In einem wegweisenden Schritt zur Stärkung der Energieversorgung in Kalifornien haben Google und ein Konsortium aus Technologie- und Energieunternehmen ein neues virtuelles Kraftwerk (VPP) ins Leben gerufen. Das Projekt, das in den Landkreisen Santa Clara und Alameda an den Start geht, zielt darauf ab, die Netzstabilität zu verbessern und Energiekosten für Haushalte zu senken. Es handelt sich um ein vollständig von Google finanziertes Vorhaben, das moderne Heimtechnologien nutzt, um den Energieverbrauch in Spitzenzeiten zu managen.
Wichtige Punkte
- Google finanziert ein neues virtuelles Kraftwerk (VPP) in Kalifornien.
- Das VPP, genannt SHARE, integriert Heimspeicher, intelligente Geräte und Wärmepumpen.
- Ziel ist die Verbesserung der Netzstabilität und Kostensenkung für Haushalte.
- Rund 21.000 bestehende flexible Energiegeräte werden in das Programm aufgenommen.
- Das System soll 12 MW Spitzenlast abfangen können.
Einzigartiges Konzept zur Netzstabilisierung
Das neue VPP trägt den Namen SHARE, was für „Smart Home Assets for Reliability and Efficiency“ steht. Es ist ein Proof-of-Concept, das demonstrieren soll, wie gezielte Investitionen in private Elektrifizierungstechnologien und die Integration bestehender Heimenergiegeräte die Netzkapazität erweitern und die Zuverlässigkeit verbessern können. PG&E, der lokale Energieversorger, bezeichnet es als ein „erstes seiner Art“.
Das Modell ist darauf ausgelegt, zusätzliche Kapazität zu schaffen, die Zuverlässigkeit zu unterstützen und den Druck auf die Tarife zu senken, während teilnehmende Haushalte durch intelligentes Energiemanagement Geld sparen.
Fakten zum SHARE-Programm
- Name: Smart Home Assets for Reliability and Efficiency (SHARE)
- Standort: Santa Clara und Alameda Counties, Kalifornien
- Finanzierung: Vollständig durch Google
- Technologien: Batteriespeichersysteme (BESS), intelligente Geräte, batteriebetriebene Wärmepumpen
- Kapazität: Kann 12 MW Spitzenlast abfangen
Technologie und Partner hinter SHARE
Das Projekt bringt eine beeindruckende Liste von Unternehmen und Organisationen zusammen. Neben Google und PG&E sind Tesla, Sunrun und Renew Home an der Integration von rund 21.000 bestehenden flexiblen Energiegeräten beteiligt. Diese Geräte sollen Haushalten helfen, ihre Energiekosten besser zu verwalten und gleichzeitig Belastungsspitzen im Stromnetz abzufedern.
Als Startpartner für die Bereitstellung von Geräten fungiert Carrier Global. Das Unternehmen liefert batteriebetriebene Wärmepumpen, darunter die Carrier Performance Series Variable-Speed Heat Pump mit EnerSync. Dieses System speichert und verschiebt den Energieverbrauch automatisch, um Kosten zu senken, den Komfort zu erhalten und die Netzstabilität während Spitzenzeiten zu unterstützen.
„Das Modell ist darauf ausgelegt, zusätzliche Kapazität zu schaffen, die Zuverlässigkeit zu unterstützen und den Druck auf die Tarife zu senken, während teilnehmende Haushalte durch intelligentes Energiemanagement mit Haus-Technologie der nächsten Generation Geld sparen“, so PG&E.
Finanzielle Anreize für Haushalte
Haushalte, die am SHARE-Programm teilnehmen, können von erheblichen finanziellen Vorteilen profitieren. Laut Programmwebsite erhalten Kunden 5.000 US-Dollar Rabatt auf das Carrier-System. Besonders interessant ist, dass 25 Haushalte sogar einen Rabatt von 10.000 US-Dollar erhalten.
Für Sunrun-Kunden, die ihre Batterien in das Programm einbinden, gibt es weitere Anreize. Sie profitieren von einer Gutschrift von 200 US-Dollar pro Batterie, die im Programm registriert ist. Dies soll die Teilnahmebereitschaft weiter erhöhen und die schnelle Skalierung des VPP fördern.
Was ist ein Virtuelles Kraftwerk (VPP)?
