Großbritannien verzeichnete im letzten Jahr den größten Ausbau von Batteriespeichern im Netzmaßstab. Trotz dieser Fortschritte drohen Planungshemmnisse und steigende Kosten den weiteren Schwung zu bremsen. Experten warnen, dass das Land Gefahr läuft, die dringend benötigte Entwicklung zu verlangsamen.
Wichtige Erkenntnisse
- Großbritannien erreichte 2025 mit 4 GWh neuen Installationen einen Rekordausbau bei Batteriespeichern.
- Die kumulierte Kapazität stieg auf 12,9 GWh, ein Wachstum von 45%.
- Planungshemmnisse, fehlendes Fachwissen und lokaler Widerstand verzögern viele Projekte.
- Es gibt keine einheitliche Planungseinstufung für Batteriespeicher, was zu inkonsistenten Entscheidungen führt.
- Die Sorge um Brandschutz ist ein Hauptgrund für den Widerstand in ländlichen Gemeinden.
Rekordwachstum bei Batteriespeichern im Vereinigten Königreich
Das Vereinigte Königreich hat im Jahr 2025 einen bemerkenswerten Fortschritt beim Ausbau von Batteriespeichersystemen (BESS) erzielt. Die operative Kapazität stieg um 45 Prozent, was einer zusätzlichen Leistung von 4 Gigawattstunden (GWh) entspricht. Damit erreichte die kumulierte Gesamtkapazität beeindruckende 12,9 GWh.
Diese Zahlen markieren den höchsten bisher verzeichneten Ausbau in Gigawattstunden. Es handelt sich um ein Wachstum von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2024. Trotzdem verlangsamte sich die Wachstumsrate im Vergleich zu den 53 Prozent, die zwischen 2023 und 2024 erreicht wurden.
Faktencheck: Ausbau 2025
- Neue Installationen: 4 GWh
- Kumulierte Kapazität: 12,9 GWh
- Wachstum gegenüber Vorjahr: 30%
- Anteil großer Anlagen (>50MW): über 75% der neuen Kapazität
Herausforderungen im Planungsprozess
Experten wie Kevin Byrne, BESS-Beratungsmanager bei Enertis Applus+, weisen darauf hin, dass trotz des positiven Wachstums erhebliche Hindernisse den weiteren Ausbau gefährden. Das britische Planungsystem sei von inkonsistenter Regulierung, knappem technischem Fachwissen und wachsendem lokalen Widerstand geprägt.
Byrne betont, dass Entwickler oft in einem System feststecken, das speziell für Batteriespeicher nicht ausreichend vorbereitet ist. Viele Projekte erleiden Verzögerungen oder werden gänzlich blockiert. Die Kosten steigen dadurch ebenfalls an.
Mangelndes technisches Wissen bei Behörden
Ein zentrales Problem ist das fehlende technische Wissen bei den Planungsbehörden. Während lokale Behörden wie Stadt- und Bezirksräte mit der Planung von Solar-PV- und Windenergieprojekten vertraut sind, sind BESS-Entwicklungen für viele Neuland. Dies führt zu einer Unsicherheit bei der Bewertung von Anträgen.
Hintergrund: Nationale Planungspolitik
Batteriespeicher sind im National Planning Policy Framework des Vereinigten Königreichs nicht explizit aufgeführt. Dies zwingt lokale Behörden dazu, eigene Ansätze zu entwickeln, was zu einem Flickenteppich unterschiedlicher Anforderungen führt.
Byrne nennt ein Beispiel, bei dem ein Rat in Südengland einen BESS-Antrag ablehnte, während ein benachbarter Rat einen ähnlichen Antrag nur 600 Meter vom ersten Standort entfernt genehmigte. Solche inkonsistenten Entscheidungen sind laut Byrne eine direkte Folge des Mangels an einer einheitlichen und spezifischen Planungsklassifikation für BESS.
„Das Vereinigte Königreich hat erhebliche Fortschritte beim Einsatz von Batteriespeichern im Netzmaßstab gemacht, aber Planungshemmnisse drohen nun, den Schwung genau in dem Moment zu bremsen, in dem die Speicherung am dringendsten benötigt wird.“
Widerstand aus der Bevölkerung und Sicherheitsbedenken
Ein weiterer bedeutender Faktor, der den Ausbau behindert, ist der wachsende Widerstand aus der Bevölkerung. Dieser Widerstand konzentriert sich häufig auf Brandschutzbedenken und die visuelle Auswirkung der Anlagen.
Obwohl die Sicherheitsbilanz der Branche sich sowohl in Großbritannien als auch weltweit verbessert, hält sich in ländlichen Gemeinden eine Angst vor der Technologie. Laut Daten des US Electric Power Research Institute (EPRI) gab es im Vereinigten Königreich bisher nur zwei thermische Zwischenfälle bei BESS-Projekten, die fünf Jahre auseinanderlagen (2020 und 2025).
Die globale Statistik zeigt ebenfalls eine Verbesserung: Die Häufigkeit von Zwischenfällen sank von einem Vorfall pro 0,15 GWh im Jahr 2020 auf einen Vorfall pro 1,5 GWh im Jahr 2024. Trotz dieser positiven Entwicklung erwähnen lokale Oppositionsgruppen oft Vorfälle aus Übersee, die möglicherweise nicht den strengen britischen Sicherheitsstandards entsprechen würden.
Verbesserung der Sicherheitsstandards
Die Industrie arbeitet aktiv an der Verbesserung der Sicherheitsstandards. Normen wie NFPA 855 und Sicherheitstests wie UL9540A entwickeln sich ständig weiter und werden von großen BESS-Anbietern international zunehmend übernommen. Im Vereinigten Königreich ist die jüngste Veröffentlichung von Notfallrichtlinien für BESS-Vorfälle durch den National Fire Chiefs Council ein wichtiger Schritt vorwärts.
Diese Richtlinien unterstreichen die Bedeutung einer nachweisbaren Sicherheitsleistung. Die Einhaltung anerkannter Teststandards wird immer wichtiger, um das Vertrauen der Stakeholder zu gewinnen. Dennoch bleiben Projekte oft jahrelang verzögert oder werden vollständig von lokalen Behörden blockiert, selbst wenn keine technischen Einwände von Experten oder Institutionen wie der Umweltbehörde vorliegen.
Wege zur Beschleunigung des Ausbaus
Um den Ausbau von Batteriespeichern zu beschleunigen, sind mehrere Maßnahmen erforderlich. Kevin Byrne schlägt vor, den aktuellen Flickenteppich von Anforderungen zu beseitigen und die technische Kapazität innerhalb der Gemeinderäte zu verbessern. Auch die Kommunikation mit den Gemeinden muss gestärkt werden.
- Harmonisierung der Anforderungen: Eine landesweite, einheitliche Planungsklassifikation für BESS würde Inkonsistenzen reduzieren.
- Schulung der Behörden: Spezifische Schulungen für Planungsbehörden zum Thema Batteriespeicher sind notwendig.
- Bessere Kommunikation: Offene und transparente Kommunikation mit lokalen Gemeinden kann Ängste abbauen und Fehlinformationen entgegenwirken.
- Standardisierung der Sicherheit: Die konsequente Anwendung und Kommunikation internationaler und nationaler Sicherheitsstandards ist entscheidend.
Der Energiespeicher-Gipfel 2026, der sich auf den britischen und europäischen Markt konzentriert, wird am 24. und 25. Februar im InterContinental London – The O2 stattfinden. Solche Veranstaltungen sind wichtig, um Lösungen für die aktuellen Herausforderungen zu diskutieren und den Dialog zwischen allen Beteiligten zu fördern.





