Indien macht große Fortschritte beim Ausbau seiner Energiespeicherkapazitäten. Jüngste Vertragsvergaben für Pumpspeicherkraftwerke und die erste große Flow-Batterie des Landes zeigen das Engagement für eine stabile und grüne Energieversorgung. Diese Entwicklungen sind entscheidend für die Integration erneuerbarer Energien und die Sicherung der nationalen Stromversorgung.
Wichtige Erkenntnisse
- SECI vergibt 1.344 MW für Pumpspeicherkraftwerke an Tata Power, Greenko und Torrent Energy Storage Solutions.
- Delectrik Systems liefert eine 100 MWh Vanadium-Redox-Flow-Batterie für den Gujarat Hybrid Renewable Energy Park.
- Indien plant bis 2031-2032 einen Bedarf von 74 GW/411,4 GWh an Energiespeichern.
- Vereinfachte Genehmigungsverfahren und finanzielle Anreize fördern den Ausbau.
Indische Regierung fördert Pumpspeicherkraftwerke
Die Solar Energy Corporation of India (SECI) hat durch ein wettbewerbsbasiertes Auktionsverfahren Aufträge für insgesamt 1.344 Megawatt (MW) Pumpspeicherkapazität vergeben. Drei große Entwickler – Tata Power, Greenko und Torrent Energy Storage Solutions – erhielten Zuschläge im Rahmen einer Ausschreibung, die ursprünglich 1.000 MW, später aber 1.500 MW mit einer Speicherdauer von acht Stunden vorsah.
SECI, eine Einrichtung der indischen Regierung unter dem Ministerium für neue und erneuerbare Energien (MNRE), vergibt langfristige Stromabnahmeverträge (PPAs). Damit kauft die Gesellschaft die Speicherkapazität und verkauft sie an Abnehmer wie Versorgungsunternehmen oder Vertriebsgesellschaften weiter.
Faktencheck: Pumpspeicherkraftwerke (PSP) in Indien
- 11 PSPs mit einer Gesamtkapazität von 15.870 MW befinden sich im Bau.
- Weitere 6 Projekte mit 8.140 MW sind genehmigt und warten auf Baubeginn.
- Die Regierung hat Maßnahmen zur Beschleunigung ergriffen, darunter die Straffung von Umweltgenehmigungen.
Die Vergabe im Detail
Greenko sicherte sich die volle ausgeschriebene Kapazität von 720 MW. Torrent Energy Storage Solutions erhielt ebenfalls die vollen 300 MW, für die sie geboten hatten. Tata Power, das 660 MW angeboten hatte, bekam einen Zuschlag von 324 MW.
Die Berechnungen der jährlichen Fixkosten pro MW zeigen die Wettbewerbsfähigkeit der Gebote. Für Tata Power lagen die jährlichen Fixkosten bei umgerechnet rund 112.662 US-Dollar pro MW, mit Gesamtspeicherkosten von etwa 13.510.000 INR pro MW. Greenko und Torrent Energy Storage Solutions bewegten sich in ähnlichen Bereichen.
„Die Entwicklung von Pumpspeicherkraftwerken ist ein Grundpfeiler unserer Strategie zur Sicherung der Energieversorgung und zur Integration erneuerbarer Energien. Die Unterstützung durch die Regierung ist hierbei entscheidend.“
Indiens erste große Flow-Batterie kommt nach Gujarat
Neben den Pumpspeicherkraftwerken gibt es auch Fortschritte bei der Batterietechnologie. Das indische Startup Delectrik wurde ausgewählt, ein 100 MWh Vanadium-Redox-Flow-Batteriesystem (VRFB) für einen 30 GW starken Park für erneuerbare Energien in Gujarat zu liefern. Dieser Park, auch bekannt als Khavda Solar Park, ist ein Multi-Entwickler-Projekt mit bereits rund 10 GW Solar- und Windenergie in Betrieb.
Die Flow-Batterie wird voraussichtlich im nächsten Jahr installiert. Die Ausschreibung für das Engineering, die Beschaffung und den Bau (EPC) der VRFB wurde von NTPC Renewable Energy, einer Tochtergesellschaft des staatlichen Energieerzeugers NTPC, gestartet. Die Anlage wird eine Leistung von 16,7 MW haben, was einer Entladedauer von etwa 5,9 Stunden bei maximaler Nennleistung entspricht.
