Die Batterie-Datenanalyse hat sich in den letzten Jahren zu einem entscheidenden Faktor in der Energiespeicherbranche entwickelt. Betreiber von Batteriespeichersystemen (BESS) erhalten dadurch tiefere Einblicke in ihre Anlagen, was fundiertere Entscheidungen zwischen dem Schutz der Anlagenlebensdauer und der Umsatzmaximierung ermöglicht. Cloud-basierte Analysesoftware, sowohl von Drittanbietern als auch Eigenentwicklungen, hilft Projekten, Sicherheit zu verbessern, Versicherungs- und Finanzierungsbedingungen zu optimieren und die Leistung zu steigern.
Wichtige Erkenntnisse
- Batteriedatenanalyse ist entscheidend für die Optimierung von BESS-Anlagen.
- Softwarelösungen verbessern Sicherheit, Finanzierung und Leistung.
- Gesetzliche Änderungen und höhere Zinsen in den USA forcieren den Einsatz von Daten.
- Fokus verlagert sich von reaktiver zu proaktiver Betriebsführung.
- Daten müssen operationalisiert werden, um strategische Vorteile zu erzielen.
Ein Weckruf für die Branche: 2025 als Wendepunkt
Das Jahr 2025 markierte einen Wendepunkt für die US-amerikanische Energiespeicherbranche. Lennart Hinrichs, Executive VP und General Manager Americas bei TWAICE, bezeichnete die damals aufkommenden legislativen und finanziellen Einschränkungen als einen „Weckruf“. Entwickler beeilten sich, Projekte vor den bevorstehenden Regeländerungen zu qualifizieren, was zu einem Rekordausbau von Solar- und Speicheranlagen führte. Gleichzeitig machten höhere Zinsen, wechselnde Tarife und neue Gesetze Projekte teurer und die Finanzierung schwieriger.
Das sogenannte „One, Big, Beautiful Bill Act“ (OBBBA) bewahrte zwar Anreize für Batteriespeicher, verschärfte jedoch gleichzeitig die Bedingungen durch restriktivere Steuergutschriften und Regeln für ausländische Unternehmen. Diese Kombination verlangsamte nicht nur Geschäftsabschlüsse, sondern veränderte auch die Definition von Erfolg in der BESS-Branche.
„Die legislativen und finanziellen Einschränkungen des letzten Jahres waren ein Weckruf. Projekte werden jetzt nach vorhersehbaren Einnahmen und Bankfähigkeit beurteilt, nicht nur nach Kosten oder Geschwindigkeit.“
Faktencheck: Finanzielle Hürden
- Höhere Zinsen: Machten Projektfinanzierungen teurer.
- Verschärfte Steuergutschriften: Reduzierten finanzielle Anreize.
- Neue Gesetze: Erhöhten die Komplexität der Projektentwicklung.
Reifende Branche: Von Rohdaten zu strategischen Einblicken
Die Energiespeicherbranche entwickelt sich weiter. Betreiber verlassen sich nicht länger auf einfache, selbst erstellte Tools zur Optimierung des Einsatzes und zur Identifizierung ungenutzter Kapazitäten. Wer Daten richtig nutzt, kann seine wachsenden BESS-Portfolios zu Erfolgsgeschichten machen. Zukünftige Lösungen konzentrieren sich auf operative Ergebnisse statt nur auf die Projektlieferung.
Das Bewusstsein für die Rolle der Datenanalyse wächst stetig. Angesichts schwierigerer Betriebsbedingungen und wachsender Portfolios achten Betreiber verstärkt auf Daten und Analysen. Anbieter müssen sich auf Systemebenen-Analysen konzentrieren. Während Zell-Ebene-Daten wichtig sind, ist die relevanteste Metrik für Eigentümer das, was am Einspeisepunkt (POI) geschieht. Analysen sollten daher die gesamte Kette überwachen, einschließlich Module, Racks, Stromwandlersysteme (PCS) und Transformatoren, um Rundreiseeffizienz (RTE) und Netzanforderungen zu berücksichtigen.
Hintergrund: TWAICE und Modo Energy
TWAICE hat im Frühjahr des letzten Jahres eine Partnerschaft mit der Marktintelligenzplattform Modo Energy im ERCOT-Markt in Texas geschlossen. Dieses integrierte Angebot kombiniert TWAICE's Einblicke in Leistung, Sicherheit und Lebenszyklus mit Modo Energy's Marktdaten zur BESS-Anlagenleistung. Ziel ist es, eine präzisere, anlagenspezifische Berechnung der Einnahmen am genauen Abrechnungspunkt zu ermöglichen.
