Der britische Energiespeicherentwickler Alcemi hat seine Präsenz in Osteuropa mit der Übernahme von zwei großen Batterieprojekten in Rumänien verstärkt. Diese Projekte, mit einer Gesamtkapazität von 575 MW/2.300 MWh, markieren einen bedeutenden Schritt in der Integration erneuerbarer Energien in der Region. Gleichzeitig nimmt in der Slowakei das bisher größte Batteriespeichersystem des Landes den Betrieb auf.
Wichtige Punkte
- Alcemi erwirbt Mehrheitsbeteiligungen an zwei Batterieprojekten in Rumänien.
- Die Projekte haben eine Speicherdauer von vier Stunden und eine Gesamtkapazität von 575 MW/2.300 MWh.
- Rumänien wird durch regulatorische Änderungen und EU-Förderungen zu einem wichtigen Markt für Batteriespeicher.
- In der Slowakei geht das größte BESS-Projekt des Landes (36 MW/72 MWh) in Betrieb.
- Dieses Projekt wird auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks errichtet und verbessert die Netzstabilität.
Alcemi investiert in Rumäniens Energiewende
Alcemi, ein in London ansässiger Entwickler von Batteriespeichersystemen (BESS), hat Mehrheitsbeteiligungen an zwei großen Entwicklungsprojekten in Rumänien erworben. Die Projekte umfassen eine 300 MW/1.200 MWh Anlage in Medgidia, Kreis Constanța, und eine 275 MW/1.100 MWh Anlage in Șura Mare in Zentralrumänien.
Beide Systeme sind für eine Speicherdauer von vier Stunden ausgelegt. Dies ist entscheidend, um Schwankungen bei der Einspeisung von erneuerbaren Energien, insbesondere Solarenergie, auszugleichen und die Netzstabilität zu gewährleisten. Alcemi betonte die Bedeutung lokaler Partnerschaften für den Erfolg dieser Projekte.
„Die lokale Partnerschaft mit Emil Pop und Andrei Pop gibt uns die Expertise vor Ort, die notwendig ist, um Rumäniens regulatorische und Netzanbindungslage effektiv zu navigieren“, erklärte James Forster, Mitbegründer von Alcemi. „Diese Zusammenarbeit ermöglicht es uns, schnell voranzukommen und gleichzeitig sicherzustellen, dass unsere Projekte mit den lokalen Marktbedingungen und Gemeinschaftsprioritäten übereinstimmen.“
Faktencheck: Rumäniens Speicherbedarf
Ende 2025 betrug die installierte BESS-Kapazität in Rumänien rund 400 MWh. Der Staat prognostiziert jedoch einen Bedarf von über 4 GWh bis Ende 2030. Dies unterstreicht das enorme Wachstumspotenzial des Marktes.
Wachstumstreiber in Rumänien
Rumänien hat sich zusammen mit Polen zu einem führenden Ziel für Entwickler in Zentral- und Osteuropa entwickelt. Mehrere Faktoren tragen zu diesem schnellen Wachstum bei. Dazu gehören sinkende Kosten für BESS-Ausrüstung und ein zunehmendes Vertrauen der Investoren in die Technologie.
Spezifische Treiber für Rumänien sind der steigende Bedarf zur Integration wachsender Anteile an Solarenergie, zahlreiche Förderprogramme für Energiespeicher – einschließlich Co-Location-Projekten – sowie Unterstützungsprogramme der Europäischen Union (EU).
Wichtige regulatorische Änderung
Eine entscheidende regulatorische Änderung erfolgte Mitte 2025, als die rumänische Nationale Energieregulierungsbehörde (ANRE) die Doppelbesteuerung von Energiespeicheranlagen beendete. Zuvor wurden Speicher sowohl beim Laden aus dem Netz als auch beim Einspeisen in das Netz besteuert. Diese Änderung beseitigte eine große Investitionshürde.
Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat auch den Bedarf an Energieunabhängigkeit und -sicherheit deutlich gemacht. Dies führte zu großen Investitionen in erneuerbare Energien und Speicherlösungen in der gesamten Region.
Slowakei nimmt größtes Batteriespeicherprojekt in Betrieb
Während Alcemi in Rumänien expandiert, hat die Slowakei ihr bisher größtes BESS-Projekt in Betrieb genommen. Slovenské elektrárne (SE), der größte Stromerzeuger des Landes, hat kürzlich ein 36 MW/72 MWh Projekt am Standort eines ehemaligen Kohlekraftwerks im Westen der Slowakei in Betrieb genommen.
