Die Integration von Batteriespeichersystemen (BESS) in das deutsche Stromnetz ist entscheidend für die Energiewende. Doch flexible Netzanschlussverträge (FCAs), die eigentlich Engpässe beheben sollen, sorgen in der Branche für intensive Diskussionen. Während Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) versuchen, einen einheitlichen Rahmen zu schaffen, beklagen Verteilnetzbetreiber (VNB) und Projektentwickler weiterhin mangelnde Klarheit und hohe Umsatzverluste.
Wichtige Erkenntnisse
- Flexible Netzanschlussverträge (FCAs) sind notwendig, aber verbesserungswürdig.
- Eine zu starre gesetzliche Definition von FCAs wird von Experten nicht befürwortet.
- ÜNB versuchen, einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen, während VNB oft noch mit Digitalisierungslücken kämpfen.
- Es gibt Bedenken, dass FCAs missbraucht werden, um BESS-Projekte zu verzögern oder unattraktiv zu machen.
- Die Branche fordert standardisierte Prozesse und mehr Transparenz, um Investitionen zu sichern.
Herausforderungen bei flexiblen Anschlussverträgen
Die Energiewende erfordert einen schnellen Ausbau von Batteriespeichersystemen. Flexible Netzanschlussverträge (FCAs) sollen diesen Prozess erleichtern, indem sie den Anschluss von BESS an das Stromnetz ermöglichen, auch wenn die Netzkapazitäten begrenzt sind. Doch die Umsetzung gestaltet sich komplex.
Auf dem Energy Storage Summit Germany 2026 diskutierten Experten die aktuellen Probleme. Nina Schmüser, Regulatory Affairs Manager bei Grenergy, fragte, ob FCAs gesetzlich strenger definiert werden sollten. Die allgemeine Meinung war eher ablehnend.
„Obwohl die deutsche Umsetzung im Vergleich zur europäischen Richtlinie einige Mängel aufweist, würde ich nicht mehr in die gesetzliche Definition aufnehmen“, sagte Nele Maas, Senior Research Consultant bei FfE.
Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von Eco Stor, stimmte dem zu. Er betonte, dass der schnelle Bau großer Projekte Priorität habe. Eine landesweite gesetzliche Definition könnte den Prozess unnötig verzögern und alle Beteiligten unzufrieden zurücklassen.
Faktencheck: FCAs und Umsatzverluste
Das Bollingstedt BESS-Projekt von Eco Stor, das an das Schweizer Energieunternehmen Alpiq verkauft wurde, diente als Pilotprojekt für die FCA-Standards des Übertragungsnetzbetreibers E.ON. Die FCA-Bedingungen führten jedoch zu einer Umsatzreduzierung von 20 Prozent für das Projekt. Trotzdem war das Projekt für Investoren weiterhin attraktiv und demonstrierte einen vollständigen Entwicklungszyklus.
Die Rolle der Netzbetreiber: ÜNB vs. VNB
Ein zentrales Thema der Diskussion war die unterschiedliche Herangehensweise von Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) und Verteilnetzbetreibern (VNB). Während ÜNB wie 50Hertz Transmission versuchen, einen kohärenten Rahmen zu entwickeln, sehen sich Projektentwickler bei VNB oft mit mehr Schwierigkeiten konfrontiert.
Wilhelm Kiewitt, Leiter Energiewirtschaft bei 50Hertz Transmission, sprach offen an, was viele in der Branche vermuten: FCAs werden manchmal missbraucht, um BESS-Projekte am Anschluss zu hindern.
„Ich habe manchmal das Gefühl, dass FCAs missbraucht werden, um Anschlusswarteschlangen auf VNB-Ebene zu steuern. Anforderungen zur Begrenzung der Teilnahme an Systemdienstleistungen werden manchmal genutzt, um die Attraktivität eines Projekts zu mindern. Dieser Missbrauch darf nicht toleriert werden“, erklärte Kiewitt.
