Der chinesische Energiespeichermarkt durchläuft einen bedeutenden Wandel. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die Branche von einem schnellen Kapazitätsausbau hin zu einer stärkeren Wertschöpfung und optimierten Projektgrößen entwickelt. Dies geht aus Daten hervor, die Chen Haisheng, Vorsitzender der China Energy Storage Alliance (CNESA), auf dem 11. Western Energy Storage Forum präsentierte.
Wichtigste Erkenntnisse
- Kumulierte Speicherkapazität in China erreicht 237,7 GW bis Mitte 2026.
- Neuzugänge sinken im ersten Halbjahr, Fokus verschiebt sich auf Qualität und längere Speicherdauer.
- Eigenständige Speichersysteme sind Haupttreiber des Wachstums.
- Kapazitätstarife stützen neues Umsatzmodell für Speichersysteme.
- Globale Expansion chinesischer Unternehmen von Produkt- zu Lösungsanbietern.
Marktentwicklung und Kapazitätswachstum
Bis Ende Juni 2026 erreichte Chinas kumulierte installierte Leistung im Energiespeicherbereich beeindruckende 237,7 Gigawatt (GW). Dies entspricht einem Anstieg von 41,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die gesamten neuen Speicherinstallationen beliefen sich auf 168,3 GW/448,7 GWh, was eine Steigerung von 59 Prozent bei der Leistung und 71 Prozent bei der Energie im Jahresvergleich darstellt.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden in China 21,81 GW/58,60 GWh neue Speicherkapazität in Betrieb genommen. Dies markiert einen Rückgang von 18 Prozent bei der Leistung und 16 Prozent bei der Energie im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Rückgang bei den Neuinbetriebnahmen deutet auf einen strategischen Wandel hin. Der Markt bewegt sich von einer Phase des reinen Mengenausbaus zu einer Phase der Wertrestrukturierung.
Faktencheck: Chinas Energiespeicherung
- Kumulierte Kapazität (Juni 2026): 237,7 GW
- Jährliches Wachstum: 41,7%
- Neuinbetriebnahmen H1 2026: 21,81 GW / 58,60 GWh
- Rückgang der Neuinbetriebnahmen (YOY): 18% Leistung, 16% Energie
- Anteil von Projekten >100MW: +8%
- Durchschnittliche Speicherdauer: 2,69 Stunden (+2,3% YOY)
Verschiebung hin zu größeren und längeren Projekten
Der chinesische Energiespeichermarkt konzentriert sich zunehmend auf größere Projekte und längere Speicherdauern. Die Anzahl der neu in Betrieb genommenen Projekte sank zwar um 51 Prozent im Jahresvergleich, der Anteil der Projekte mit einer Größe von 100 MW oder mehr stieg jedoch um 8 Prozent. Die durchschnittliche Speicherdauer für neue Projekte erreichte 2,69 Stunden, ein Anstieg von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders hervorzuheben ist der Anstieg des Anteils von Projekten mit einer Speicherdauer von vier Stunden oder mehr um 4,8 Prozent. Chen Haisheng betont, dass sich der Markt von einem reinen Volumenwachstum entfernt. Stattdessen liegt der Fokus auf der Optimierung der individuellen Anlagengröße und der Speicherdauerprofile. Langzeitspeicher (Long-Duration Energy Storage, LDES) gewinnen dabei weiter an Bedeutung.
Eigenständige Speichersysteme als Wachstumsmotor
Eigenständige Speichersysteme sind zum primären Treiber der inländischen Installationen geworden. Laut CNESA-Daten wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 15,1 GW an eigenständigen Speichern in Betrieb genommen. Dies entspricht 69,3 Prozent der gesamten neuen Kapazität und einem Anstieg von 13,9 Prozent im Jahresvergleich.
„Während sich der Umfang weiter ausdehnt, hat sich die zugrunde liegende Logik des Speichersektors verschoben. Dies ist das wichtigste Signal, das die Branche im ersten Halbjahr 2026 gesendet hat.“
Hintergrund: Nationale Politik und Umsatzmodelle
Die nationale Politik spielt eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des Marktes. Das Nationale Dokument Nr. 114, welches den ersten nationalen Kapazitätspreismechanismus für eigenständige Energiespeicher etabliert, hat den Wert neuer Speicheranlagen formell anerkannt. Provinzen wie Gansu, Jilin, Shaanxi, Xinjiang, Hubei, Ningxia und Qinghai haben bereits Umsetzungsregeln für Kapazitätstarife eingeführt. Dadurch entsteht ein Drei-Säulen-Umsatzmodell für eigenständige Speicher: Kapazitätstarife, Energiemärkte und Zusatzdienstleistungen.
