Die Sicherheit von Batteriespeichersystemen (BESS) rückt immer stärker in den Fokus. Neue, umfassende Brandschutztests sollen zukünftig sicherstellen, dass mögliche Brände auf einzelne Einheiten begrenzt bleiben. Diese sogenannten Large-Scale Fire Tests (LSFT) sind ein entscheidender Schritt, um die Risiken für große Energieprojekte zu minimieren und das Vertrauen in die Technologie zu stärken.
Wichtige Erkenntnisse
- LSFTs werden ab 2026 in NFPA 855 verbindlich.
- Die Tests simulieren Worst-Case-Szenarien, um die Brandausbreitung zu verhindern.
- Führende Hersteller wie Sungrow und Hithium haben bereits erfolgreiche LSFTs durchgeführt.
- Ziel ist es, Brandereignisse auf einzelne BESS-Einheiten zu beschränken.
Brandschutz: Ein Muss für Energiespeicher
Die Energiewende fordert immer größere Batteriespeichersysteme. Diese sind essenziell, um erneuerbare Energien effizient zu nutzen und die Netzstabilität zu gewährleisten. Doch mit der Größe der Anlagen wachsen auch die Sicherheitsanforderungen. Ein Brand in einem BESS kann gravierende Folgen haben, sowohl für die Betreiber als auch für die Umwelt. Daher haben sich sogenannte Large-Scale Fire Tests (LSFT) als Best Practice etabliert.
Diese Tests werden ab der Ausgabe 2026 der NFPA 855 verbindlich. Viele Aufsichtsbehörden in den USA verlangen NFPA 855 bereits heute. Auch international dient sie als wichtige Referenz und wird zunehmend von Versicherern und Finanzgebern angefragt. Der Fokus liegt darauf, im unwahrscheinlichen Fall eines Brandes die Ausbreitung auf eine einzelne Einheit zu beschränken.
Faktencheck: LSFT
- Was ist ein LSFT? Ein BESS-Gerät wird vollständig in Brand gesetzt, wobei alle Lösch- und Erkennungssysteme deaktiviert sind. Dies simuliert ein Worst-Case-Szenario.
- Ziel: Prüfen, ob sich das Feuer auf benachbarte Einheiten ausbreitet.
- Standard: Durchführung nach dem technischen Protokoll CSA TS-800:24 der CSA Group.
- Ergänzung zu: UL9540A, einem Test zur thermischen Durchgehensprüfung auf Zellebene.
Warum LSFTs so wichtig sind
UL9540A, ein Test für das thermische Durchgehen auf Zellebene, hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Doch seine Grenzen wurden sichtbar. Ein Brand kann auf Zellebene entstehen, sich aber auf Modulebene oder sogar auf das gesamte System ausbreiten. Hier setzen LSFTs an. Sie bewerten das Risiko der Brandausbreitung auf Systemebene, ähnlich wie UL9540A die Ausbreitung des thermischen Durchgehens von einer einzelnen Zelle bewertet.
Im Idealfall sollten Temperaturmanagement und Brandmelde- sowie Löschsysteme Brände vollständig verhindern oder auf ein einzelnes Modul begrenzen. Technologien wie die Tauchkühlung von Etica, die Aerosol-Technologie von StatX oder die Gasdetektionssysteme Li-Ion Tamer von Honeywell tragen dazu bei, die Brandereignisse nahezu auf Null zu reduzieren.
„Das ist die Geschichte der BESS-Brände und der Art von Verlustereignissen, die wir für den BESS-Markt in Zukunft erwarten.“
Lehren aus vergangenen Brandfällen
Die Einführung der LSFTs ist auch eine Reaktion auf frühere Vorfälle. Projekte wie Moss Landing oder Gateway in Kalifornien erlebten Brände, bei denen ganze BESS-Anlagen tagelang brannten. Mit LSFTs wollen Technologieanbieter zeigen, dass sich solche Szenarien nicht wiederholen.
Ein positives Beispiel ist der Vorfall beim Thurrock BESS-Projekt in Großbritannien. Dort geriet während der Bauphase eine einzelne Einheit in Brand. Durch sorgfältige Überwachung und eine kontrollierte Reaktion konnte das Feuer eingedämmt werden. Es bestand keine Gefahr für die umliegende Gemeinde. Die Feuerwehr erklärte den Standort innerhalb von 24 Stunden für sicher und übergab ihn an den Eigentümer Statera. Das Thurrock BESS ging in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 in den kommerziellen Betrieb.
Hintergrund: NFPA 855
NFPA 855 ist ein US-Standard für die Installation von stationären Energiespeichersystemen. Er enthält umfassende Anforderungen an Design, Installation und Betrieb, um die Brand- und Explosionsgefahr zu minimieren. Die Integration von LSFTs in NFPA 855 ab 2026 unterstreicht die wachsende Bedeutung dieser Tests für die globale Sicherheitsbewertung von BESS.
Pioniere der Sicherheit: Hersteller im Test
Viele führende BESS-Hersteller und Systemintegratoren haben bereits bemerkenswerte LSFTs durchgeführt. Diese Tests werden oft öffentlich kommuniziert und von unabhängigen Stellen überwacht.
Sungrow: Live-Test und Langzeitprüfung
Sungrow zeigte sich im Juni 2024 als Pionier. Das Unternehmen führte einen Live-Test seiner PowerTitan 1.0 BESS-Lösung durch, überwacht von DNV. Im April 2025 folgte der Test für PowerTitan 2.0. Hierbei wurde eine 25-stündige Brenndauer demonstriert, ohne dass sich das Feuer auf benachbarte Einheiten ausbreitete. Dies ist ein starkes Zeichen für die Wirksamkeit der Sicherheitsmaßnahmen.
Hithium: "Weltweit erster offener LSFT"
Hithium erreichte im Juni 2025 einen Meilenstein mit seinem LSFT. Das Unternehmen beanspruchte den "weltweit ersten offenen LSFT" für sich. Dieser 15-stündige vollständige Verbrennungstest bei 100% Ladezustand (SOC) wurde von UL Solutions durchgeführt und zeigte ebenfalls keine Ausbreitung.
Weitere wichtige Akteure
- Wärtsilä: Führte später im Jahr 2025 LSFTs für seine Produkte durch.
- Fluence: Testete sein Gridstack Pro 5000 System im Juni 2025 in den SAFE Labs in North Carolina. Der Test umfasste fünf Tage Explosions- und Brandtests unter Beobachtung der CSA Group.
- BYD und Canadian Solar: Auch diese Anbieter führten im Laufe des Jahres 2025 umfangreiche Tests durch.
Eine bemerkenswerte Ausnahme ist Tesla. Das Unternehmen hat bisher keine öffentlichen Ankündigungen zu einem LSFT für seine Megapack-Technologie gemacht. Ein Brand im von Tesla gelieferten Victorian Big Battery Projekt in Australien im Jahr 2022, während der Inbetriebnahme, führte dazu, dass ein 3MWh Megapack Feuer fing und auf eine benachbarte Einheit übergriff. Das Feuer breitete sich jedoch nicht weiter aus und brannte innerhalb von sechs Stunden aus, im Einklang mit den Herstellerangaben.
Die zunehmende Akzeptanz und die verpflichtende Einführung von LSFTs unterstreichen das Engagement der Industrie, die Sicherheit von Batteriespeichersystemen auf ein neues Niveau zu heben. Dies ist entscheidend für die weitere Skalierung und Integration dieser wichtigen Technologie in unsere Energieinfrastruktur.