Das Projekt am Kraftwerk Nováky besteht aus zwei Anlagen: einer mit 12 MW und einer mit 24 MW. Diese Systeme werden die primäre Regelleistung (Primary Control Reserve, PCR) bereitstellen, auch bekannt als Frequency Containment Reserve (FCR). Sie laden bei Stromüberschuss aus dem Netz und speisen bei Bedarfsspitzen ein. Dies fördert die Integration erneuerbarer Energien in die slowakischen und europäischen Netze.
- Gesamtkapazität: 36 MW / 72 MWh
- Standort: Ehemaliges Kohlekraftwerk Nováky
- Funktion: Bereitstellung primärer Regelleistung, Integration erneuerbarer Energien
SE erhielt für das größere der beiden Systeme eine Investitionsförderung von fast 3,7 Millionen Euro. Dies entsprach 45 % der förderfähigen Projektkosten und stammte aus dem von der EU genehmigten slowakischen Aufbau- und Resilienzplan.
Nachhaltige Entwicklung auf bestehender Infrastruktur
Das BESS-Projekt wurde auf dem Gelände eines 2015 stillgelegten 110-kV-Umspannwerks errichtet. Der Energieversorger entfernte die vorhandene Infrastruktur und rüstete den Standort mit 22 Batteriespeichercontainern, zugehörigen Stromrichter-Systemen (PCS) und weiterer Ausrüstung aus. Durch die Nutzung bestehender, gut erhaltener Transformatoren konnten Investitions- und Engineering-Anforderungen reduziert werden.
„Der größte Umweltvorteil dieses Projekts ist nicht nur die Technologie selbst, sondern die Art und Weise, wie es entstanden ist. Wir haben es auf dem Gelände bestehender industrieller Infrastruktur gebaut, ohne neues Land zu beanspruchen und das Vorhandene maximal zu nutzen“, sagte Robert Jamrich, Manager für internationale Beziehungen, europäische Angelegenheiten und Umwelt bei Slovenské elektrárne.
Dies ist bereits das zweite BESS-Projekt von SE, nach einem 3 MW/4 MWh Pilotprojekt an einem Wasserkraftwerk des Unternehmens. Dieses Pilotprojekt liefert ebenfalls sekundäre Regelung (automatische Frequenzwiederherstellungsreserve, aFRR). SE entwickelt zudem ein weiteres großes BESS am Standort des Pumpspeicherkraftwerks Čierny Váh.
Slovenské elektrárne: Kohlefrei seit 2024
Das Kohlekraftwerk Nováky wurde 2023 geschlossen. Ein Jahr später wurde SE mit der Schließung seines letzten Kohlekraftwerks vollständig kohlenstofffrei in seiner Erzeugungsflotte. Das Unternehmen produziert etwa zwei Drittel des slowakischen Stroms aus Kern-, Wasser- und Solarenergie. Die Slowakische Republik hält 34 % der Anteile an SE.
Diese Entwicklungen in Rumänien und der Slowakei zeigen einen klaren Trend in Zentral- und Osteuropa: Die Region setzt verstärkt auf Batteriespeicher, um die Energiewende voranzutreiben, die Netzstabilität zu sichern und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Die Investitionen von Unternehmen wie Alcemi und die strategischen Projekte von Slovenské elektrárne sind entscheidende Schritte auf diesem Weg.
Zukunftsaussichten für Batteriespeicher in Europa
Der europäische Markt für Batteriespeicher wird in den kommenden Jahren voraussichtlich weiterwachsen. Die politischen Ziele der EU zur Dekarbonisierung und die Notwendigkeit, eine zuverlässige Energieversorgung zu gewährleisten, treiben diese Entwicklung voran. Insbesondere Länder mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien und einer alternden Netzinfrastruktur profitieren von modernen Speicherlösungen.
Die Erfahrungen aus Rumänien und der Slowakei könnten als Blaupause für andere Länder in der Region dienen, die ebenfalls vor der Herausforderung stehen, ihre Energiesysteme zu modernisieren und nachhaltiger zu gestalten. Die Kombination aus regulatorischen Anreizen, EU-Fördermitteln und privaten Investitionen schafft ein dynamisches Umfeld für Innovationen im Energiesektor.





