Die Energielandschaft in Mittel- und Osteuropa erlebt derzeit einen massiven Ausbau im Bereich der Batteriespeichersysteme (BESS). Große Akteure wie Engie und Econergy investieren signifikant in Polen und Rumänien, um die Netzstabilität zu verbessern und die Integration erneuerbarer Energien voranzutreiben. Parallel dazu entwickelt sich Litauen mit innovativen virtuellen Kraftwerken zum Vorreiter.
Wichtige Erkenntnisse
- Engie erwirbt drittes großes BESS-Projekt in Polen mit 438MW/876MWh.
- Econergy nimmt 70MW/140MWh BESS in Rumänien in Betrieb, kombiniert mit Solarenergie.
- Inion Software startet virtuelles Kraftwerk in Litauen zur Netzstabilisierung.
- Strategische Standorte nahe bestehenden Netzanschlüssen sind entscheidend für neue Projekte.
- Die Region Mittel- und Osteuropa wird zu einem wichtigen Hub für Energiespeicherlösungen.
Engie baut Marktführerschaft in Polen aus
Der französische Energiekonzern Engie verstärkt seine Präsenz auf dem polnischen Markt für Batteriespeichersysteme. Die lokale Tochtergesellschaft Engie Zielona Energia hat ein drittes großes Projekt in Polen erworben. Es handelt sich um ein 438MW/876MWh-System in Działoszyn, in der Region Łódź in Zentralpolen.
Dieses Projekt wurde ursprünglich von Mithra Energy und Futureal Investment Partners entwickelt. Die finanziellen Details der Übernahme wurden nicht öffentlich gemacht. Mit diesem Erwerb wächst das Entwicklungsportfolio von Engie in Polen auf beeindruckende 758MW/2.156MWh.
Faktencheck Engie Polen
- Gesamtportfolio: 758MW/2.156MWh
- Neues Projekt: 438MW/876MWh in Działoszyn
- Fertigstellung: Baubereitschaft Ende 2026, Inbetriebnahme Anfang 2029
Engie erwartet, dass das Projekt in Działoszyn im vierten Quartal 2026 baubereit sein wird. Die Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2029 geplant. Der Standort ist strategisch günstig gewählt, in der Nähe einer bestehenden Netzverbindung eines lokalen Kraftwerks. Dies soll helfen, Netzengpässe zu reduzieren.
Bereits im Juni hatte Engie das 250MW/1.000MWh BESS-Projekt Tursko Wielkie von R.Power erworben. Auch dieses Projekt profitiert von einer strategischen Anbindung an die Infrastruktur eines bestehenden Kraftwerks. Tursko Wielkie ist bereits baubereit und soll Ende 2028 in Betrieb gehen. Kurz darauf kaufte Engie eine weitere 70MW/280MWh-Entwicklung auf einem angrenzenden Gelände, wodurch die geplante Leistung des Tursko Wielkie Projekts auf 320MW und die Kapazität auf 1.280MWh ansteigt.
Econergy verbindet Speicher in Rumänien mit dem Netz
Das unabhängige Energieerzeugungsunternehmen (IPP) Econergy hat ein Batteriespeichersystem an einem kombinierten Solar-PV-Standort in Rumänien ans Netz angeschlossen. Am 2. September wurde die 70MW/140MWh BESS-Komponente des Projekts Parau 1 erfolgreich in Betrieb genommen. Sie ergänzt eine 92MW Solaranlage, die bereits seit 2024 kommerziell in Betrieb ist.
„Die Integration von Batteriespeichern mit Solaranlagen ist entscheidend für die Stabilität unserer Netze und die Maximierung der Nutzung erneuerbarer Energien“, so ein Sprecher von Econergy.
Die gesamten Baukosten für die Energiespeicherkomponente beliefen sich auf etwa 21,3 Millionen Euro, exklusive Finanzierungskosten und Mehrwertsteuer. Die Gesamtkosten des Projekts, einschließlich der Solaranlage, betrugen rund 84,7 Millionen Euro.
