Die Ford Motor Company hat offiziell ihre neue Tochtergesellschaft für Energiespeicher, Ford Energy, gegründet. Diese strategische Neuausrichtung des US-Automobilherstellers umfasst die Einführung eines Flaggschiff-Batterieenergiespeichersystems (BESS) und signalisiert einen bedeutenden Schritt in den Wachstumsmarkt der Energiespeicherung. Die ersten Lieferungen sind für Ende 2027 geplant.
Wichtige Erkenntnisse
- Ford Energy ist die neue Energiespeicher-Tochter von Ford.
- Das Flaggschiffprodukt ist ein standardisiertes 20-Fuß-Container-BESS mit LFP-Zellen.
- Die jährliche Produktionskapazität soll 20 GWh erreichen.
- Ford investiert 2 Milliarden US-Dollar in neue Produktionslinien in Kentucky.
- Die Produkte werden voraussichtlich US-Steuergutschriften erfüllen.
Ford Energy: Eine strategische Neuausrichtung
Die Entscheidung von Ford, Ford Energy ins Leben zu rufen, ist eine direkte Reaktion auf Veränderungen im Markt für Elektrofahrzeuge (EVs). Nach einem verlangsamten Nachfragewachstum und dem Ende von Steuergutschriften für EVs in den USA, hat Ford seine Strategie angepasst. Das Unternehmen verzeichnete in bestehenden EV-Investitionen Verluste von 19,5 Milliarden US-Dollar. Dieser Wandel soll Ford zu „höherrentierlichen Gelegenheiten“ führen und ein „wachstumsstarkes“ Geschäft im Bereich Batteriespeicher etablieren.
Bereits Ende 2025 hatte Ford eine Änderung seiner Strategie angekündigt. Diese umfasste den Ausstieg aus dem EV-Batterie-Joint Venture BlueOval SK mit dem südkoreanischen Batteriehersteller SK On. Ford übernahm die beiden im Rahmen des JVs betriebenen Fabriken in Kentucky.
Faktencheck
- Verluste: Ford schrieb Verluste von 19,5 Milliarden US-Dollar in EV-Investitionen ab.
- Investition: Rund 2 Milliarden US-Dollar werden in Glendale, Kentucky, investiert.
- Technologie: Produktion von prismatischen Lithium-Eisenphosphat (LFP)-Batteriezellen und DC BESS-Gehäusen.
Produktionsstätten und Technologie
In einer der übernommenen Fabriken in Glendale, Kentucky, plant Ford, rund 2 Milliarden US-Dollar zu investieren. Ziel ist es, Produktionslinien für prismatische Lithium-Eisenphosphat (LFP)-Batteriezellen und DC BESS-Gehäuse zu etablieren. Die ersten Lieferungen von Ford Energy sind für Ende 2027 vorgesehen.
Eine weitere BlueOval SK-Anlage in Michigan soll Produktionslinien für Batteriespeicher für den Wohnbereich erhalten. Diese Erweiterung zeigt Fords Engagement, sowohl den industriellen als auch den privaten Energiespeichermarkt zu bedienen.
Das Flaggschiffprodukt: Ford Energy DC Block
Das Kernprodukt von Ford Energy ist der „Ford Energy DC Block“. Es handelt sich um ein standardisiertes 20-Fuß-ISO-Container-BESS, das um 512Ah LFP-Zellen herum konzipiert ist. Dieses System wird in Konfigurationen für zwei und vier Stunden Speicherzeit erhältlich sein. Ford rechnet mit einer jährlichen Fertigungskapazität von 20 GWh für den DC Block.
Jede flüssigkeitsgekühlte Einheit des DC Blocks bietet eine Nennenergie von 5,45 MWh und wiegt etwa 43,5 Tonnen. Die LFP-Technologie hat sich in der BESS-Industrie weltweit bewährt. Ford betont, dass das vertikale Integrationsmodell von der Zelle bis zum Container eine höhere Qualitätskontrolle und Rückverfolgbarkeit gewährleisten wird.
„Die US-Nachfrage nach flexiblen und bankfähigen Energiespeichern beschleunigt sich. Die Konvergenz von Rechenzentrumswachstum, Integration erneuerbarer Energien und Anforderungen an die Netzresilienz hat eine Marktlücke geschaffen.“
Vorteile durch US-Produktion und Wettbewerb
Ein entscheidender Vorteil der Ford Energy-Produkte ist ihre vollständige Montage in den USA. Dies bedeutet, dass sie voraussichtlich die Anforderungen für US-Steuergutschriften erfüllen werden, die Beschränkungen für ausländische Unternehmen (FEOC/PFE) unterliegen. Zudem qualifizieren sie sich für Boni für inländische Inhalte. Dies ist besonders wichtig, da die US-Gesetzgebung Anreize für inländische Produktion schafft.
Hintergrund: FEOC-Regeln
Die im letzten Jahr eingeführten FEOC- und PFE-Regeln (Foreign Entity of Concern / Prohibited Foreign Entity) besagen, dass Projekte, die chinesisch hergestellte oder finanzierte Komponenten über einem bestimmten Investitionsschwellenwert verwenden, keine Steuergutschriften erhalten. Dies hat zu einer Umstrukturierung der US-Lieferketten für saubere Energie geführt.
Der Energiespeichermarkt, insbesondere in den USA, wächst rasant. Die Nachfrage nach nicht-chinesischen und inländischen Lieferketten für BESS-Projekte steigt. EV-Batteriehersteller wie LG Energy Solution (LG ES) und Samsung SDI sowie Fords ehemaliger Partner SK On passen bereits ihre Produktionslinien an, um Zellen für BESS zu fertigen.
Pete Tillotson, Senior Research Analyst bei Benchmark Mineral Intelligence, sieht Fords Schritt als logisch an. Er merkt an, dass Ford Zugang zu Batterieproduktionsstätten hat, die besser genutzt werden könnten, um einen stärker wachsenden Markt wie den Energiespeichersektor zu bedienen. Obwohl Ford ein neuer Akteur ohne vorherige Erfahrung im Energiespeichermarkt ist, erscheint dieser strategische Schwenk angesichts der Batterienachfragedynamik in den USA sinnvoll.
Herausforderungen im Wettbewerb
Die Frage bleibt, ob ein neuer Akteur, auch mit einem bekannten Namen wie Ford, sich in einem zunehmend wettbewerbsintensiven BESS-Markt behaupten kann. Julian Nebreda, CEO des BESS-Technologieanbieters Fluence, äußerte sich im Februar zu potenziellen Wettbewerbern wie Ford. Er sah keine „wirklichen Veränderungen im Wettbewerbsumfeld“, betrachtete Fords Schwenk von EV- zu BESS-Zellfertigung jedoch als eine „echte Veränderung“ in der Art und Weise, wie das Angebot in den Markt gelangt.
Außerhalb der USA konkurriert Fluence hauptsächlich mit chinesischen Unternehmen, die von staatlicher Unterstützung profitieren. Nebreda glaubt, dass der Wettbewerb in den USA nicht schwieriger sein wird als der globale Wettbewerb. Fords Einstieg wird den Markt weiter beleben und neue Dynamiken schaffen.





