In Clifton Hill, einem Vorort von Melbourne, hat die Yarra Energy Foundation (YEF) ein wegweisendes Projekt realisiert: Eine Gemeinschaftsbatterie, die direkt mit zwei barrierefreien Ladestationen für Elektrofahrzeuge (EV) verbunden ist. Diese Installation ist die erste ihrer Art in der Innenstadt von Melbourne und soll zeigen, wie Batteriespeicher und E-Mobilität zusammenwirken können, um das Stromnetz zu entlasten und Emissionen zu senken.
Das Projekt befindet sich im Collingwood Leisure Centre in der Turnbull Street und wurde mit 750.000 AUD (ca. 536.000 US-Dollar) aus der Neighbourhood Battery Initiative der Regierung von Victoria finanziert. Es testet, wie E-Fahrzeuge während Zeiten hoher Solarstromerzeugung – typischerweise zwischen 10:00 und 16:00 Uhr – geladen werden können, wenn die Emissionen und Energiepreise am niedrigsten sind.
Wichtige Erkenntnisse
- Erste Gemeinschaftsbatterie mit EV-Ladestation in Melbournes Innenstadt.
- Finanzierung durch die Regierung von Victoria mit 750.000 AUD.
- Reduzierung der Netzlast durch intelligentes Laden und Entladen.
- Zwei barrierefreie DC-Schnellladestationen mit 60 kW.
- Australien fördert Gemeinschaftsbatterien landesweit.
Ein Modell für nachhaltige Energieversorgung
Die Gemeinschaftsbatterie speichert tagsüber überschüssigen Solarstrom, der von den Dächern der Wohnhäuser erzeugt wird. In den Abendstunden, wenn der Stromverbrauch zwischen 17:00 und 21:00 Uhr seinen Höhepunkt erreicht, speist die Batterie diesen Strom wieder ins Netz ein. Dies reduziert den Bedarf an fossil erzeugtem Strom und trägt zur Dekarbonisierung des Stromnetzes bei.
Die Integration von Batteriespeichern und Ladestationen ist ein wichtiger Schritt, um die Nutzung erneuerbarer Energien effizienter zu gestalten. Es geht darum, die Spitzenlasten im Netz abzufedern und die Stabilität der Energieversorgung zu gewährleisten.
Faktencheck
- Investition: 750.000 AUD (ca. 536.000 US-Dollar)
- Ladeleistung: Zwei 60 kW DC-Schnellladestationen
- Reichweite pro Stunde: ca. 150 km
- Ladezeiten: Tagsüber (10-16 Uhr) laden, abends (17-21 Uhr) entladen
Barrierefreies Laden für alle
Das Projekt umfasst zwei Ladebuchten, die speziell für Rollstuhlfahrer zugänglich sind. Die Planung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen der Stadt Yarra und einer lokalen Anwohner-Referenzgruppe. Dies stellt sicher, dass Elektrofahrzeuge für alle Bürger zugänglich sind, unabhängig von körperlichen Einschränkungen.
Die dualen 60 kW DC-Schnellladegeräte können einem Elektrofahrzeug etwa 150 km Reichweite pro Stunde hinzufügen. Das ist deutlich schneller als herkömmliche Haushalts-AC-Ladegeräte, die oft vier bis zwölf Stunden für eine volle Ladung benötigen. Die Anlage ist darauf ausgelegt, das "Aufladen zwischendurch" zu ermöglichen, anstatt komplette Ladezyklen zu absolvieren.
"Dieses Projekt zeigt, wie wir die Energiewende in unseren Gemeinden vorantreiben können, indem wir intelligente Technologien und soziale Inklusion miteinander verbinden."
Australien setzt auf Gemeinschaftsbatterien
Gemeinschaftsbatterien sind in Australien zu einem Schwerpunkt der Politik geworden. Das Land verfügt über eine enorme Kapazität an verteilter Photovoltaik auf Dächern. Diese Batterien sind entscheidend, um den erzeugten Solarstrom optimal zu nutzen und das Stromnetz zu stabilisieren.
Die australische Regierung erkennt das Potenzial dieser Technologie. Im Juli 2024 genehmigte die Australian Renewable Energy Agency (ARENA) eine Finanzierung von 143 Millionen AUD im Rahmen ihrer Community Battery Funding Round 1 Initiative. Ziel ist es, die Technologie der Batteriespeichersysteme (BESS) zu skalieren.
Hintergrund: Australiens Energieziele
Australien ist reich an Sonnenlicht und hat eine hohe Akzeptanz für Solaranlagen auf Hausdächern. Die Herausforderung besteht darin, diesen dezentral erzeugten Strom effizient zu speichern und zu nutzen, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und die Netzstabilität zu gewährleisten. Gemeinschaftsbatterien spielen dabei eine Schlüsselrolle.
Bundesweite Förderung und Ausbau
Diese ARENA-Initiative wird 370 Gemeinschaftsbatterien in allen Bundesstaaten und im Northern Territory installieren. Es wird erwartet, dass dies Investitionen in erneuerbare Energieinfrastruktur von rund 359 Millionen AUD freisetzen wird. Die Yarra Energy Foundation ist einer der Empfänger dieser ARENA-Förderung und hat bereits mehrere BESS in Melbourne und Umgebung installiert.
- ARENA-Förderung: 143 Millionen AUD
- Anzahl der Batterien: 370 landesweit
- Gesamtinvestition: ca. 359 Millionen AUD
Erfolgsgeschichte der Yarra Energy Foundation
Die YEF gilt als früher Pionier im Bereich der Gemeinschaftsbatterien. Bereits 2022 installierte sie ihre erste BESS in Fitzroy North, Melbourne. Diese Batterie hat bereits wirtschaftliche Erfolge gezeigt.
Im Finanzjahr 2023-24 generierte die Gemeinschaftsbatterie in Fitzroy North Einnahmen von 8.423 AUD (ohne Mehrwertsteuer). Der Großteil dieser Einnahmen, nämlich 8.158 AUD, stammte aus dem Energiearbitragehandel. Ein kleinerer Teil von 1.046 AUD wurde durch den bidirektionalen Gemeinschaftsbatterie-Versuchstarif von Citipower erzielt.
Diese Zahlen unterstreichen das Potenzial von Gemeinschaftsbatterien, nicht nur die Umwelt zu entlasten, sondern auch wirtschaftliche Vorteile zu bieten. Die Erfahrungen der YEF werden voraussichtlich weitere Projekte in ganz Australien inspirieren.
Blick in die Zukunft
Anfang 2026 bestätigte der Australian Energy Regulator (AER), dass bereits rund 244 Gemeinschaftsbatteriespeichersysteme an die Verteilnetze des Landes angeschlossen waren. Die Zahl wird mit der verstärkten Förderung und den erfolgreichen Pilotprojekten wie dem in Clifton Hill weiter steigen. Die Kombination aus Solarenergie, Batteriespeichern und E-Ladeinfrastruktur ist ein Schlüssel zur Energiewende in urbanen Gebieten.
Die Entwicklung in Melbourne zeigt, dass lokale Initiativen eine wichtige Rolle bei der Gestaltung einer nachhaltigen Energiezukunft spielen. Die Integration von E-Mobilität und dezentraler Energieerzeugung ist ein vielversprechender Weg, um Städte grüner und lebenswerter zu machen.