Von reaktiver zu proaktiver Betriebsführung
Analytikanbieter müssen den Übergang von reaktiven zu proaktiven Operationen ermöglichen. Das bedeutet, dass Analysen nicht nur Warnungen liefern, sondern automatisierte, präskriptive Maßnahmen vorschlagen, die Ausfallzeiten und Strafen verhindern. Sie müssen Ausfallursachen in monetäre Auswirkungen übersetzen, etwa in US-Dollar pro Megawattstunde oder vermiedene Bußgelder. Zudem sollen sie prüfbereite Nachweise für Kreditgeber, Versicherer und Garantieansprüche liefern.
Die Rolle der Analyse verschiebt sich: Von der primären Aufgabe, sichere Operationen zu gewährleisten, hin zur aktiven Monetarisierung von Speicheranlagen. Betreiber wünschen sich Anlagen, die konstant Einnahmen generieren, nicht nur solche, die Zwischenfälle vermeiden. Dies erfordert zuverlässige, angereicherte Telemetriedaten, Analysen, die den Zustand und die Verfügbarkeit in monetäre Werte umwandeln, sowie eine klare Datenhoheit zur Nachweisführung bei Unterperformance oder Garantieansprüchen.
Die drei Schritte zur Operationalisierung von Daten
- Datenhoheit sichern: Zuverlässiger Zugriff auf POI-, System- und Komponententelemetrie über alle Integratoren und Anbieter hinweg ist essenziell.
- Eine einzige Quelle der Wahrheit schaffen: Betriebsdaten müssen normalisiert und zentralisiert werden, damit Teams eine konsistente Sicht über alle Standorte und Technologien hinweg haben.
- Hochvolumige Daten in eine Entscheidungsmaschine umwandeln: Standardisierte Betriebsdaten in prädiktive KPIs, automatisierte Warnungen und präskriptive Workflows umwandeln. Dies ermöglicht Teams, proaktiv zu handeln, Leistungsminderungen zu verhindern, Sicherheitsrisiken zu reduzieren und Einnahmen zu maximieren.
Wichtige Kennzahlen für BESS-Betreiber
- Round-Trip-Effizienz (RTE): Misst die Effizienz des Lade- und Entladezyklus.
- Point of Interconnection (POI): Der entscheidende Punkt für die Energieeinspeisung ins Netz.
- Verfügbarkeit: Die Zeit, in der das System betriebsbereit ist und Einnahmen generieren kann.
Blick in die Zukunft: Prioritäten für 2026 und darüber hinaus
Für 2026 und die kommenden Jahre muss die Branche die Daten von BESS-Anlagen in einen strategischen Vorteil umwandeln. Dies ist notwendig für ein proaktives Management von Flotten im Gigawattstunden-Bereich. Die Operationalisierung der Daten steht dabei im Mittelpunkt. Dies bedeutet, dass Daten nicht nur gesammelt, sondern aktiv genutzt werden, um fundierte Entscheidungen zu treffen und den Betrieb zu optimieren.
Die Fokussierung auf vorhersehbare Einnahmen und Bankfähigkeit wird entscheidend sein. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit von funktionsübergreifenden Teams aus den Bereichen Betrieb, Handel und Finanzen, die auf einer gemeinsamen Datenbasis arbeiten.
Zukünftige Herausforderungen und Chancen
- Skalierung: Analysetools müssen in der Lage sein, Milliarden von Datenpunkten täglich über verschiedene Technologien und Integratoren hinweg zu verarbeiten.
- Automatisierung: Übergang von manuellen zu automatisierten, präskriptiven Aktionen zur Vermeidung von Ausfallzeiten.
- Monetarisierung: Daten nutzen, um den finanziellen Wert von Speicheranlagen aktiv zu steigern.
Das Energy Storage Summit USA, das vom 24. bis 25. März 2026 in Dallas, TX, stattfindet, wird diese Themen aufgreifen. Dort werden Herausforderungen wie FEOC-Bestimmungen, die Vorhersage des Strombedarfs und das Management der BESS-Lieferkette diskutiert. Auch der Energy Storage Summit EU 2026 in London am 24. und 25. Februar 2026 wird wichtige Impulse für die europäische Energiespeicherbranche geben.
Die Fähigkeit, Daten effektiv zu nutzen und in strategische Entscheidungen umzusetzen, wird den Erfolg von Energiespeicherprojekten in den kommenden Jahren maßgeblich bestimmen.





