Der britische Markt für Batteriespeichersysteme (BESS) wird zunehmend komplexer. Um trotz Sättigung profitabel zu bleiben, müssen Betreiber auf ausgefeiltere Handelsstrategien setzen. Dies ist eine zentrale Erkenntnis, die Sonia Grunenwald, Forscherin bei BloombergNEF, auf dem Renewables Procurement & Revenue Summit in London präsentierte.
Wichtige Erkenntnisse
- Der britische BESS-Markt erfordert komplexere Handelsstrategien.
- NESO hat 153 GW an Speicherprojekten aus der Warteschlange gestrichen.
- Die Installationskosten für BESS sind um 31% gesunken.
- Trotz des Rückgangs der Warteschlangen übersteigt der Bedarf die Prognosen.
- Batterien können sich nicht mehr auf einfache Lade-/Entladezyklen verlassen.
Marktdynamik erfordert Anpassung
Die britische Landschaft für Batteriespeichersysteme hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Neue Kapazitäten wurden kontinuierlich hinzugefügt, was den Markt stark verändert. Laut Grunenwald ist es für Entwickler entscheidend, ihre Ansätze anzupassen, um weiterhin wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Ein wesentlicher Faktor ist die Umstellung von NESO (National Grid Electricity System Operator) von einem „Wer zuerst kommt, wird zuerst angeschlossen“-System auf ein „Wer zuerst bereit ist, wird zuerst angeschlossen“-System. Diese Änderung hat spekulative Anträge für Netzanschlüsse stark reduziert und somit Kapazitäten in der Warteschlange freigegeben.
„Das hat die Netzanschlüsse wirklich verstopft“, erklärte Grunenwald. „NESO begann, die Warteschlangen zu bereinigen, und 153 GW an Speicherkapazität wurden aus der bestehenden 240 GW-Warteschlange gestrichen; das ist enorm.“
Diese Bereinigung ist ein wichtiger Schritt zur Effizienzsteigerung. Sie zeigt jedoch auch, wie überlastet das System zuvor war und wie viele Projekte in der Warteschlange feststeckten, ohne Einnahmen zu generieren.
Faktencheck
- 153 GW: Die Menge an Speicherkapazität, die NESO aus der Netzanschluss-Warteschlange gestrichen hat.
- 31%: Der jährliche Rückgang der schlüsselfertigen BESS-Kosten.
- 14.000 MWh: Die im ersten Halbjahr 2024 installierte Batteriespeicherkapazität im UK, mehr als im gesamten Jahr 2025 erwartet.
Globale Herausforderungen und lokale Lösungen
Verzögerungen bei der Inbetriebnahme sind ein globales Problem. Grunenwald hob hervor, dass dies besonders in Europa, in Ländern wie Deutschland, Italien und dem Vereinigten Königreich, stark ausgeprägt ist. Große Teile der Netzanschluss-Warteschlangen bestehen aus Speicherprojekten.
Diese Verzögerungen wirken sich direkt auf die Projektmargen aus, da die Projekte ungenutzt bleiben, bis sie angeschlossen werden können. Es entstehen Kosten ohne entsprechende Einnahmen. Die Reduzierung dieser Verzögerungen, zusammen mit sinkenden Kosten für BESS, schafft Anreize für Entwickler, Batterien im Vereinigten Königreich einzusetzen.
Hintergrundinformationen
Der Renewables Procurement & Revenue Summit, veranstaltet von Solar Media, bringt Branchenexperten zusammen, um über PPA-Design, den Umgang mit hohen Energiepreisen und weitere relevante Themen zu diskutieren. Solche Veranstaltungen sind entscheidend für den Austausch von Wissen und die Entwicklung neuer Strategien in einer sich schnell wandelnden Energielandschaft.
Trotz der positiven Entwicklungen bleibt eine Herausforderung: Der verbleibende Rückstand in der Anschluss-Warteschlange übersteigt immer noch das Gesamtvolumen an Batterien, die BloombergNEF in den nächsten zehn Jahren erwartet. Es gibt immer noch etwa 90 GW, die bis 2035 priorisiert werden sollen, was über den Erwartungen für diesen Zeitraum liegt.
Komplexere Handelsstrategien sind unverzichtbar
Die Batterien, die tatsächlich in Betrieb gehen, müssen sich mit komplexen Marktdynamiken auseinandersetzen. Ein einfacher Ansatz, bei dem man zu den zwei niedrigsten Stunden lädt und zu den zwei höchsten Stunden entlädt, ist nicht mehr profitabel. Grunenwald betonte, dass dies im Vereinigten Königreich nicht funktioniert, auch wenn der Einsatz von Batterien weiterhin wirtschaftlich sinnvoll ist.
Hier kommen komplexere Handels- und Aggregationsstrategien ins Spiel. Entwickler müssen mehrere Batterien zu einem Portfolio zusammenfassen und sowohl auf dem Day-Ahead- als auch auf dem Intraday-Markt handeln. Ziel ist es, den Einsatz über die Zeit zu optimieren, die Anzahl der Zyklen zu reduzieren und letztendlich den Umsatz über das gesamte Portfolio zu maximieren.
Die Zahlen von Solar Media Market Research zeigen einen klaren Trend: Die neu hinzugefügte Kapazität von Batteriespeichersystemen im Versorgungsmaßstab im Vereinigten Königreich hat seit 2017 jedes Jahr zugenommen. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden mehr als 14.000 MWh neue Batterien installiert, was mehr ist als im gesamten Jahr 2025 erwartet wird.
Optimierung des Energieeinsatzes
Die Notwendigkeit, den Einsatz von Energiespeichersystemen zu optimieren, wird immer dringlicher. Dies bedeutet, dass Betreiber nicht nur auf Preisschwankungen reagieren, sondern auch vorausschauende Analysen und intelligente Algorithmen nutzen müssen, um die maximale Rentabilität zu erzielen.
Die Integration von Batteriespeichern in das Stromnetz ist ein Schlüsselfaktor für die Energiewende. Sie helfen, die Volatilität erneuerbarer Energien auszugleichen und die Netzstabilität zu gewährleisten. Die Entwicklung effektiver Handelsstrategien ist daher nicht nur für die Profitabilität der Projekte, sondern auch für die gesamte Energieinfrastruktur von großer Bedeutung.
Ausblick auf den britischen Energiemarkt
Der britische Energiemarkt bleibt dynamisch und herausfordernd. Während die Kosten für Batteriespeicher sinken und die Warteschlangen bereinigt werden, steigt der Wettbewerb. Dies erfordert von allen Akteuren eine ständige Anpassung und Innovation.
Die Fähigkeit, verschiedene Einnahmequellen zu kombinieren und flexible Handelsstrategien zu implementieren, wird über den Erfolg von Batteriespeicherprojekten entscheiden. Der Fokus liegt nun auf der Effizienzsteigerung und der intelligenten Nutzung der vorhandenen und zukünftigen Speicherkapazitäten.
Die Diskussionen auf dem Renewables Procurement & Revenue Summit unterstreichen die Bedeutung dieser Entwicklungen. Es ist klar, dass der Markt reifer wird und komplexere Lösungen für die Herausforderungen der Energiewende benötigt werden.





