Mehrere neue Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) sind in Nordeuropa und Osteuropa in Planung oder bereits im Bau. Diese Projekte, die von internationalen Akteuren wie CATL, Merus Power, Rolls-Royce und Fluence vorangetrieben werden, sollen die Netzstabilität verbessern und die Integration erneuerbarer Energien in Ländern wie Polen und Lettland unterstützen. Die Entwicklungen sind eine direkte Reaktion auf den wachsenden Energiebedarf und die Notwendigkeit, unabhängiger von traditionellen Energiequellen zu werden.
Wichtige Erkenntnisse
- CATL und Merus Power kooperieren für 3 GWh Speicherkapazität in Nordeuropa.
- Rolls-Royce baut vier BESS-Anlagen mit 490 MWh in Lettland.
- Fluence liefert Speichersysteme für Projekte in Polen, darunter ein 133 MW/622 MWh-Projekt.
- Polen sichert Finanzierung für großes BESS-Projekt in Trzebinia.
- Die Projekte tragen zur Netzstabilität und Integration erneuerbarer Energien bei.
Strategische Partnerschaft in Nordeuropa: CATL und Merus Power
Der chinesische Batteriegigant CATL und das finnische Energieunternehmen Merus Power haben eine wichtige strategische Zusammenarbeit für die Lieferung von etwa 3 Gigawattstunden (GWh) an Batterie-Energiespeichersystemen (BESS) für Nordeuropa bekannt gegeben. Diese Partnerschaft zielt darauf ab, die Energiespeicherinfrastruktur in der Region massiv auszubauen. Merus Power hat bereits 500 Megawattstunden (MWh) an CATL-Technologie in Nordeuropa eingesetzt, hauptsächlich in Finnland.
Die Zusammenarbeit umfasst voraussichtlich die Lieferung kompletter BESS-Einheiten von CATL an Merus Power. Merus Power übernimmt dann die EPC-Leistungen (Engineering, Procurement, Construction), die Systemintegration sowie den Betrieb und die Wartung (O&M). Ein wichtiger Aspekt ist die Entwicklung eigener Wechselrichter durch Merus Power, was angesichts des EU-Verbots chinesischer Wechselrichter für EU-geförderte Projekte von Bedeutung ist.
"Die führende Batterietechnologie von CATL und ihre Erfahrung in anspruchsvollen Energiespeicheranwendungen verbinden sich mit der starken lokalen Systemexpertise, der Netzwechselrichtertechnologie und den Lieferfähigkeiten von Merus Power", sagte Hank Zhao, Geschäftsführer Westeuropa bei CATL.
Faktencheck
- Nordeuropa umfasst Island, Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland sowie das Vereinigte Königreich, Irland und die baltischen Staaten (Lettland, Litauen, Estland).
- Merus Power hat bereits 500 MWh CATL-Technologie in der Region implementiert.
- Das EU-Verbot für chinesische Wechselrichter bei geförderten Projekten beeinflusst die Lieferketten.
Lettland investiert in Energiespeicherung mit Rolls-Royce
In Lettland hat der Systemintegrator Rolls-Royce Verträge mit dem Erneuerbare-Energien-Betreiber Sunly unterzeichnet. Es geht um den Bau von vier BESS-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 490 MWh. Rolls-Royce wird für diese Projekte seine mtu EnergyPack-Lösungen liefern. Die erste Anlage wird am bestehenden Valmiera-Solarprojekt von Sunly errichtet und soll im zweiten Quartal 2027 in Betrieb gehen.
Rolls-Royce setzt bei seinen BESS-Lösungen oft auf Lithium-Ionen-OEMs, darunter auch CATL, gibt die spezifischen Lieferanten für einzelne Projekte jedoch selten bekannt. Der Speichermarkt in den baltischen Staaten, einschließlich Lettland, wird durch hohe Preise für Regelleistungen angetrieben. Dies gilt besonders seit der Abkopplung der drei Länder vom russischen BRELL-Netz im Jahr 2025. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit lokaler und stabiler Energielösungen.
