Die Europäische Kommission hat ein umfassendes Paket zur Modernisierung der europäischen Stromnetze vorgestellt. Ziel ist es, die Integration erneuerbarer Energien zu beschleunigen, Engpässe zu beseitigen und die Energiesicherheit in der EU zu erhöhen. Besonders die Energiespeicherbranche begrüßt die vorgeschlagenen Reformen der Netzanschluss- und Genehmigungsverfahren.
Wichtige Erkenntnisse
- Die EU will mit dem neuen Netzpaket die Energiewende beschleunigen.
- Vorschläge zur Reform der Netzanschlüsse sollen Wartezeiten verkürzen und die Effizienz steigern.
- Energiespeicher erhalten erstmals explizite Berücksichtigung in den Leitlinien.
- Kürzere Genehmigungsfristen für Speicherprojekte sind geplant.
- Trotz Fortschritten bleiben Herausforderungen bei der Anerkennung grenzüberschreitender Vorteile von Speichern.
Ein entscheidender Schritt für die Energiewende
Die Europäische Kommission hat am 12. Dezember das sogenannte Europäische Netzpaket vorgestellt. Dieses Maßnahmenbündel ist Teil der Bestrebungen, die Stromnetze an ein dezentraleres, digitaleres und flexibleres Energiesystem anzupassen. Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die EU aufgrund globaler geopolitischer Veränderungen und Handelsschwankungen vor großen Herausforderungen steht. Besonders der Krieg in der Ukraine hat die Bedeutung von Energiesicherheit und Wettbewerbsfähigkeit hervorgehoben.
Im Jahr 2022 stammten 70% des Energieverbrauchs in der EU aus fossilen Brennstoffen. Davon wurden 98% als Öl und Gas importiert. Die Mitgliedstaaten gaben im vergangenen Jahr rund 375 Milliarden Euro für diese Importe aus. Im Gegensatz dazu investierten europäische Länder nur 117 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien und Netzinfrastruktur. China investierte im gleichen Zeitraum 327 Milliarden US-Dollar. Die europäischen Industriestrompreise liegen im Durchschnitt doppelt so hoch wie die in den USA.
Faktencheck: EU-Energieimporte
- 2022: 70% der EU-Energie aus fossilen Brennstoffen.
- 98% dieser fossilen Brennstoffe wurden importiert.
- 375 Milliarden Euro Ausgaben für Importe in 2022.
- 117 Milliarden US-Dollar Investitionen in erneuerbare Energien und Netze in der EU.
- 327 Milliarden US-Dollar Investitionen in China im gleichen Zeitraum.
Beschleunigung von Netzanschlüssen und Genehmigungsverfahren
Der nun vorgelegte Plan zielt darauf ab, den grenzüberschreitenden Energieaustausch zwischen den EU-Mitgliedstaaten zu verbessern und die Engpässe bei Netzanschlüssen und Genehmigungen zu beschleunigen. Diese Engpässe behindern derzeit Großprojekte, einschließlich Energiespeicheranlagen.
Das Paket umfasst neue Leitlinien für effiziente Netzanschlüsse und Contract for Differences (CfDs). Zudem sind Vorschläge zur Überarbeitung der EU-Richtlinie für Genehmigungsverfahren bei Infrastrukturprojekten sowie Änderungen der TEN-E-Planungsgesetzgebung (Transeuropäische Energienetze) enthalten.
Die neuen Leitlinien für Netzanschlüsse berücksichtigen erstmals explizit Energiespeicheranlagen, auch solche, die mit erneuerbaren Energiequellen kombiniert sind. Walburga Hemetsberger, CEO der Solarhandelsgruppe SolarPower Europe, bezeichnete die Leitlinien als "Highlight des Pakets". Die Branchenorganisation Energy Storage Europe (ESE), früher als European Association for Storage of Energy (EASE) bekannt, setzt sich seit Längerem für solche Reformen ein.
"Die Vorschläge zur Reform der Warteschlangen, flexible Anschlussvereinbarungen und die Anerkennung der Systemvorteile von Energiespeichern stimmen eng mit unserem Positionspapier überein."
Hintergrund: Die Rolle von Energiespeichern
Energiespeicher sind entscheidend für die Stabilität und Flexibilität moderner Stromnetze. Sie können überschüssige Energie aus erneuerbaren Quellen speichern und bei Bedarf wieder abgeben. Dies hilft, Schwankungen auszugleichen und die Netzlast zu optimieren. Ohne effiziente Speicherlösungen wäre die vollständige Integration von Wind- und Solarenergie in großem Maßstab kaum möglich.
