Bulgarien hat sich überraschend zum weltweiten Spitzenreiter bei der Batteriespeicherkapazität im Verhältnis zur installierten Gesamtleistung entwickelt. Das Land übertrifft damit sogar Kalifornien. Diese Entwicklung ist maßgeblich auf EU-Wiederaufbauhilfen und strategische Investitionen zurückzuführen, die in kurzer Zeit ein beeindruckendes Wachstum ermöglichten.
Wichtige Erkenntnisse
- Bulgarien besitzt 5,4 GW Batteriespeicherkapazität, das entspricht 22,8 % der installierten Leistung.
- Kalifornien hat zwar absolut mehr Speicher (16 GW), aber nur 14,9 % der installierten Leistung.
- EU-Wiederaufbauhilfen, insbesondere das RESTORE-Programm, waren entscheidend für den Ausbau.
- Die rasche Expansion führt bereits zu sinkenden Preisspannen und Erträgen für neue Projekte.
- Die meisten Projekte sind eigenständige Systeme, ein Drittel ist mit erneuerbaren Energien gekoppelt.
Bulgariens Aufstieg zur Speichermacht
Innerhalb von nur zwei Jahren hat Bulgarien seine Batteriespeicherkapazität massiv ausgebaut. Das Land verfügt nun über 5,4 Gigawatt (GW) an operativen Batteriespeichern. Dies entspricht beeindruckenden 22,8 Prozent der gesamten installierten Stromerzeugungskapazität des Landes. Im Vergleich dazu erreicht Kalifornien, oft als Vorreiter in diesem Bereich angesehen, mit 16 GW Batteriespeichern nur 14,9 Prozent seiner installierten Kapazität von 107,3 GW.
Diese Zahlen positionieren Bulgarien an der Spitze der globalen Rangliste, wenn man die Speicherkapazität im Verhältnis zur Gesamtleistung betrachtet. Selbst China, mit absolut 150 GW Speicherkapazität, erreicht nur einen Anteil von 3,7 Prozent an seiner viel größeren Strominfrastruktur.
Faktencheck
- Bulgarien: 5,4 GW Speicher, 22,8 % der installierten Leistung (23,8 GW).
- Kalifornien: 16 GW Speicher, 14,9 % der installierten Leistung (107,3 GW).
- China: 150 GW Speicher, 3,7 % der installierten Leistung.
EU-Förderung als Motor des Wachstums
Der entscheidende Impuls für diesen rasanten Ausbau kam von den EU-Wiederaufbauhilfen. Zwei Hauptprogramme spielten dabei eine Rolle: Eines unterstützte Projekte für erneuerbare Energien in Kombination mit Speichern, während das andere, das RESTORE-Programm, sich auf eigenständige Batteriesysteme konzentrierte.
Die genehmigten RESTORE-Projekte erhielten Zuschüsse in Höhe von rund 590 Millionen Euro. Ursprünglich wurde erwartet, dass diese Mittel über 1 Milliarde Euro an zusätzlichen privaten Investitionen mobilisieren würden. Tatsächlich beliefen sich die mobilisierten privaten Investitionen auf fast 1,5 Milliarden Euro. Dies lag daran, dass Investoren kleinere Förderbeträge pro Projekt nutzten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
„Die EU-Wiederaufbauhilfen waren der entscheidende Auslöser. Sie schufen klare Rahmenbedingungen und Fristen, die eine enorme Konzentration des Ausbaus in kurzer Zeit ermöglichten.“
Wirtschaftliche Anreize
Der Zeitpunkt der Investitionen war ebenfalls günstig. Bulgarien hatte bereits erhebliche Solarkapazitäten aufgebaut. Dies führte zu sehr niedrigen oder sogar negativen Strompreisen in den Mittagsstunden, gefolgt von deutlich höheren Preisen am Abend. Batteriespeicher boten eine ideale Möglichkeit, diese Preisspannen zu nutzen und am Ausgleichsmarkt teilzunehmen.
Trotz wiederholter Wahlen und kurzlebiger Regierungen blieben die Förderungen im Rahmen des Wiederaufbauplans stabil. Es gab keine neuen administrativen Hürden, was Investoren Planungssicherheit gab und den schnellen Bau förderte.
