Fidra Energy, ein bislang wenig bekannter Akteur im Energiesektor, entwickelt derzeit eines der größten Batteriespeichersysteme (BESS) in Europa. Das Projekt Thorpe Marsh in Großbritannien soll eine Kapazität von 1,4 Gigawatt (GW) und 3,1 Gigawattstunden (GWh) erreichen. Dieses Vorhaben markiert einen bedeutenden Schritt in der europäischen Energiewende und stellt Fidra Energy ins Rampenlicht der Branche.
Wichtige Erkenntnisse
- Fidra Energy entwickelt ein 1,4 GW/3,1 GWh BESS in Thorpe Marsh, Großbritannien.
- Das Unternehmen entstand aus West Burton Energy und konzentriert sich nun ausschließlich auf Batteriespeicher.
- Zweites Großprojekt, West Burton C (500 MW/1 GWh), steht vor dem Abschluss der Finanzierung.
- CEO Chris Elder bringt Erfahrung aus der Gaskraftwerksbranche mit.
- Der europäische Markt für Batteriespeicher wächst rasant.
Vom Gaskraftwerk zum Batteriespeicher-Giganten
Die Geschichte von Fidra Energy ist eng mit der Entwicklung des Energiesektors verbunden. Das Unternehmen entstand aus West Burton Energy (WBE), einer Firma, die 2021 von der Private-Equity-Firma EIG gegründet wurde. EIG hatte damals ein Gas-Kombikraftwerk von EDF erworben. Kurz darauf wurde Chris Elder, der zuvor 16 Jahre bei Intergen (einem Gaskraftwerksbetreiber) tätig war, als CEO eingestellt. Elders Hintergrund liegt klar in der konventionellen Energieerzeugung, was den Wandel des Unternehmens umso bemerkenswerter macht.
Im Jahr 2023 erwarb WBE das Thorpe Marsh BESS-Projekt von Banks Renewables. Das Projekt befand sich in der Nähe des Gas-Kombikraftwerks. Ein Jahr später, 2024, verkaufte WBE das Gaskraftwerk West Burton B an TotalEnergies. Das Unternehmen behielt jedoch ein angrenzendes BESS-Projekt. Diese strategische Entscheidung führte zur Umbenennung von WBE in Fidra Energy, einem Unternehmen, das sich nun voll und ganz auf Batteriespeicher konzentriert.
„Unser Weg von der Gaskraftwerksbranche hin zu Batteriespeichern spiegelt den Wandel der gesamten Energielandschaft wider“, erklärt Chris Elder.
Faktencheck: Thorpe Marsh Projekt
- Kapazität: 1,4 GW / 3,1 GWh
- Standort: Thorpe Marsh, Großbritannien
- Status: Eines der größten Batteriespeicherprojekte in Europa
Strategie und weitere Projekte
Fidra Energy treibt neben Thorpe Marsh ein weiteres Großprojekt voran: West Burton C. Dieses Projekt wird eine Kapazität von 500 Megawatt (MW) und 1 GWh haben. Es wird erwartet, dass die Finanzierung für West Burton C noch in diesem Jahr abgeschlossen wird. Bereits im Januar sicherte sich das Unternehmen einen Teil der Kapazität (die Hälfte) durch einen Vertrag mit Drax.
Die Konzentration auf Batteriespeicher ist eine Reaktion auf den steigenden Bedarf an Flexibilität im Stromnetz. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarkraft, die naturgemäß wetterabhängig sind, werden große Speichersysteme immer wichtiger. Sie helfen, Schwankungen auszugleichen und die Netzstabilität zu gewährleisten.
Der europäische Speichermarkt im Aufwind
Europa erlebt derzeit einen Boom bei Batteriespeichersystemen. Regierungen und Energieunternehmen investieren massiv in diese Technologie, um die ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen. Die Fähigkeit, überschüssige Energie zu speichern und bei Bedarf wieder ins Netz einzuspeisen, ist entscheidend für eine erfolgreiche Energiewende. Projekte wie Thorpe Marsh zeigen das enorme Potenzial dieser Technologie.
Hintergrund: Batteriespeichersysteme (BESS)
BESS sind groß angelegte Batteriesysteme, die Strom speichern und bei Bedarf wieder abgeben können. Sie sind entscheidend für die Integration erneuerbarer Energien ins Stromnetz, da sie helfen, die Volatilität von Wind- und Solarenergie auszugleichen. Sie verbessern die Netzstabilität und ermöglichen eine effizientere Nutzung der erzeugten Energie.
Finanzierungstrends und Branchenausblick
Chris Elder wird seine Expertise auch auf dem bevorstehenden Energy Storage Summit 2026 in London teilen. Dort wird er am 24. und 25. Februar an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Debt Ready Storage: Wie man Projekte strukturiert, die Kreditgeber unterstützen“ teilnehmen. Dies unterstreicht die Bedeutung der Finanzierungsmodelle für Großprojekte im Bereich der Energiespeicherung.
Die Finanzierung von Batteriespeicherprojekten ist komplex. Sie erfordert innovative Ansätze und eine genaue Bewertung der Risiken und Erträge. Private-Equity-Firmen wie EIG spielen eine entscheidende Rolle, indem sie Kapital für die Entwicklung und den Bau dieser Infrastruktur bereitstellen. Die langfristige Rentabilität und die regulatorischen Rahmenbedingungen sind dabei wesentliche Faktoren.
Der Markt für Energiespeicher wird in den kommenden Jahren weiterwachsen. Experten erwarten, dass die Kapazität von BESS in Europa erheblich zunehmen wird. Dies ist nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern auch eine wirtschaftliche Chance. Unternehmen, die frühzeitig in diese Technologie investieren, können sich eine führende Position im zukünftigen Energiemarkt sichern.
Die Transformation von Fidra Energy von einem Gaskraftwerksbetreiber zu einem reinen BESS-Unternehmen ist ein Beispiel für den tiefgreifenden Wandel in der Energiebranche. Es zeigt, wie sich traditionelle Akteure anpassen und neue Geschäftsmodelle entwickeln, um den Anforderungen einer klimafreundlicheren Zukunft gerecht zu werden.
Die Rolle von Speichern für die Netzstabilität
Mit einem immer höheren Anteil erneuerbarer Energien im Strommix wird die Netzstabilität zu einer größeren Herausforderung. Batteriespeicher können hier eine entscheidende Rolle spielen. Sie können innerhalb von Millisekunden auf Änderungen im Netz reagieren und so Frequenzschwankungen ausgleichen. Dies ist besonders wichtig, um Blackouts zu verhindern und eine zuverlässige Stromversorgung zu gewährleisten.
Die Entwicklung von Großspeichern wie Thorpe Marsh ist daher nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein sicherheitsrelevantes Projekt. Es trägt dazu bei, die Infrastruktur für eine nachhaltige Energieversorgung zu stärken und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weiter zu reduzieren. Fidra Energy positioniert sich damit als wichtiger Akteur im Übergang zu einer grüneren Energiezukunft.