Von 'Wer zuerst kommt' zu 'Wer zuerst bereit ist'
Die Europäische Kommission schlägt vor, von einem 'first-come-first-served'-Modell für Netzanschlüsse zu einem 'first-ready-first-served'-Ansatz überzugehen. Ein ähnlicher Schritt wurde kürzlich vom britischen Regulierer Ofgem umgesetzt. Daniel Vig, Senior Policy Officer bei ESE, betont, dass dies "die Einführung ausgereifter Anlagen beschleunigen und die Netzeffizienz verbessern wird".
Vig hob hervor, dass Vorschläge zur Reform der Warteschlangen, flexible Anschlussvereinbarungen (bei denen Ressourcen nur dann als netzgebunden gelten, wenn sie mit dem Netz interagieren) und die Anerkennung der Systemvorteile von Energiespeichern eng mit einem kürzlich von der ESE veröffentlichten Positionspapier übereinstimmen.
"Die Priorität beim Netzanschluss muss Projekten eingeräumt werden, die entscheidende Systembedürfnisse adressieren, zum Beispiel die Entlastung von Engpässen oder die Minimierung von Abregelungen. Energiespeichertechnologien sind einzigartig positioniert, um dem Netz diese Vorteile zu bieten", erklärte Vig.
Kürzere Genehmigungsfristen und öffentliches Interesse
Die ESE begrüßt auch die neuen, kürzeren Genehmigungsfristen in der Richtlinie. Für eigenständige Energiespeicher über 100 kW (ausgenommen Wasserstoff) sollen diese maximal sechs Monate betragen. Bei Pumpspeicherkraftwerken (PHES) ist eine Frist von bis zu zwei Jahren vorgesehen. Vig bezeichnete diesen Schritt als "essenziell, um Verfahren zu verkürzen, die heute bis zu sieben Jahre dauern können".
Die Kommission schlägt vor, Energiespeicherressourcen, ob eigenständig oder mit Erzeugungsanlagen gekoppelt, als Projekte von überwiegendem öffentlichem Interesse zu behandeln. Dies, so der ESE-Experte, "unterstreicht die entscheidende Rolle des Speichersektors bei der Bereitstellung von Systemflexibilität und -sicherheit".
Herausforderungen bei grenzüberschreitenden Projekten
Gleichzeitig plant die EU, acht sogenannte Energie-Autobahn-Projekte zu unterstützen. Diese spezifischen Initiativen zielen darauf ab, den grenzüberschreitenden Transport und die Speicherung von Energie zu erhöhen. Die Reformen der TEN-E-Verordnung beinhalten einen "Lückenfüllungsprozess", um Lücken in der grenzüberschreitenden Stromübertragungsplanung zu identifizieren und zu beheben, für die nationale Regulierungsbehörden keine Zuständigkeit haben.
Die Kommission erklärte, dass TEN-E, 2013 eingeführt, zu den Kernzielen der Politik beigetragen habe und "weitgehend gültig" bleibe. Dennoch müssten mehrere Mängel behoben werden, um sicherzustellen, dass der Rahmen ein dekarbonisiertes, wettbewerbsfähiges und widerstandsfähiges Energiesystem bis 2050 unterstützen kann, im Einklang mit den Zielen des Clean Industrial Deal und dem Europäischen Klimagesetz.
Die Rolle von TEN-E umfasst die Identifizierung von Projekten von gemeinsamem Interesse (PCIs). Obwohl Energy Storage Europe eine vorgeschlagene Überarbeitung begrüßt, die Nicht-Kabel- und Flexibilitätslösungen für Netze in den Netzentwicklungsplänen und Kosten-Nutzen-Analysen widerspiegeln soll, bleibt es laut Vig für Energiespeicherprojekte schwierig, den PCI-Status zu erreichen.
Dies liegt daran, dass es zwar keine spezifische Mindestgröße für Energiespeicherprojekte gibt, um sich zu qualifizieren. Die Kosten-Nutzen-Analyse-Methodik für einen früheren Zehnjahres-Netzentwicklungsplan (TYNDP) des Verbandes der Netzbetreiber ENTSO-E zeigte jedoch, dass Projekte etwa 225 MW groß sein müssten, um berücksichtigt zu werden. Der neue Vorschlag ändert nichts an diesen Größenordnungen für Energiespeicher-PCIs, die laut Vig weiterhin "prohibitiv hoch" bleiben.
Zudem gebe es immer noch "keine maßgeschneiderte Methodik zur Bewertung der grenzüberschreitenden Systemvorteile von Speichern", so Vig abschließend. Die Branche hofft auf weitere Anpassungen, um das volle Potenzial der Energiespeicherung für ein stabiles und nachhaltiges europäisches Energienetz ausschöpfen zu können.