Hintergrund: EU-Wiederaufbauplan
Der EU-Wiederaufbauplan (NextGenerationEU) wurde als Antwort auf die COVID-19-Pandemie ins Leben gerufen. Er zielt darauf ab, die europäischen Volkswirtschaften widerstandsfähiger und grüner zu machen. Ein wichtiger Pfeiler ist die Förderung von Investitionen in erneuerbare Energien und Energiespeicher, um die Energiewende voranzutreiben und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Verteilung und Eigentumsverhältnisse der Projekte
Der Ausbau der Batteriespeicheranlagen verteilt sich über das gesamte Land. Einige Batterien wurden an bestehende oder neu gebaute Solarparks angeschlossen. Viele der größten Projekte sind jedoch eigenständige Systeme, die in der Nähe von Umspannwerken oder bestehender Netzinfrastruktur errichtet wurden.
Eine umfassende Projektdatenbank erfasst derzeit 100 operative Projekte mit einer Gesamtleistung von rund 4,84 GW. Innerhalb dieser Stichprobe entfallen etwa zwei Drittel der Kapazität auf eigenständige Systeme und ein Drittel auf Anlagen, die mit erneuerbaren Energiequellen gekoppelt sind. Beide Kategorien sind sogenannte Front-of-the-Meter-Anlagen, also direkt an das Stromnetz angeschlossen.
Begrenzte Kleinspeicher
Für private Haushalte oder Gewerbebetriebe gibt es in Bulgarien kaum zuverlässige Statistiken über Behind-the-Meter-Batteriespeicher. Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass dieses Segment noch sehr klein ist. Regulierte Strompreise für Haushalte und Kompensationsmechanismen, die gewerbliche Verbraucher vor hohen Marktpreisen schützen, haben die wirtschaftliche Attraktivität solcher Installationen bisher geschwächt.
Projektverteilung
- Eigenständige Systeme: ca. 66 % der Kapazität.
- Mit Erneuerbaren gekoppelt: ca. 33 % der Kapazität.
- Gesamt erfasste Projekte: 100 Anlagen mit 4,84 GW.
Vielfältige Investorenlandschaft und Herausforderungen
Die Eigentümerstruktur der Batteriespeicherprojekte ist vielfältig. Internationale Entwickler wie Renalfa, Enery, Rezolv und ContourGlobal sind ebenso vertreten wie bulgarische Unternehmen, darunter Sunotec, Electrohold und Suntera. Auch Industriekonzerne investieren in eigene erneuerbare Anlagen, und lokale Unternehmer steigen erstmals über Batterieprojekte in den Energiesektor ein.
Größere Projekte kombinieren typischerweise EU-Zuschüsse, Eigenkapital und Bankdarlehen. Internationale Institutionen wie die EBRD und IFC sind an einigen Portfolios beteiligt, zusammen mit Geschäftsbanken wie UniCredit, DSK/OTP, UBB/KBC, Raiffeisen International, Citi und Eurobank.
Zukünftige Wirtschaftlichkeit
Die öffentliche Unterstützung hat den Bau der Anlagen erheblich erleichtert, garantiert jedoch keine zukünftigen Einnahmen. Einige der neuen Investoren verfügen über begrenzte Erfahrung im Stromhandel oder im Betrieb flexibler Anlagen. Ihre Ergebnisse werden zunehmend von der Einsatzstrategie und dem Zugang zu verschiedenen Märkten abhängen, anstatt nur vom Besitz einer Batterie.
Mit bereits 5,4 GW angeschlossener Leistung und weiteren 1 GW, die in den kommenden Monaten erwartet werden, beginnen die Batteriespeicher selbst, die Preisspannen und Ausgleichserträge zu reduzieren, die die ersten Investoren anlockten. Die wirtschaftlichen Bedingungen für die nächsten Projekte werden daher voraussichtlich schwieriger sein.
Was ist ein Ausgleichsmarkt?
Der Ausgleichsmarkt dient dazu, kurzfristige Schwankungen im Stromnetz auszugleichen und die Netzstabilität zu gewährleisten. Anbieter von flexibler Leistung, wie Batteriespeicher, können hier ihre Kapazitäten anbieten, um bei Bedarf schnell Strom einzuspeisen oder zu entnehmen. Dies wird vergütet und trägt zur Rentabilität von Speichersystemen bei.





