Der britische Batteriespeichermarkt durchlebt eine wichtige Phase der Entwicklung. Unternehmen wie Adaptogen Capital, eine Investmentgesellschaft für Batteriespeichersysteme (BESS), und ihre Plattform Varco Energy, sind Pioniere in diesem Bereich. Sie erweitern ihre Aktivitäten nun auf den europäischen Kontinent und investieren kräftig in neue Projekte. Diese Expansion spiegelt die wachsende Bedeutung von Energiespeichern für die Stabilität der Stromnetze wider.
Wichtige Erkenntnisse
- Adaptogen Capital investiert 250 Millionen Pfund in BESS-Projekte in Großbritannien.
- Varco Energy betreibt zwei große Batteriespeichersysteme in der Nähe von Liverpool.
- Das Unternehmen plant eine Expansion nach Europa, beginnend mit Belgien, Deutschland und Portugal.
- Die Nutzung von Batteriespeichern im britischen Balancing Mechanism nimmt zu.
- Experten sehen eine Verlangsamung des Preisverfalls bei BESS-Systemen.
Großbritannien als Vorreiter im BESS-Markt
Großbritannien hat sich in den letzten Jahren zu einem führenden Markt für Batteriespeichersysteme entwickelt. Die Notwendigkeit, erneuerbare Energien effizient ins Netz zu integrieren und die Netzstabilität zu gewährleisten, treibt diese Entwicklung voran.
Varco Energy, eine Plattform von Adaptogen Capital, hat bereits zwei große, voll funktionsfähige Projekte in der Nähe von Liverpool in Betrieb genommen. Es handelt sich um die Anlagen 'Native River' und 'Sizing John'. Beide Systeme verfügen über eine Kapazität von 57 MW und 138 MWh. Sie können den Strombedarf für etwa 2,4 Stunden decken.
Faktencheck
- Investition: Adaptogen Capital investiert aktuell 250 Millionen Pfund (ca. 340 Millionen US-Dollar) in neue Projekte.
- Kapazitätserweiterung: Die Anlage 'Sizing John' soll um 40 bis 45 Prozent erweitert werden.
- Systemgröße: Die meisten BESS-Systeme im Vereinigten Königreich sind für eine Dauer von 1 oder 2 Stunden ausgelegt. Varco Energy setzt auf 2,4-Stunden-Systeme.
Zunehmende Bedeutung im Balancing Mechanism
James Mills, Geschäftsführer von Adaptogen Capital, betont die wachsende Rolle von Batteriespeichern im sogenannten Balancing Mechanism (BM) des Vereinigten Königreichs. Der BM ist ein wichtiger Mechanismus zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität, indem er die Stromerzeugung und den Verbrauch in Echtzeit ausgleicht.
„Wir sehen wirklich, wie Batterien im BM eingesetzt werden“, sagt Mills. „Es ist noch ein langer Weg, aber der Einsatz von SOC-Datensätzen und LDES-Anweisungen durch NESO (National Energy System Operator) ist ein wichtiger Moment, um hoffentlich den Marktanteil von BESS im BM zu erhöhen.“
Diese Entwicklung zeigt, dass die Netzbetreiber die Flexibilität und Effizienz von Batteriespeichern zunehmend erkennen und nutzen. Obwohl der Umsatz in Großbritannien derzeit noch als „schwierig“ beschrieben wird, zeigen BM-fokussierte Systeme mit längerer Dauer und hoher Zyklenzahl eine gute Korrelation mit einer höheren Durchdringung erneuerbarer Energien.
Expansion nach Europa: Neue Märkte erschließen
Nach dem Erfolg auf dem britischen Markt richtet Adaptogen Capital seinen Blick nun auf Europa. Mills schätzt, dass die europäischen Märkte in Bezug auf Größe und regulatorische Behandlung von BESS zwei bis fünf Jahre hinter Großbritannien, CAISO und ERCOT zurückliegen.
Dennoch ändern sich die politischen und makroökonomischen Bedingungen schnell. Europa erkennt die Notwendigkeit, unabhängiger zu werden und betrachtet erneuerbare Energien sowie Energiespeicher als zentrale nationale Infrastruktur. Dies schafft attraktive Möglichkeiten für Unternehmen wie Adaptogen Capital.