Er betonte, dass Frequenzstabilität die Aufgabe der ÜNB sei und dafür sowohl ÜNB- als auch VNB-Projekte benötigt würden. Kiewitt äußerte starke Zweifel, dass BESS-Projekte generell Probleme auf VNB-Ebene verursachen.
Digitalisierung als Schlüssel
Georg Gallmetzer von Eco Stor wies darauf hin, dass BESS-Projekte oft Ineffizienzen bei VNB aufdecken. Viele VNB seien in ihren Operationen noch nicht ausreichend digitalisiert, im Gegensatz zu den ÜNB.
„VNB agieren oft im Blindflug und verfügen nicht über die ‘Superkräfte’ der ÜNB. BESS decken Ineffizienzen der VNB bei der Netzverwaltung auf“, so Gallmetzer. Er sieht BESS als hochaktiven Bestandteil des Netzes, nicht nur als Marktasset.
Hintergrund: Systemdienstleistungen
Batteriespeichersysteme können wichtige Systemdienstleistungen wie Frequenzregelung und Spannungshaltung erbringen. Diese Dienstleistungen sind entscheidend für die Stabilität des Stromnetzes. Eine Einschränkung dieser Fähigkeiten durch FCAs kann die Rentabilität von BESS-Projekten erheblich beeinträchtigen und die Netzstabilität gefährden.
Forderungen der Branche nach Klarheit
Projektentwickler fordern dringend klarere Richtlinien und eine Standardisierung der FCA-Prozesse. Leandra Boes, Commercial Asset Management Director bei Green Flexibility, beklagte, dass einige Lösungen die Branche stark belasten, obwohl es Alternativen gäbe, die für VNB denselben Effekt hätten, aber weniger schädlich für die Entwickler wären.
Stefan Tait, Executive Director Germany bei Harmony Energy, hob hervor, dass es trotz Bemühungen der ÜNB um Angleichung immer noch an Klarheit mangele, insbesondere da viele Projekte bis Ende des Jahres eine finale Investitionsentscheidung (FID) treffen müssen.
Die Einschränkung von Systemdienstleistungen müsse durch eine Diskussion zwischen der Speicherindustrie und den Netzbetreibern standardisiert werden, forderte Nele Maas. Andernfalls werde das System für die ÜNB, die diese Dienstleistungen beschaffen, noch komplexer.
- Transparenz: Klare und nachvollziehbare Kriterien für FCAs.
- Standardisierung: Einheitliche Vorgaben für alle Netzbetreiber.
- Fairness: Vermeidung von Benachteiligungen für BESS-Projekte.
- Digitalisierung: Investitionen in die Modernisierung der VNB-Netzverwaltung.
Zukunftsaussichten und Lösungsansätze
Die Branche muss vorerst mit dem bestehenden, wenn auch unvollkommenen, System der FCAs leben. Doch es gibt auch proaktive Ansätze von Seiten der Entwickler. Green Flexibility zum Beispiel entwickelt eigene Prognosen für Netzengpässe und schlägt dynamische FCAs vor.
„Wir werden dieses Jahr einen dynamischen FCA mit einem Betreiber diskutieren. Wir haben die Vorschläge selbst erarbeitet, was viel Arbeit und Ressourcen für uns bedeutet. Aber wir müssen es tun, das ist die Welt, in der wir leben“, sagte Leandra Boes.
Diese Eigeninitiative zeigt den Druck, unter dem die Branche steht, aber auch die Entschlossenheit, Lösungen zu finden. Der Ausbau der Batteriespeicherkapazitäten ist entscheidend für die Stabilität des Netzes und die Integration erneuerbarer Energien. Eine engere Zusammenarbeit und ein offener Dialog zwischen Industrie und Netzbetreibern sind unerlässlich, um die Herausforderungen der FCAs zu meistern und die Energiewende erfolgreich voranzutreiben.
Letztendlich profitieren die Netznutzer von mehr Batterien, die Systemdienstleistungen bereitstellen können. Es ist im gesamtgesellschaftlichen Interesse, so viele Batteriespeicher wie möglich für die Netzstabilität zu nutzen.





