Australien macht große Fortschritte bei der Umstellung seines Energiemix. Der australische Energiemarktbetreiber (AEMO) meldet, dass fast drei Viertel der neuen Batteriespeicherprojekte im National Electricity Market (NEM) mit netzbildenden Wechselrichtern ausgestattet sind. Diese Technologie ist entscheidend für die Stabilität des Netzes, da das Land von Kohlekraftwerken abrückt.
Wichtige Erkenntnisse
- 74% der neuen Batteriespeicher nutzen netzbildende Wechselrichter.
- Die Speicherkapazität im NEM stieg im letzten Jahr um 62%.
- Netzbildende Batterien sichern die Netzstabilität beim Kohleausstieg.
- NSW benötigt bis 2030 zusätzliche 75% Speicherkapazität.
Netzbildende Technologie als Rückgrat der Energiewende
Die Umstellung auf erneuerbare Energien erfordert stabile Stromnetze. Netzbildende Batteriespeichersysteme (BESS) mit fortschrittlichen Wechselrichtern können Spannung und Frequenz im Netz selbstständig regulieren. Dies ist eine Funktion, die traditionell von Kohle- und Gaskraftwerken mit ihren rotierenden Turbinen erbracht wurde.
AEMO sieht in dieser Technologie eine zentrale Säule seiner Strategie zur Systemstärkung. Die Notwendigkeit dieser Anpassung wächst, da Australien seine Kohlekraftwerke schrittweise stilllegt.
Faktencheck: Australiens Speicherboom
- 33,2 GW: Leistung der Batteriespeicher im NEM im ersten Quartal 2026.
- Dies entspricht einem 62%igen Anstieg gegenüber dem ersten Quartal 2025 (20,5 GW).
- 49% der gesamten Entwicklungspipeline von 67,3 GW entfallen auf Batteriespeicher.
Herausforderungen und Erfolge bei der Umsetzung
Die Einführung dieser Technologie bringt auch Herausforderungen mit sich. Vertreter von AGL und Fluence diskutierten auf dem Energy Storage Summit Australia 2026 über technische Hürden und innovative Inbetriebnahme-Lösungen. Das 500MW/1.000MWh Liddell-BESS-Projekt dient hier als wichtiges Lernfeld.
Margarida Pimentel, AEMO Group Manager für Onboarding und Anschlüsse, äußerte sich positiv über die Entwicklung. „Es gibt eine positive Dynamik in der Anschluss-Pipeline, mit starkem Wachstum bei Projekten, die die frühen Phasen des Antragsprozesses durchlaufen“, sagte Pimentel.
Wachstum quer durch die Erneuerbaren
Die aktuellen Zahlen des AEMO Connections Scorecard zeigen ein breites Wachstum im Bereich der erneuerbaren Energien. Neben den Batteriespeichern expandieren auch andere Sektoren deutlich.
- Die Kapazität der Solarstromanlagen in der Pipeline stieg von 17,7 GW auf 20,7 GW im Jahresvergleich.
- Die Windkraftkapazität erhöhte sich von 8,32 GW auf 9,75 GW.
- Die Wasserkraft blieb stabil bei 3 GW.
Interessanterweise sank die Gaskapazität um 74% von 0,9 GW auf 0,2 GW. Dies geschah, obwohl das 660 MW Hunter Power Station vollständig in Betrieb genommen wurde.
Hintergrund: Strombedarf und Kohleausstieg
Australien erwartet bis 2035 einen Anstieg des Strombedarfs um 28%. Gleichzeitig sollen in den nächsten zehn Jahren 11 GW vorwiegend kohlebefeuerter Kraftwerke stillgelegt werden. Dazu gehören große Anlagen wie Eraring, Bayswater und Vales Point in New South Wales, Yallourn in Victoria und Callide B in Queensland. Neue Kapazitäten sind daher dringend notwendig.
Regionale Unterschiede und Finanzierungsengpässe
Während die Gesamtentwicklung positiv ist, gibt es regionale Unterschiede und Herausforderungen. New South Wales (NSW) benötigt bis 2030 eine Speicherkapazität von 56 GWh. Davon haben bisher jedoch nur 12,5 GWh eine finanzielle Investitionsentscheidung erreicht. Das bedeutet, 75% der benötigten Kapazität fehlen noch.
„Vor zwei Jahren benötigten wir 40 GWh Speicherkapazität bis 2030. Das ist jetzt auf 56 GWh gestiegen, allein aufgrund der Solarenergie-Durchdringung. Von den benötigten 56 GWh haben 12,5 GWh die finanzielle Investitionsentscheidung erreicht. 75% dessen, was wir 2030 brauchen, ist heute noch nicht vorhanden.“
Der Wechsel von Wind- zu Solarenergie im Erzeugungsmix hat den Speicherbedarf von NSW um 16 GWh erhöht. Solaranlagen liefern pro Tag über weniger Stunden Strom als Windkraftanlagen.
Margarida Pimentel stellte fest, dass Projekte in der Umsetzungsphase länger dauern. Dies liegt an unsicherer Finanzierung, Eigentümerwechseln, Lieferkettenproblemen und Ressourcenengpässen sowie Designänderungen. Sie betont die Wichtigkeit, dass diese Projekte bis zur vollständigen Inbetriebnahme voranschreiten, um die Zuverlässigkeit des Stromsystems zu gewährleisten.
Victoria als Vorreiter
Victoria hat sich ein Ziel von 6,3 GW bis 2035 gesetzt und ist bereits der erste Bundesstaat, der über 1 GW gleichzeitiger Batterieladung erreicht hat.
Internationale Anziehungskraft und globale Entwicklungen
Die Beschleunigung des Batteriespeicherausbaus in Australien wird auch durch geopolitische Instabilität im Nahen Osten beeinflusst. Diese hat globale Kraftstofflieferungen gestört und Australiens jährliche Abhängigkeit von importiertem Öl und Diesel im Wert von 50 Milliarden AU$ (ca. 35,64 Milliarden US$) verdeutlicht.
Tim Buckley, Gründer und Direktor des Think Tanks Climate Energy Finance, sieht Australien als sicheren Hafen für internationale Investitionen in erneuerbare Energien.
„Erhebliches Kapital aus China, Europa und Amerika floss in die Batteriemärkte des Nahen Ostens, die Australien als einen der am schnellsten wachsenden Batteriespeichermärkte weltweit herausforderten. All das wäre auf Eis gelegt worden, und so hätten globale Investoren wieder einmal eine Erinnerung. Geopolitische Risikoprämien in Australien sind aus einem Grund sehr niedrig.“
Australien bietet internationalen Investoren eine Kombination aus geringem geopolitischem Risiko, reichlich Kapital, großer Landverfügbarkeit und hervorragenden Onshore-Wind- und Solarressourcen.
Ein Blick nach Europa und China
Im März 2026 wurden allein in Europa 3,4 GWh Batteriespeichersysteme in Betrieb genommen, was 19% des weltweiten Gesamtvolumens ausmacht und mehr ist als im gesamten Jahr 2023. Global gesehen gingen im März 6,7 GW/18,4 GWh an netzgebundenen Batteriespeichersystemen in Betrieb. China trug mit etwa 40% des Gesamtvolumens (2.765 MW/8.536 MWh) den größten Anteil bei.





