Die südostasiatische Staatengemeinschaft (ASEAN) steht vor einer entscheidenden Phase ihrer Energiewende. Ein neuer Bericht der Future Energy Storage & System Integration Alliance (FESSIA) zeigt auf, dass Energiespeichersysteme (BESS) das fehlende Glied sind, um die wachsende Nachfrage nach Strom und den Ausbau erneuerbarer Energien zuverlässig zu integrieren. Obwohl die Technologie bereit ist, bremsen fehlende politische und regulatorische Rahmenbedingungen die breite Einführung.
Wichtige Erkenntnisse
- ASEAN-Länder benötigen angepasste Politik- und Marktstrukturen für Energiespeicher.
- BESS-Kosten sind seit 2013 um fast 90% gesunken, doch die Einführung in ASEAN hinkt hinterher.
- Philippinen und Vietnam sind Vorreiter bei der Integration von BESS durch angepasste Rahmenbedingungen.
- Die Fähigkeit, verschiedene Einnahmequellen (Revenue Stacking) zu kombinieren, ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit.
- Bis 2030 könnten in den Philippinen jährliche Einnahmen von 2,25 Milliarden US-Dollar durch BESS erzielt werden.
Regulatorische Hürden bremsen Potenzial
Die FESSIA, eine im letzten Jahr gegründete gemeinnützige Industrieallianz, hat in Zusammenarbeit mit DNV ihren ersten Bericht mit dem Titel „Unlocking the role of battery energy storage systems (BESS) in ASEAN electricity markets“ veröffentlicht. Der Bericht betont, dass die Technologie von Batteriespeichersystemen (BESS) die „fehlende Verbindung“ in der Energiewende der ASEAN-Region darstellt. Trotz eines globalen Trends mit einem Kostenrückgang von fast 90% für BESS seit 2013 und einem massiven Ausbau von Solar- und Windenergie, sind in den ASEAN-Ländern bisher nur etwa 1,4 GW BESS in Betrieb. Dies zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen technologischem Fortschritt und regionaler Implementierung.
Das Hauptproblem liegt laut FESSIA nicht in der technologischen Reife, sondern in der Fähigkeit der regulatorischen Rahmenbedingungen, mit den Markt- und Technologieentwicklungen Schritt zu halten. BESS passen aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaften, wie extrem schnelle Reaktionszeiten und die Möglichkeit, Einnahmen aus verschiedenen Anwendungsfällen zu erzielen, nicht einfach in bestehende regulatorische Kategorien.
Faktencheck: BESS in ASEAN
- Kostenrückgang: Fast 90% seit 2013 weltweit.
- Installierte Kapazität in ASEAN: Nur ca. 1,4 GW.
- Haupthemmnis: Fehlende oder veraltete regulatorische Rahmenbedingungen.
Philippinen und Vietnam als Vorreiter
Innerhalb der ASEAN-Region stechen die Philippinen und Vietnam als Vorreiter hervor. Dort ermöglichen bereits entwickelte Marktstrukturen und politische Unterstützung erste Investitionen in BESS. Auf den Philippinen hat der Großhandelsstrommarkt in Kombination mit staatlicher Politik die ersten BESS-Investitionen gefördert. Ein Entwurf für einen Regulierungsrahmen durchläuft derzeit die gesetzgebenden Kammern.
In Vietnam stellt ein kürzlich erlassenes Regierungsdekret, das BESS-Anwendungen und Preismechanismen definiert, einen wichtigen ersten Schritt zur Erschließung des Marktes dar. Doch auch in diesen Ländern gibt es noch Lücken und Unsicherheiten in der Regulierung, die eine vollständige Nutzung der BESS-Ressourcen verhindern.
„Der Wert der Flexibilität im Stromsystem, den BESS bieten kann, muss zum Mittelpunkt der Stromsystemplanung, des Betriebs und der Marktgestaltung werden.“
Wirtschaftliches Potenzial der Vorreiter
DNV hat das wirtschaftliche Potenzial von BESS in diesen Ländern untersucht. Auf den Philippinen könnten gekoppelte Solar- und BESS-Anlagen bis 2030 jährliche Einnahmen von 2,25 Milliarden US-Dollar generieren. Eine Verankerung von BESS als Eckpfeiler des philippinischen Zusatzdienstleistungsmarktes könnte die Systemkosten um bis zu 275 Millionen US-Dollar jährlich senken.