Finanzielle Aussichten für Parau 1
Econergy prognostiziert jährliche Einnahmen aus dem Stromverkauf der Speicherkomponente von etwa 9,7 Millionen Euro und ein EBITDA von 7,98 Millionen Euro. Die durchschnittlichen jährlichen Funds from Operations (FFO) aus dem Stromverkauf der Speicherkomponente sollen 6,3 Millionen Euro betragen. Die gesamten jährlichen Einnahmen aus dem Stromverkauf, inklusive Solar, sollen in den ersten fünf Betriebsjahren durchschnittlich 18,4 Millionen Euro erreichen, mit einem EBITDA von 14,7 Millionen Euro und einem FFO von 11,2 Millionen Euro.
Das Projekt, das der britischen Tochtergesellschaft der israelischen Econergy gehört, verfügt über eine spezielle Importkapazität. Dies ermöglicht es, die Batterien nicht nur über die Solaranlage, sondern auch direkt aus dem Netz zu laden. Diese Flexibilität ist entscheidend: Das System kann bei niedrigen oder negativen Strompreisen aus dem Netz geladen werden und Strom abgeben, wenn die Nachfrage Spitzenwerte erreicht. Nur wenige Wochen vor dieser Netzanbindung unterzeichnete Econergy Finanzierungsvereinbarungen für ein weiteres Solar- und Energiespeicherprojekt in Rumänien, Părău 2, mit einem Volumen von 229 Millionen Euro.
Litauen führt virtuelle Kraftwerke ein
Inion Software, ein litauisches Energie-Technologieunternehmen, hat ein virtuelles Kraftwerk (VPP) in Betrieb genommen. Dieses VPP aggregiert Solarenergie, Windkraft, BESS und andere dezentrale Energiequellen (DERs). Das System nimmt bereits am litauischen Stromausgleichsmarkt teil.
Aktuell sind 30 Anlagen mit einer kombinierten Kapazität von 160MW an das VPP angeschlossen. Dr. Šarūnas Stanaitis, CEO von Inion Software, erläuterte die Vorteile:
„Traditionell hatte jedes Kraftwerk sein eigenes lokales Steuerungssystem und wurde als separate Anlage verwaltet. Mit einem virtuellen Kraftwerk können wir mehrere entfernte Kraftwerke an ein zentrales System anschließen und sie als ein einziges Portfolio verwalten. Dies ermöglicht es dem Portfolio auch, am Ausgleichsmarkt teilzunehmen.“
Das VPP kann den Betrieb erneuerbarer Energieanlagen automatisch an Handelsoperationen anpassen. Beispielsweise kann ein Solarsystem bei negativen Preisen daran gehindert werden, Strom ins Netz einzuspeisen, und stattdessen die PV-Energie zur Batterieladung nutzen. Die Plattform kann an allen Ausgleichsmarktchancen teilnehmen, einschließlich der mFRR-, aFRR- und FCR-Regelenergie sowie im Day-Ahead-, Intraday- und kundenspezifischen Handel. Zudem kann es Batteriespeichereinheiten am selben Standort separat steuern und befehligen.
Vorteile virtueller Kraftwerke
- Zentrale Steuerung mehrerer dezentraler Anlagen.
- Aktive Teilnahme am Stromausgleichsmarkt.
- Optimierung der Stromflüsse basierend auf Marktpreisen.
- Erhöhte Flexibilität und Effizienz des Energiesystems.
Inion Software rollt das VPP zunächst in Litauen aus. Das Land gehört zur baltischen Region, die Anfang 2025 vom BRELL-Netz, das sie mit Russland und Belarus teilte, abgekoppelt und mit dem europäischen Netz synchronisiert wurde. Das Unternehmen plant jedoch, die Plattform zu lizenzieren und als White-Label-Lösung in anderen Ländern anzubieten.
Zukunft der Energiespeicherung in CEE
Die Entwicklungen in Polen, Rumänien und Litauen zeigen, dass Mittel- und Osteuropa zu einem wichtigen Zentrum für Energiespeichertechnologien wird. Die strategischen Investitionen von Unternehmen wie Engie und Econergy sowie die innovativen Lösungen von Inion Software sind entscheidend für die Energiewende in der Region. Die Integration von großen Batteriespeichern und virtuellen Kraftwerken wird die Netzstabilität erhöhen und die Nutzung erneuerbarer Energien optimieren. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigeren und unabhängigeren Energieversorgung in Europa.