Hintergrund: Gujarat Hybrid Renewable Energy Park
Der Khavda Solar Park in Westindien ist strategisch günstig gelegen, mit reichlich Sonnen- und Windpotenzial. Er bietet große Flächen für den Bau zusammenhängender Anlagen und eine Anbindung an einen bestehenden 'grünen Korridor' für den Stromtransport über Hochleistungstrassen. Einer der Hauptentwickler, Adani Green Energy, hat dort bereits 3,37 GWh kumulativer Lithium-Ionen-BESS-Kapazität erreicht.
Delectriks Rolle im Speichermarkt
Delectrik Systems, mit Hauptsitz in Gurgaon, Indien, hat den Zuschlag zusammen mit dem Infrastrukturlösungsanbieter Bondada Engineering erhalten. Finanzielle Details des Vertrags wurden nicht bekannt gegeben. Delectrik hatte bereits zuvor eine Ausschreibung von NTPC für eine 600 kW/3 MWh Flow-Batterie im Jahr 2024 gewonnen, die in einem NTPC F&E-Zentrum in Greater Noida, Uttar Pradesh, eingesetzt wurde.
Das Unternehmen hat Ende 2024 auch ein 2 MW/10 MWh VRFB-Energiespeichersystem auf den Markt gebracht, das für eine Stellfläche von etwa 200 MWh pro Acre ausgelegt ist. Diese Entwicklungen unterstreichen die wachsende Bedeutung von Flow-Batterien als Langzeitspeicherlösung.
Indiens ehrgeizige Speicherziele
Laut dem National Electricity Plan (NEP) 2023 der Central Electricity Authority (CEA) wird Indien bis zum Finanzjahr 2031-2032 voraussichtlich 74 GW/411,4 GWh an Energiespeichern benötigen. Dies beinhaltet etwa 47,24 GW/236,22 GWh Batteriespeicher und 26,69 GW/175,18 GWh Pumpspeicher.
Die langfristigen Prognosen sind noch ehrgeiziger: Bis 2047 prognostiziert die CEA einen Bedarf von bis zu 90 GW/540 GWh Pumpspeichern innerhalb einer Gesamtkapazität von 320 GW/2.380 GWh Energiespeichern, ergänzt durch 230 GW/1.840 GWh Batteriespeichersysteme (BESS).
- Bis 2031-2032: Gesamtbedarf 74 GW/411,4 GWh
- Bis 2047: Gesamtbedarf 320 GW/2.380 GWh
Maßnahmen zur Förderung des Ausbaus
Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, hat die indische Regierung verschiedene Maßnahmen ergriffen:
- Vereinfachung von Genehmigungsverfahren: Umwelt- und gesetzliche Genehmigungen wurden gestrafft, um Projekte schneller umzusetzen.
- Infrastrukturunterstützung: Finanzielle Unterstützung für den Bau der benötigten Infrastruktur.
- Wettbewerbsfähige Ausschreibungsrichtlinien: Schaffung von tarifbasierten Wettbewerbsausschreibungen zur Förderung fairer Preise.
- Befreiung von Übertragungsgebühren: Eine 25-jährige Befreiung von den Inter-State Transmission System (ISTS)-Gebühren ab dem Beginn des kommerziellen Betriebs.
Diese Maßnahmen sind entscheidend, um Investitionen anzuziehen und den schnellen Ausbau der Speichertechnologien zu ermöglichen. Indien setzt dabei nicht nur auf bewährte Technologien wie Pumpspeicher, sondern erprobt auch innovative Lösungen wie die CO2-Batterie des italienischen Startups Energy Dome. NTPC baut bereits ein 20 MW/160 MWh CO2-Batterie-Pilotprojekt in einem Wärmekraftwerk in Karnataka. Die CO2-Batterie speichert Energie in komprimiertem Kohlendioxidgas in einem geschlossenen Kreislaufverfahren.
Die Kombination aus etablierten und neuen Technologien soll Indien helfen, seine Energieziele zu erreichen und eine nachhaltige Energiezukunft zu gestalten. Der Fokus auf Langzeitspeicher ist dabei ein Schlüsselfaktor für die Netzstabilität und die Integration erneuerbarer Energien.





