Zwei führende Unternehmen im Bereich der nicht-Lithium-Ionen-Batteriespeicher, Eos Energy Enterprises und ESS Tech Inc, setzen auf die wachsende Nachfrage nach Langzeit-Energiespeichern (LDES) in den USA. Ihre jüngsten Finanzberichte für das erste Quartal 2026 zeigen, dass trotz anhaltender Verluste enorme Investitionen und strategische Partnerschaften die Branche vorantreiben. Diese Technologien sind entscheidend für die Stabilität moderner Stromnetze und die Integration erneuerbarer Energien.
Wichtige Erkenntnisse
- Eos Energy verzeichnete einen Umsatzanstieg von 445% auf 57 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026.
- ESS Tech meldete eine Reduzierung des bereinigten EBITDA-Verlusts und neue strategische Partnerschaften.
- Beide Unternehmen konzentrieren sich auf nicht-Lithium-Ionen-Technologien für Langzeit-Energiespeicher.
- Frontier Power USA, ein Joint Venture von Eos und Cerberus, soll LDES-Projekte entwickeln und betreiben.
- ESS Tech arbeitet mit Salt River Project (SRP) und Google an einem 5MW/50MWh-System.
Eos Energy: Wachstum und strategische Neuausrichtung
Eos Energy Enterprises, bekannt für seine Zink-Hybrid-Kathodenbatterien, hat im ersten Quartal 2026 einen bemerkenswerten Umsatzsprung erlebt. Die Einnahmen stiegen im Jahresvergleich um 445% auf 56,9 Millionen US-Dollar. Trotz dieser Steigerung verzeichnete das Unternehmen einen Bruttoverlust von 44,4 Millionen US-Dollar und einen bereinigten EBITDA-Verlust von 68 Millionen US-Dollar.
Im ersten Quartal des Vorjahres lagen die Einnahmen bei 10,4 Millionen US-Dollar und der Bruttoverlust bei 24,5 Millionen US-Dollar. Der erhöhte EBITDA-Verlust von 43,2 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal zeigt, dass das Unternehmen weiterhin stark in Wachstum investiert.
Zahlen von Eos Energy (Q1 2026)
- Umsatz: 56,9 Millionen US-Dollar (Q1 2025: 10,4 Millionen US-Dollar)
- Bruttoverlust: 44,4 Millionen US-Dollar (Q1 2025: 24,5 Millionen US-Dollar)
- Bereinigter EBITDA-Verlust: 68 Millionen US-Dollar (Q1 2025: 43,2 Millionen US-Dollar)
- Umsatzprognose 2026: 300 bis 400 Millionen US-Dollar
Frontier Power USA: Ein neuer Weg zum Projektbesitz
Ein entscheidender Schritt für Eos ist die Gründung von Frontier Power USA. Dieses Joint Venture mit Cerberus Capital Management soll LDES-Projekte entwickeln und betreiben, die Eos' Zinkbromid-Z3-Technologie nutzen. Damit wandelt sich Eos vom reinen Ausrüstungslieferanten zum Betreiber von Energieprojekten.
Eine Vereinbarung über eine feste Kapazitätsreservierung von 2 GWh zwischen Eos und Frontier Power hat den Auftragsbestand von Eos erheblich erweitert. Diese Kapazität ist für den Einsatz in drei Schlüsselbereichen vorgesehen:
- Großanlagen für Versorgungsunternehmen
- KI-Rechenzentren
- Gewerbliche und industrielle (C&I) Standorte
Alle Projekte stammen aus der aktiven Multi-Gigawattstunden-Projektpipeline von Frontier Power. Cerberus Capital Management ist bereits ein Investor bei Eos und hatte Mitte 2024 ein Finanzierungspaket von 315 Millionen US-Dollar bereitgestellt.
„Der Markt sagt uns, was er braucht: Langzeit-Speicher, die sicher, in Amerika hergestellt und in großem Maßstab finanzierbar sind. Wir haben die Technologie, die Produktion, die Kontrollen und jetzt, mit Frontier Power USA, das geplante Kapital, um die Projektumsetzung zu beschleunigen.“
Mastrangelo betonte auch die Skalierung des Geschäfts im ersten Quartal, mit Rekordproduktion, verbesserten Margen und über 6 GWh entladener Energie durch Eos-Technologie. Das Unternehmen sieht eine Pipeline von 24 Milliarden US-Dollar, die in tatsächliche Installationen umgewandelt werden soll.
Hintergrund: Langzeit-Energiespeicher (LDES)
LDES-Systeme sind entscheidend für die Energiewende. Sie können Strom über Stunden oder sogar Tage speichern und abgeben, was für die Integration variabler erneuerbarer Energien wie Solar- und Windkraft unerlässlich ist. Im Gegensatz zu Lithium-Ionen-Batterien, die eher für kurzfristige Anwendungen optimiert sind, bieten LDES-Technologien oft längere Entladezeiten und eine höhere Sicherheit.
ESS Tech Inc: Partnerschaften und strategische Neuausrichtung
ESS Tech Inc, ein Unternehmen, das sich auf Eisen-Flow-Batterien spezialisiert hat, gab seine Ergebnisse für das erste Quartal 2026 am 7. Mai bekannt. Auch ESS Tech bleibt unprofitabel, konzentriert sich jedoch auf neue Partnerschaften und eine strategische Neuausrichtung.
