Europa erlebt eine beispiellose Expansion im Bereich der Batteriespeichersysteme (BESS). Mehrere Länder treiben den Ausbau massiv voran, um die Integration erneuerbarer Energien zu verbessern und die Netzstabilität zu gewährleisten. Ungarn hat kürzlich sein größtes BESS in Betrieb genommen, während in den Niederlanden, Belgien, Spanien, Italien und Frankreich neue Projekte entstehen.
Wichtige Erkenntnisse
- Ungarn nimmt das größte BESS des Landes in Betrieb (99,8 MW/288,6 MWh).
- Niederlande, Belgien, Spanien, Italien und Frankreich erweitern ihre Speicherkapazitäten.
- Regierungen und Betreiber setzen auf langfristige Verträge und Subventionen.
- BYD und Fluence sind führende Anbieter von Speichersystemen.
- Die Integration erneuerbarer Energien profitiert stark vom Ausbau.
Ungarn führt mit neuem Großspeicher
In Buj, im Nordosten Ungarns, hat IPP Greenvolt ein Batteriespeichersystem (BESS) mit einer Kapazität von 99,8 MW/288,6 MWh in Betrieb genommen. Dieses Projekt ist nun das größte seiner Art im Land und übertrifft ein früheres Projekt von Met Group aus dem Jahr 2025 mit 40 MW/80 MWh. Der neue Speicher soll helfen, das Stromnetz zu stabilisieren, da immer mehr erneuerbare Energiequellen ans Netz gehen.
Greenvolt sicherte sich für das Buj-Projekt im Januar dieses Jahres eine Finanzierung. Ein zehnjähriger Vertrag mit der Regierung unter einem Cap-and-Floor-Subventionsschema sorgt für Einnahmesicherheit. Die BESS-Einheiten für das Projekt wurden von BYD geliefert, einem Hersteller, den Greenvolt auch für seine polnischen Projekte genutzt hat.
Faktencheck: Ungarns Energiespeicher
- Kapazität: 99,8 MW / 288,6 MWh
- Standort: Buj, Nordost-Ungarn
- Betreiber: IPP Greenvolt
- Vertrag: 10 Jahre mit staatlicher Subvention
Fortschritte in den Niederlanden und Belgien
Auch in anderen Teilen Europas schreitet der Ausbau voran. In Dordrecht, Niederlande, hat Dispatch sein 45 MW/90 MWh Projekt Amethyst fertiggestellt. Die vollständige kommerzielle Betriebsaufnahme steht kurz bevor. Partner bei diesem Projekt sind der Netzbetreiber Stedin und das EPC-Unternehmen Equans. Fluence lieferte die BESS-Systeme, während Eneco die Optimierung des Projekts übernehmen wird, dessen Bau Ende 2024 begann.
In Belgien startete Aukera kürzlich den Bau des 70 MW/340 MWh Projekts Volt BESS in La Louvière. Centrica Energy, der Energiehandels- und Logistikarm der britischen Centrica Group, wird das Projekt optimieren. Eine teilweise Festpreisstruktur soll Aukera langfristige Einnahmesicherheit bieten. Centrica optimiert zudem ein weiteres großes belgisches Projekt für Renner und betreibt eigene Projekte in Belgien und Schweden.
„Die zunehmende Notwendigkeit, erneuerbare Energien zu integrieren, treibt die Investitionen in Batteriespeicher in ganz Europa voran. Regierungen erkennen die Bedeutung von Speichersystemen für die Netzstabilität.“
Spanien und Italien bauen Kapazitäten aus
Spanien, ein Land mit hoher Solarenergie-Durchdringung, benötigt dringend mehr Speicherkapazitäten. Das globale Energie- und KI-Rechenzentrumsinfrastrukturunternehmen EdgeMode, Inc. hat eine nicht-bindende Vereinbarung zur Übernahme von 51 % des Entwicklers Ibersun Generación getroffen. Ziel ist der Aufbau einer großflächigen BESS-Plattform in Spanien.
Diese Akquisition soll 52 MW netzgekoppelter BESS-Projekte in die kurzfristige Entwicklungspipeline von EdgeMode integrieren, die bis Ende 2026 baureif sein sollen. Eine weitere Pipeline von 1,9 GW an strategisch gesicherten Grundstücken, nahe lokaler Umspannwerke, ist ebenfalls Teil des Plans. Insgesamt umfasst die Pipeline 2,9 GWh Kapazität, wobei die ersten Projekte innerhalb der nächsten 18 Monate online gehen sollen.
Italien, lange Zeit als einer der vielversprechendsten Energiespeichermärkte Europas betrachtet, hat nach Abschluss seiner ersten MACSE-Auktion im September an Fahrt gewonnen. Der Entwickler FRV plant, insgesamt 2,9 GW/11 GWh an BESS-Kapazitäten in Italien zu entwickeln. Diese Projekte sollen zwischen 2026 und 2029 baureif sein und sind landesweit verteilt.
Hintergrund: MACSE-Auktion in Italien
Das relativ neue MACSE-Schema (Market for Ancillary Services for Energy Storage) bietet langfristige Einnahmen für BESS-Anlagen. Im Gegenzug stellen diese ihre Ausgleichskapazität in einem speziellen Markt für Solarlastverschiebung zur Verfügung, der vom Übertragungsnetzbetreiber Terna betrieben wird. Dies schafft Anreize für Investitionen in Speichersysteme.
Frankreich verstärkt Investitionen
Auch in Frankreich nimmt die Aktivität im Bereich Energiespeicherung zu. Der französische BESS-Eigentümer, -Betreiber und -Optimierer Eclipse hat eine Serie-A-Finanzierungsrunde über 20 Millionen Euro (23 Millionen US-Dollar) abgeschlossen. Die Runde wurde gemeinsam von BNP Paribas und Noria sowie bestehenden Investoren geleitet.
Eclipse wird die Mittel nutzen, um seine Optimierungs- und Handelsplattform Flowstream zu skalieren, seine langfristigen Abnahmelösungen in ganz Europa auszubauen und seine ersten eigenen Projekte zu realisieren. Dies unterstreicht das wachsende Vertrauen in den Energiespeichermarkt und die Notwendigkeit, flexible Lösungen für die Energiewende bereitzustellen.
- Frankreich: Eclipse sichert 20 Millionen Euro Finanzierung für Expansion.
- Spanien: EdgeMode investiert in 2,9 GWh Pipeline.
- Italien: FRV plant 2,9 GW/11 GWh BESS bis 2029.
Die europäische Landschaft der Energiespeicherung entwickelt sich rasant. Investitionen in Gigawatt-Bereich, unterstützt durch staatliche Förderprogramme und langfristige Verträge, sind entscheidend für eine stabile und nachhaltige Energieversorgung in der Zukunft. Die Zusammenarbeit von Regierungen, Entwicklern und Technologieanbietern treibt diese wichtige Transformation voran.