Ein Virtuelles Kraftwerk (VPP) ist ein Netzwerk aus dezentralen Energieerzeugungsanlagen, Speichern und steuerbaren Lasten, die intelligent miteinander vernetzt sind. Es agiert wie ein einziges, großes Kraftwerk, das Strom liefern oder aufnehmen kann, um das Stromnetz zu stabilisieren. VPPs nutzen oft Software, um die Stromproduktion und den Verbrauch in Echtzeit zu koordinieren und so auf die Anforderungen des Netzes zu reagieren.
Die Rolle von Rewiring America und anderen Partnern
Die gemeinnützige Organisation Rewiring America arbeitet direkt mit Haushalten zusammen, um Technologien für SHARE bereitzustellen und zu registrieren. Diese Technologien sollen als flexible Netzressourcen dienen und gleichzeitig das Kundenerlebnis verbessern. Rewiring America kooperiert eng mit lokalen Installateuren, um hohe Qualitäts- und Leistungsstandards der Projekte zu gewährleisten.
Weitere Partner im Konsortium sind unter anderem die Energieverwaltungsplattform Renew Home, das Beratungsunternehmen Demand Side Analytics und das Softwareunternehmen encoord. Diese breite Partnerschaft unterstreicht die Komplexität und den integrierten Ansatz des SHARE-Projekts.
Ausblick und politische Entwicklungen
Es wird erwartet, dass das SHARE-Ressource bereits diesen Herbst das Netz unterstützen wird. Das Programm ist bis 2027 angesetzt, und erste Ergebnisse sollen Ende dieses Jahres oder Anfang 2027 veröffentlicht werden. Es dient als wichtiger Testlauf für zukünftige VPP-Projekte.
Die Entwicklung in Kalifornien wird auch durch politische Entscheidungen beeinflusst. Zwei Gesetzesentwürfe, Senatsgesetz (SB) 905 und SB 913, haben die kalifornische Legislative passiert. SB 905 würde eine Netzauslastungsmetrik einführen, die den Lastfaktor über jedes Segment des Verteilungsnetzes des Staates misst. SB 913 würde die California Public Utilities Commission (CPUC) verpflichten, eine Bewertungsmethodik für kundennahe Batteriespeichersysteme zu entwickeln, um in Zeiten von Systemengpässen Strom ins Netz einzuspeisen.
Herausforderungen und andere VPP-Initiativen
Trotz der positiven Entwicklungen gab es auch Rückschläge. Die Regierung von Gouverneur Gavin Newsom blockierte einen Versuch, die Finanzierung des Demand Side Grid Support (DSGS)-Programms fortzusetzen. DSGS war das aktuelle VPP-Programm des Staates und erreichte 2025 eine Beteiligung von über 1 GW durch Kundenbatterien, darunter von Sunrun und Tesla installierte Systeme.
Teilnehmer des DSGS-Programms werden nun zum Emergency Load Reduction Programme (ELRP) der CPUC überführt. Dieses fünfjährige Pilotprogramm soll Stromverbraucher für die Reduzierung des Energieverbrauchs oder die Erhöhung der Stromversorgung während Notfällen im Stromnetz entschädigen.
Ähnliche VPP-Programme wurden bereits außerhalb Kaliforniens angekündigt. Im Juni gaben Sunrun, Tesla und Renew Home eine Vereinbarung bekannt, über 16 GW flexible Energiekapazität an PJM Hyperscaler und Versorgungsunternehmen zu liefern. Im selben Monat unterzeichneten der VPP-Betreiber Voltus und Google eine Partnerschaftsvereinbarung. Voltus wird jährlich bis zu 100 MW dezentraler Energieressourcen von lokalen Unternehmen und Haushalten in ein von Google finanziertes VPP aggregieren.
Auch in Puerto Rico haben Sunrun und Tesla ihre Zusammenarbeit ausgeweitet, um die VPP-Registrierung zu fördern. Sie erhielten zusammen mit dem Solarinstallateur SunStrong Management die Genehmigung des Puerto Rico Energy Bureau (PREB) zur automatischen Registrierung von Teilnehmern in einem Notfallkapazitätsressourcenprogramm.
Die Entwicklungen in Kalifornien und darüber hinaus zeigen einen klaren Trend: Virtuelle Kraftwerke werden zu einem immer wichtigeren Baustein für die Energiewende und die Stabilisierung der Stromnetze weltweit.





