Die Tschechische Republik plant den Bau ihres vierten Pumpspeicherkraftwerks. Das Projekt wird am bestehenden Wasserkraftwerk Orlík realisiert. Es soll die vorhandenen Laufwassereinheiten in reversible Anlagen umwandeln und eine Speicherkapazität von 750 MWh schaffen.
Die ČEZ Group, ein führendes Energieunternehmen, arbeitet hierfür mit dem Ingenieurbüro Wikov Group zusammen. Der Baubeginn ist für 2027 angesetzt, die Fertigstellung soll 2033 erfolgen. Dieses Vorhaben ist ein wichtiger Schritt für die Energiesicherheit des Landes.
Wichtige Fakten
- Viertes Pumpspeicherkraftwerk in Tschechien entsteht am Orlík.
- Speicherkapazität: 750 MWh.
- Zwei der vier Turbinen werden zu reversiblen Einheiten umgebaut.
- Baubeginn: 2027, Fertigstellung: 2033.
- Das Projekt nutzt bestehende Infrastruktur zwischen Orlík- und Kamýk-Stausee.
Einzigartiges Modernisierungsprojekt am Orlík
Die Modernisierung des Orlík-Kraftwerks ist ein ehrgeiziges Unterfangen. Alle vier vorhandenen Wasserturbinen werden umgebaut. Die Gesamtleistung des Kraftwerks bleibt dabei bei 364 MW. Zwei der 95-MW-Einheiten bleiben klassische, unidirektionale Laufwasserturbinen.
Die anderen beiden 87-MW-Einheiten werden jedoch zu reversiblen Pumpspeichereinheiten umfunktioniert. Hierfür werden umkehrbare Francis-Turbinen installiert. Die Pumpspeicherkomponente wird somit eine Leistung von 174 MW und eine Speicherdauer von etwa 4,3 Stunden umfassen.
„Das letzte Pumpspeicherkraftwerk in der Tschechischen Republik wurde Mitte der 1990er Jahre gebaut, und Dlouhé Stráně ist ein Symbol für Energiespeicherung im Wasser. Heute, dreißig Jahre später, beginnen wir mit dem Bau eines neuen Pumpspeicherkraftwerks, und ich glaube, dass das neue Pumpspeicherkraftwerk Orlík dem tschechischen Energiesektor gut und zuverlässig dienen wird“, sagte Karel Havlíček, Minister für Industrie und Handel.
Interessanter Fakt
Das Orlík-Projekt ist laut ČEZ Group weltweit einzigartig. Es wandelt ein bestehendes Laufwasserkraftwerk in ein Pumpspeicherkraftwerk um, ohne neue Standorte zu erschließen.
Nachhaltigkeit und Effizienz im Fokus
Das Projekt nutzt den Höhenunterschied zwischen dem Orlík-See und dem tiefer gelegenen Kamýk-See. Dieser Ansatz ist nicht nur effizient, sondern auch umweltfreundlich, da keine zusätzlichen Flächen für den Bau benötigt werden. Die Anlage wird auf dem bestehenden Gelände errichtet.
Daniel Beneš, Vorstandsvorsitzender und CEO von ČEZ, betonte die Vorteile dieses Vorgehens. Er hob hervor, dass es sich um eine schrittweise Rekonstruktion handelt. Während der Modernisierungsphase werden immer mindestens zwei der vier Turbinen in Betrieb bleiben. Dies sichert die kontinuierliche Stromversorgung.
Die Bedeutung von Pumpspeicherkraftwerken
Pumpspeicherkraftwerke spielen eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung des Stromnetzes. Sie speichern überschüssige Energie, beispielsweise aus erneuerbaren Quellen, und geben sie bei Bedarf wieder ab. Dies hilft, Schwankungen in der Stromproduktion auszugleichen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Hintergrundinformation
Die Tschechische Republik verfügt bereits über drei Pumpspeicherkraftwerke: Dlouhé Stráně, Dalešice und Štěchovice. Orlík wird das vierte in dieser Reihe sein und die Kapazitäten des Landes zur Energiespeicherung erheblich erweitern.
Die Rolle von ČEZ und Wikov Group
Die ČEZ Group hat in der Vergangenheit bereits umfangreiche Erfahrungen mit der Modernisierung von Wasserkraftwerken gesammelt. Das Unternehmen hat etwa vierzig Turbinen in zwanzig verschiedenen Wasserkraftwerken in Tschechien modernisiert.
Die Zusammenarbeit mit der Wikov Group als Ingenieurpartner bringt spezialisiertes Know-how in den Bau und die Umrüstung von Turbinen ein. Diese Partnerschaft ist entscheidend für den Erfolg des komplexen Projekts.
Die Investition in das Pumpspeicherkraftwerk Orlík unterstreicht das Engagement der Tschechischen Republik für eine nachhaltige und flexible Energieversorgung. Solche Projekte sind unerlässlich, um den Übergang zu erneuerbaren Energien zu unterstützen und die Netzstabilität zu gewährleisten.
Zukunft der Energiespeicherung in Tschechien
Neben Pumpspeicherkraftwerken setzt Tschechien auch auf großangelegte Batteriespeichersysteme (BESS). Einige dieser Projekte werden durch EU-Förderprogramme unterstützt. Das größte derzeit in Betrieb befindliche BESS ist ein 30-MW-System, das mit Gaskraftwerken gekoppelt ist.
Das Handelsunternehmen Second Foundation plant, in diesem Jahr 307 MW an Speicherkapazität in drei Projekten in Betrieb zu nehmen. Dies zeigt eine breite Strategie zur Stärkung der Energiespeicherinfrastruktur im Land.
- Pumpspeicher: Langfristige, großvolumige Speicherung.
- Batteriespeicher: Schnellere Reaktion, ideal für kurzfristige Schwankungen.
Die Kombination dieser Technologien ist entscheidend für eine zukunftsfähige Energielandschaft. Das Orlík-Projekt ist ein zentraler Baustein in dieser Strategie.





