Der Schweizer Energiekonzern Alpiq hat eine 90-prozentige Beteiligung am britischen Batteriespeicherentwickler Harmony Energy erworben. Diese Akquisition, die Anfang Juli bekannt gegeben wurde, soll Harmony Energy die nötige finanzielle Stärke verleihen, um seine ehrgeizigen Expansionspläne in Europa zu beschleunigen. Peter Kavanagh, Mitbegründer von Harmony Energy, behält einen Anteil von 10 Prozent und bleibt Teil des Führungsteams.
Wichtige Erkenntnisse
- Alpiq hat 90% der Anteile an Harmony Energy erworben.
- Harmony Energy behält seine operative Unabhängigkeit und sein Managementteam.
- Die Akquisition ermöglicht Harmony Energy eine beschleunigte Projektentwicklung durch Alpiqs Finanzkraft.
- Die Unternehmen haben bereits in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet.
- Expansionspläne umfassen Projekte in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Polen.
Strategische Partnerschaft für europäisches Wachstum
Harmony Energy wurde 2016 als Entwickler von Batteriespeichersystemen (BESS) in Großbritannien gegründet. Mittlerweile hat das Unternehmen seine Aktivitäten auf Frankreich, Deutschland und Polen ausgeweitet. Die Suche nach einem strategischen Käufer war eine bewusste Entscheidung, um das Wachstum zu sichern.
Peter Kavanagh erklärte, dass es nach dem Verkauf des Harmony Energy Income Trust (HEIT) schwierig war, ausreichend privates Kapital zu beschaffen. Der HEIT war zuvor das Hauptinstrument zur Finanzierung der Projekte von Harmony.
"Wir kannten Alpiq in den letzten Jahren sehr gut, da wir ihnen zwei Standorte in Frankreich verkauft hatten", sagte Kavanagh. Er verwies auf die Projekte Cheviré und Oise, beide mit einer Kapazität von 100 MW/200 MWh. "Für mich war es immer das beste Szenario, dass sie als Gewinner des Prozesses hervorgehen, weil sie kulturell sehr gut zu uns passen. Sie sind super leidenschaftlich, was wir im Batteriespeicherbereich erreichen wollen, und sie verfügen über ein tiefes Wissen in ganz Europa."
Faktencheck
- Alpiq ist ein führender Schweizer Energiekonzern.
- Die Marktkapitalisierung von Alpiq beträgt rund 1,33 Milliarden CHF (ca. 1,65 Milliarden US-Dollar).
- Harmony Energy hat bereits zwei 100 MW/200 MWh-Projekte in Frankreich an Alpiq verkauft.
Finanzielle Stärke und Unabhängigkeit
Ein wesentlicher Vorteil der Übernahme ist die künftige Projektfinanzierung. Harmony Energy muss sich nicht mehr primär um die Kapitalbeschaffung kümmern, da Alpiq über die notwendigen finanziellen Mittel verfügt. Projekte können nun direkt über die Bilanz von Alpiq finanziert werden.
Kavanagh betonte jedoch, dass Harmony Energy weiterhin als eigenständiges Unternehmen agieren wird. Das Team, die Marke und die Philosophie bleiben unverändert. Alpiq war daran interessiert, den Unternehmergeist und die schnelle Entscheidungsfindung bei Harmony zu bewahren, da die Attraktivität des Deals in der schnellen Umsetzung der Projektpipeline lag.
"Es mag ungewöhnlich klingen, aber es ist so ziemlich business as usual, nur auf einem beschleunigten Pfad, ohne den Aufwand, zusätzliches Eigenkapital beschaffen zu müssen", erklärte Kavanagh.
Beschleunigte Entwicklung und Beschaffung
Die Beschaffungsstrategie von Harmony Energy bleibt ebenfalls bestehen. Das Unternehmen wird weiterhin mit bewährten Anbietern wie Tesla und Envision Energy zusammenarbeiten und plant, einen dritten Anbieter in den Mix aufzunehmen. Dies sichert eine diversifizierte und wettbewerbsfähige Lieferkette.