Hintergrund: Europäischer Markt
Im Gegensatz zum britischen Markt, der stark von börsennotierten BESS-Fonds getragen wurde, sind Banken in der EU konservativer. Sie fordern strukturierte Umsatzmodelle, um das Projektrisiko zu mindern. Eigenkapital wird oft von Pensions- und Infrastrukturfonds bereitgestellt.
Erste Schritte in Belgien, Deutschland und Portugal
Adaptogen Capital plant, in diesem und im nächsten Jahr Kapital in neuen EU-Märkten zu beschaffen. Das Unternehmen könnte dort bis zu einer halben Milliarde Euro in BESS-Projekte investieren. Der erste Schritt beinhaltet die Beschaffung von rund 300 Millionen Euro zur Finanzierung der ersten vier Projekte in Belgien und Deutschland.
Diese Strategie unterstreicht das Vertrauen in das Wachstumspotenzial des europäischen Batteriespeichermarktes. Die europäische Energiewende erfordert massive Investitionen in Speichertechnologien, um die Volatilität von Wind- und Solarenergie auszugleichen.
Kapitalinvestitionen und Kostenentwicklung
Ein wichtiges Thema in der Branche ist die Entwicklung der Kapitalinvestitionen (Capex) für Batteriespeichersysteme. Nach Jahren des Rückgangs könnten die Kosten nun stagnieren oder sogar wieder leicht ansteigen.
Mills beobachtet eine Mäßigung des Capex-Rückgangs im Vereinigten Königreich. Mehrere Faktoren tragen zu einem inflationären Druck bei. Dazu gehören steigende Lithiumcarbonatpreise sowie Inflation bei den sogenannten 'Balance of Plant'-Komponenten wie Kupferkabeln, Transformatoren und Tiefbauarbeiten. Auch die Auswirkungen der jüngsten makroökonomischen und geopolitischen Instabilität sind noch nicht vollständig sichtbar.
„Wir könnten an einem Punkt angelangt sein, an dem die besten Capex nicht mehr so aggressiv fallen wie in den letzten drei Jahren, und vielleicht auf Systemebene für ein paar Jahre seitwärts verlaufen“, so Mills.
Die Bedeutung des Standorts
Mills ist ein Befürworter einer standortbezogenen Preisgestaltung im Vereinigten Königreich, eine Reform, die letztes Jahr von der Regierung abgelehnt wurde. Er ist der Ansicht, dass das System den Standort letztendlich belohnen muss, um wirtschaftlich effiziente Preissignale zu schaffen.
Er argumentiert, dass erneuerbare Stromerzeugung im hohen Norden Schottlands, weit entfernt von den Hauptverbrauchszentren, für das System weniger wertvoll ist. Eine standortbezogene Bewertung würde Ineffizienzen reduzieren und die Betriebskosten für Verbraucher senken.
- Vorteile von Speicheranlagen: Speicheranlagen an beiden Enden von Netzengpässen sind wertvoll.
- Varco's Strategie: Während einige große BESS-Projekte in Schottland am Erzeugungsende von Engpässen entstehen, zielt Varco auf das Verbrauchsende ab.
Obwohl der standortbezogene Wert auf der Nachfrageseite im Vereinigten Königreich noch nicht stark zum Tragen kommt, bleibt dies ein wichtiges Thema für die langfristige Effizienz des Stromnetzes.
Fazit und Ausblick
Der Batteriespeichermarkt befindet sich in einer dynamischen Phase. Unternehmen wie Adaptogen Capital treiben Innovationen und Expansion voran, sowohl in etablierten Märkten wie Großbritannien als auch in aufstrebenden Regionen in Europa. Die Herausforderungen liegen in der Kostenentwicklung und der Schaffung fairer regulatorischer Rahmenbedingungen, die den Wert von Energiespeichern voll anerkennen.
Die zunehmende Integration von Batteriespeichern in die nationalen Energiesysteme ist entscheidend für eine erfolgreiche Energiewende und die Sicherstellung einer stabilen und nachhaltigen Stromversorgung.