Hintergrund
Die baltischen Staaten waren historisch eng mit dem russischen Stromnetz verbunden. Die geplante Abkopplung vom BRELL-Netz (Belarus, Russland, Estland, Lettland, Litauen) erfordert den Aufbau einer robusten und unabhängigen Energieinfrastruktur, um die Netzstabilität zu gewährleisten und die Integration europäischer Netze zu ermöglichen.
Polen als Wachstumsmotor für Fluence-Speicherlösungen
Polen entwickelt sich zu einem wichtigen Markt für Energiespeicherlösungen. Der Entwickler und EPC-Dienstleister OX2 hat den Systemintegrator Fluence für sein 50 MW/120 MWh BESS-Projekt in Polen beauftragt. Der Baubeginn wurde bereits letzte Woche bekannt gegeben. Wie die meisten großen Projekte in Polen verfügt auch dieses über einen 17-jährigen Kapazitätsmarktvertrag (CM), der 2022 ersteigert wurde und die Lieferung ab 2027 vorsieht.
Das Projekt wird Fluence's Smartstack nutzen, ein AC-Blockprodukt, das Fluence im Februar letzten Jahres auf den Markt brachte. Polen erweist sich als fruchtbarer Boden für dieses neue Produkt. Fluence hat auch einen Vertrag mit dem ukrainischen Unternehmen DTEK für dessen Projekt in Polen erhalten. Konkret hat DTEK Renewables International (DRI) ein Finanzierungspaket in Höhe von 470 Millionen PLN (etwa 111 Millionen Euro) für das 133 MW/622 MWh Trzebinia BESS in Polen gesichert, das ebenfalls von Fluence beliefert wird. Auch dieses Projekt hat einen CM-Vertrag, der 2027 beginnt.
Finanzierung gesichert
- Das Finanzierungspaket für das Trzebinia-Projekt wurde von Erste Bank Polska, PKO Bank Polski und UniCredit bereitgestellt.
- Es beinhaltet eine langfristige Kreditfazilität, die durch eine Garantie der polnischen Exportkreditagentur KUKE S.A. im Namen des polnischen Finanzministeriums im Rahmen des ITE-Programms (Energy Transformation Investment) abgesichert ist.
Murat Cinar, CEO von DRI, betonte: "Diese Transaktion ist eine starke Bestätigung der Fähigkeit von DRI, komplexe, bankfähige Projekte zu strukturieren und führende internationale und nationale Finanzinstitute sowie öffentliche Garantiesysteme anzuziehen."
Zukunft der Energiespeicherung in Zentral- und Osteuropa
Die Projekte in Polen und Lettland sind Teil eines breiteren Trends in Zentral- und Osteuropa, die Energiespeicherkapazitäten auszubauen. Diese Regionen sehen sich mit dem doppelten Druck konfrontiert, ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und gleichzeitig die Stabilität ihrer Stromnetze zu gewährleisten, insbesondere angesichts der zunehmenden Integration von volatilen erneuerbaren Energiequellen wie Wind- und Solarkraft.
Die Investitionen in BESS-Technologien sind entscheidend, um Schwankungen in der Stromerzeugung auszugleichen und eine zuverlässige Energieversorgung sicherzustellen. Diese Entwicklung wird auch durch politische Maßnahmen und Förderprogramme in den jeweiligen Ländern unterstützt, die den Übergang zu einer nachhaltigeren Energiezukunft vorantreiben sollen.
Die zunehmende Anzahl von Projekten und die Beteiligung großer internationaler Akteure signalisieren ein starkes Vertrauen in das Wachstumspotenzial des Energiespeichermarktes in dieser Region. Experten erwarten, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird, da Länder ihre Energieinfrastruktur modernisieren und dekarbonisieren.