Aktuell befinden sich drei Standorte im Bau: einer in Großbritannien kurz vor der Inbetriebnahme und zwei weitere in Frankreich. Zahlreiche andere Projekte befinden sich in der Planungsphase in Großbritannien, Deutschland und Frankreich.
Hintergrund: Alpiqs Engagement in BESS
Alpiq ist selbst aktiv im Bereich Batteriespeicher. Das Unternehmen betreibt eigene BESS-Projekte in Europa, darunter zwei Anlagen in Finnland mit einer kombinierten Kapazität von 286 MWh. Zudem hat Alpiq eine Pipeline von 370 MW in Deutschland und kürzlich ein 1,2 GWh-Projekt in der Schweiz angekündigt. Alpiq ist auch ein wichtiger Abnehmer für BESS-Anlagen, unter anderem für eines der größten online geschalteten Projekte in Deutschland.
Optimierung und Offtake-Strategie
Die Frage nach der Offtake- und Optimierungsstrategie für Harmony Energys Projekte ist zentral. Alpiq selbst bietet Offtake-Dienstleistungen für BESS-Besitzer an. Trotzdem wird Harmony Energy weiterhin auf wettbewerbsorientierte Prozesse setzen, um die besten Partner zu finden.
Kavanagh erläuterte, dass Alpiq in einigen Märkten wie Großbritannien und Polen keine eigenen Handelskapazitäten besitzt. Dort wird Harmony Energy weiterhin mit den besten Anbietern im Markt zusammenarbeiten. Das Cheviré-Projekt in Frankreich nutzt beispielsweise Tesla Autobidder, welches hervorragende Ergebnisse liefert und voraussichtlich beibehalten wird.
"Es ist eine wirklich gute Frage. Das zentrale Thema ist, weiterhin wettbewerbsorientierte Prozesse durchzuführen, da Harmony immer noch eine unabhängige Plattform ist, aber zweifellos werden unsere Leute Handelsdienstleistungen integrieren", sagte Kavanagh. "In Deutschland könnte es in einigen Jahren eine Nuance geben, wo sie den Handel intern übernehmen würden. Aber es muss ein wettbewerbsorientierter Marktprozess sein. Wenn man es als unabhängige Plattform betrachtet, möchte man nicht die Verpflichtung haben, Alpiq zu nutzen. Wenn sie die Stärksten sind, dann großartig. Aber wir haben Glück, dass es ein sehr wettbewerbsintensiver Markt ist. Es gibt so viele gute Handelspartner, dass es ziemlich schwer ist, sich zu entscheiden."
Zukünftige Projektpipeline
Harmony Energy hat eine vielversprechende Pipeline für die nahe Zukunft:
- Großbritannien: Acht Projekte sind ausgeschrieben für BESS- und EPC-Lieferungen. Die Verträge sollen im dritten oder vierten Quartal dieses Jahres unterzeichnet werden, Baubeginn ist Anfang nächsten Jahres.
- Frankreich: Zwei Projekte sind bereits im Bau, zwei weitere gehen im vierten Quartal in die Beschaffung und sind dann baureif.
- Deutschland: Zwei "sehr große" Projekte sollen bis Ende des Jahres vertraglich gebunden werden. Harmony Energy hat hierzu noch keine detaillierten Informationen veröffentlicht, abgesehen von einer Finanzierungsfazilität von Triple Point für eine 3 GWh-Pipeline.
- Polen: Ein 200 MW/400 MWh BESS-Projekt beginnt im ersten Quartal nächsten Jahres mit dem Bau. Ein weiteres Projekt dieser Größe wurde kürzlich an EDF verkauft.
Peter Kavanagh wies darauf hin, dass der Netzzugang in allen Gebieten die größte Einschränkung darstellt. "Wir haben das Glück, die Projekte zu haben, die bereits über Netzzugang verfügen, aber sicherlich wird die Expansion in Zukunft durch das Netz in ganz Europa begrenzt sein. Jedes Land hat seine Probleme an dieser Front."
Die Übernahme durch Alpiq stellt einen wichtigen Schritt für Harmony Energy dar, um diese Herausforderungen zu meistern und eine führende Rolle im europäischen Batteriespeicher-Markt einzunehmen.