Im ersten Quartal 2026 erzielte ESS einen Umsatz von 128.000 US-Dollar und einen Nettoverlust von 15,9 Millionen US-Dollar. Dies ist ein Rückgang gegenüber dem ersten Quartal 2025, in dem der Umsatz bei 571.000 US-Dollar und der Nettoverlust bei 18,02 Millionen US-Dollar lag. Der bereinigte EBITDA-Verlust verbesserte sich jedoch von 14,95 Millionen US-Dollar im Vorjahr auf 10,26 Millionen US-Dollar.
Wichtige Projekte und Kooperationen
ESS Tech hob die Zusammenarbeit beim Projekt New Horizon hervor. Hierbei handelt es sich um ein 5MW/50MWh-System, das die Eisen-Flow-Energy-Base-Technologie von ESS nutzt. Partner sind das Energieversorgungsunternehmen Salt River Project (SRP) und der Tech-Riese Google. Die Fertigung ist für dieses Jahr geplant, die Lieferung für Dezember 2027.
Ein weiterer Erfolg ist der 9,9 Millionen US-Dollar schwere Vertrag mit dem US Air Force Research Laboratory. Im Rahmen dessen sollen bis zu 27 MWh der ESS-Energiespeicherlösungen zur Unterstützung der Clear Space Force Station in Alaska eingesetzt werden.
ESS Inc. hat zudem eine Partnerschaft mit dem Natrium-Ionen-Batterie-Startup Alsym Energy bekannt gegeben. Diese Kooperation wird es ESS ermöglichen, sein Portfolio um 8,5 GWh Alsyms Natrium-Ionen-Zellen und -Module zu erweitern.
Zahlen von ESS Tech (Q1 2026)
- Umsatz: 128.000 US-Dollar (Q1 2025: 571.000 US-Dollar)
- Nettoverlust: 15,9 Millionen US-Dollar (Q1 2025: 18,02 Millionen US-Dollar)
- Bereinigter EBITDA-Verlust: 10,26 Millionen US-Dollar (Q1 2025: 14,95 Millionen US-Dollar)
Fokus auf Energy Base und Liquidität
Im ersten Quartal 2025 vollzog das Unternehmen einen strategischen Wandel. Es stellte die Produktion seiner kleineren Produkte Energy Warehouse und Energy Centre ein, um sich ausschließlich auf Energy Base zu konzentrieren. Dieses LDES-System bietet eine Speicherdauer von 12 bis 14 Stunden und richtet sich an Rechenzentren sowie große Betreiber erneuerbarer Energien.
Kate Suhadolnik, Finanzchefin von ESS, betonte die Bedeutung der Ausgabenkontrolle und der Liquidität:
„Wir bleiben auf Kostenkontrolle, Liquidität und die Aufrechterhaltung finanzieller Flexibilität fokussiert, während wir das Geschäft durch seine Übergangs- und Kommerzialisierungsbemühungen unterstützen.“
Die Gesamtbetriebskosten sanken im Jahresvergleich um 33%. Am Ende des Quartals verfügte ESS über 15,5 Millionen US-Dollar an uneingeschränkten Barmitteln und Barmitteläquivalenten sowie 6,0 Millionen US-Dollar an kurzfristigen Anlagen, was einer Gesamtliquidität von 21,5 Millionen US-Dollar entspricht.
Markt für Langzeit-Energiespeicher im Aufwind
Der Bedarf an Langzeit-Energiespeichern ist in den USA und weltweit enorm. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien müssen Lösungen gefunden werden, um die Stromversorgung auch bei Windstille oder Dunkelheit zu gewährleisten. Nicht-Lithium-Ionen-Technologien wie Zink-Hybrid- und Eisen-Flow-Batterien bieten hier vielversprechende Alternativen, die oft eine höhere Sicherheit und längere Lebensdauer versprechen.
Obwohl beide Unternehmen noch keine Gewinne erzielen, signalisieren die massiven Investitionen, strategischen Partnerschaften und die steigenden Umsätze, dass der Markt für LDES-Systeme reif für eine Expansion ist. Die Fähigkeit, Projekte in großem Maßstab zu finanzieren und umzusetzen, wird entscheidend sein, um die Energiewende voranzutreiben.
Börsengang und Marktentwicklung
ESS Inc. ging 2021 über eine SPAC-Fusion (Special Purpose Acquisition Company) an die New Yorker Börse (NYSE). Dies geschah während eines Booms von SPAC-Listings, bei dem auch andere LDES-Unternehmen wie Eos, Energy Vault und Stem an die Börse gingen. Seitdem sind die Aktienkurse von ESS Inc. stark gefallen, von einem Höchststand von 281,25 US-Dollar im Jahr 2021 auf bis zu 0,77 US-Dollar pro Aktie im aktuellen Monat. Die Unternehmensführung hatte jedoch frühzeitig darauf hingewiesen, dass die Profitabilität Zeit in Anspruch nehmen würde.





