit von thermischen Brennstoffen und flexiblen Erzeugungsanlagen, wie den drei Rankine-Einheiten in Huntly, ist entscheidend.
Mittelfristig (2029-2031) sind zusätzliche, genehmigungsreife Projekte erforderlich. Es braucht eine ausgewogene und vielfältige Pipeline von baufertigen Erzeugungskapazitäten, die weniger anfällig für wetterbedingte Risiken sind. Die südliche Insel (South Island Winter Energy Margin, SI-WEM) könnte bis 2031 unter den unteren Sicherheitsstandard von 25,5 % fallen, was ein Defizit von 942 GWh bedeutet, wenn die Gasverfügbarkeit weiterhin sinkt.
Langfristige Perspektiven und Risiken
Langfristig (2032-2035) können die Margen über den oberen Sicherheitsstandards bleiben. Dies setzt jedoch voraus, dass alle bestehenden, zugesagten, genehmigten und geplanten Projekte ohne erhebliche Verzögerungen umgesetzt werden. Ein starkes Nachfragewachstum in den nächsten zehn Jahren, angetrieben durch industrielle Elektrifizierung und den Bau von Rechenzentren, könnte selbst bei vollständiger Umsetzung aller Projekte bis 2035 zu Engpässen führen.
- Industrielle Elektrifizierung: Steigert den Strombedarf.
- Rechenzentren: Hoher Energieverbrauch, neue Belastung für das Netz.
- Projektpipeline: Weniger neue Projekte als im Vorjahr, da nur Projekte mit mindestens 75 %iger Wahrscheinlichkeit berücksichtigt wurden.
Transpower hat in der diesjährigen Bewertung eine „sehr geringe Gasversorgung“-Sensitivität eingeführt. Damit wird die Widerstandsfähigkeit des Systems gegenüber stärkeren Rückgängen getestet. Die Berücksichtigung von LNG-Importen als Sensitivität zeigt eine Verbesserung der Gasverfügbarkeit, aber erst gegen Ende des kurzfristigen Horizonts.
„Die letztjährige Bewertung identifizierte aufkommende Risiken für die Stromversorgung in diesem Winter, hauptsächlich aufgrund des schneller als erwarteten Rückgangs der Erdgasverfügbarkeit in den letzten Jahren“, so Kilty. „Der Entwurf der Bewertung, zu dem wir jetzt konsultieren, zeigt, dass der Sektor einen bedeutsamen Schritt zur Minderung dieser Risiken unternommen hat, indem neue Erzeugungs- und Batteriespeichersysteme in Betrieb genommen und Anstrengungen zur Sicherung zusätzlicher Gasversorgung unternommen wurden.“
Transpower bittet um Rückmeldungen zum Entwurf des SOSA 2026. Die endgültige Bewertung soll bis zum 30. Juni 2026 veröffentlicht werden.