Was ist "Ancillary Services"?
Ancillary Services, oder Zusatzdienstleistungen, sind essenziell für die Stabilität und Zuverlässigkeit des Stromnetzes. Dazu gehören Frequenzregelung, Spannungshaltung und Schwarzstartfähigkeit. BESS kann diese Dienste dank seiner schnellen Reaktionsfähigkeit effizient bereitstellen und somit die Netzstabilität erhöhen.
In Vietnam könnten dieses Jahr über 750 Millionen US-Dollar in Batteriespeicher investiert werden, basierend auf den Geschäftsmöglichkeiten in verschiedenen Anwendungsfällen. Diese Zahl könnte bis 2030 auf 5,7 Milliarden US-Dollar ansteigen. Diese Zahlen unterstreichen das immense, noch ungenutzte Potenzial, das BESS für die Region bereithält.
Die Bedeutung von "Revenue Stacking"
Der FESSIA-Bericht betont, dass das sogenannte „Revenue Stacking“, also die Kombination von Einnahmen aus verschiedenen Anwendungsfällen, entscheidend ist, um den vollen wirtschaftlichen und systemischen Wert von Speichern zu erschließen. In reifen Märkten hat sich gezeigt, dass Revenue Stacking die Projektwirtschaftlichkeit stärkt, die Investitionssicherheit verbessert und die Anfälligkeit für Marktvolatilität und regulatorische Änderungen reduziert.
Ein Beispiel hierfür ist die Situation auf den Philippinen: Obwohl Zusatzdienstleistungen profitabel sind, fehlt die Möglichkeit, diese Einnahmen mit der Energiespeicherung zu kombinieren. Dies liegt daran, dass die aktuellen Vorschriften Batterien nicht als bidirektionale Assets zum Nutzen des Netzes anerkennen. Diese regulatorische Lücke verhindert, dass das volle Potenzial der Flexibilität von BESS ausgeschöpft wird.
Revenue Stacking Vorteile
- Stärkt die Projektwirtschaftlichkeit.
- Verbessert die Investitionssicherheit.
- Reduziert Marktvolatilität und regulatorische Risiken.
- Ermöglicht dynamische Reaktion auf Systembedürfnisse.
Empfehlungen für die Zukunft
Der Bericht bewertet die aktuellen Bedingungen in den einzelnen Märkten und identifiziert regulatorische Lücken. Er empfiehlt Verbesserungen des Regulierungsrahmens. Selbst für die regionalen Spitzenreiter wie die Philippinen und Vietnam liegen die aktuellen Marktbedingungen noch weit unter dem Optimalwert.
Dr. Matthew Rowe, Direktor für Stromnetze im Asien-Pazifik-Raum bei DNV Energy Systems, unterstreicht die Notwendigkeit einer Evolution der Strommärkte und Regulierungsrahmen in der ASEAN-Region. Nur so könne der Systemwert von BESS voll realisiert werden. Klare Betriebsregeln und Mechanismen, die die schnelle Reaktion und Flexibilität von BESS anerkennen, sind entscheidend.
Die Beschleunigung der Energiewende in der ASEAN-Region erfordert eine schnelle Anpassung der Rahmenbedingungen. Ohne diese Anpassungen wird die Integration erneuerbarer Energien und die Sicherstellung einer zuverlässigen Stromversorgung weiterhin eine Herausforderung bleiben, selbst wenn die Technologie verfügbar und kostengünstig ist.
Die FESSIA hat eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse des Berichts veröffentlicht. Der vollständige Bericht wird nach einer externen Prüfung bald verfügbar sein. Diese Erkenntnisse sind von großer Bedeutung für politische Entscheidungsträger, Investoren und Energieversorger in der gesamten Region.