Herausforderungen und Marktaktivitäten
Trotz der positiven Entwicklungen steht die Branche weiterhin vor Herausforderungen. Dazu gehören die sich verengenden Preisspannen zwischen Spitzen- und Talzeiten auf dem Spotmarkt sowie steigende Ladekosten. Vor diesem Hintergrund werden robuste Projektentwicklung, Handelsstrategien und umfassende O&M-Fähigkeiten (Betrieb und Wartung) über den gesamten Lebenszyklus eines Projekts hinweg immer wichtiger für dessen Rentabilität.
Der chinesische Ausschreibungs- und Beschaffungsmarkt zeigte sich im ersten Halbjahr 2026 sehr aktiv. Sowohl die Volumen der Rahmenvereinbarungen als auch die Produktpreise verzeichneten deutliche Zuwächse. Dies spiegelt eine Verschiebung im Wettbewerb der Unternehmen wider, weg von reinem Preiswettbewerb hin zu umfassenden Fähigkeiten.
Preisentwicklung und Wettbewerb
Die zentralisierte Beschaffung und die Rahmenvereinbarungen für Speichersysteme erreichten im ersten Halbjahr 2026 ein Volumen von 80,16 GWh, ein Anstieg von 95 Prozent im Jahresvergleich. Die vergebene EPC-Kapazität (Engineering, Procurement, Construction) stieg um 112 Prozent auf 161,2 GWh. Die Anzahl der erfolgreichen EPC-Bieter kletterte auf 580, was einem Anstieg von 88 Prozent entspricht und den Kreis der Marktteilnehmer erweitert.
Die durchschnittlichen Zuschlagspreise für Speichersysteme sind branchenweit gestiegen. Der Durchschnittspreis für 2-Stunden-Systeme lag bei 599,3 RMB/kWh, ein Anstieg von 8,3 Prozent. Für 4-Stunden-Systeme betrug er 541,3 RMB/kWh, eine Zunahme von 21,1 Prozent im Jahresvergleich. Energieerzeugungs- und netzgebundene Unternehmen haben ihre Wettbewerbsfähigkeit im zentralisierten Beschaffungsmarkt deutlich gestärkt, indem sie ihr Fachwissen im Stromsystem und ihr Know-how bei der Netzanbindung nutzen.
Technologische Diversifizierung und neue Nachfragemärkte
Entlang der Industriekette lieferten chinesische Hersteller im ersten Halbjahr 2026 weltweit 380 GWh Lithium-Ionen-Speicherzellen aus. Die inländische Betriebskapazität für Zellen lag bei 809,5 GWh. Da sich die Kapazitätserweiterung verlangsamt, verlagert sich der Wettbewerb von aggressivem Ausbau hin zur Entwicklung zuverlässiger, qualitativ hochwertiger Lieferfähigkeiten.
Die technologischen Roadmaps diversifizieren sich. KI-Rechenzentren (AIDCs) entwickeln sich zu einem wichtigen neuen Nachfragemarkt. Hochkapazitive Lithium-Ionen-Batterieprodukte gehen in die Massenproduktion, während Langzeittechnologien wie Flussbatterien und Druckluftspeicher beschleunigt eingesetzt werden. Gleichzeitig schreiten Natrium-Ionen-Batterien und Schwungradspeicher parallel voran.
AIDCs erzeugen eine frische und starke strukturelle Nachfrage nach Speichern. Eine Vielzahl neuer Angebote – darunter Hochleistungszellen, Notstromsysteme und integrierte Energielösungen – ist auf den Markt gekommen. Dies treibt die Speicherhardware zu schnellerer, szenariospezifischer Anpassung und erweitert die Branchengrenzen über die Hardware hinaus in Leistungselektronik, Energiemanagement und umfassende End-to-End-Dienstleistungen.
Globale Expansion chinesischer Unternehmen
Auf globaler Ebene verzeichneten chinesische Speicherunternehmen ein schnelles Wachstum im Ausland, da sich ihre Geschäftsmodelle von reinen Produktexporten zu umfassenden Lösungsanbietern entwickelten. Laut CNESA-Daten sicherten sich chinesische Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 Auslandsverträge im Wert von 298 GWh, eine Steigerung von 83 Prozent im Jahresvergleich.
Europa bleibt ein Kernmarkt, während der Nahe Osten, Indien und Chile als schnell wachsende Regionen hervortreten. Die Globalisierung geht weit über die reine Geräteversorgung hinaus. Unternehmen etablieren zunehmend Übersee-Fertigungsstätten, bieten lokale O&M-Dienstleistungen an, verfolgen technische Partnerschaften und liefern schlüsselfertige End-to-End-Lösungen.
Gleichzeitig bleiben Handelshemmnisse, Lieferkettensicherheit und die Einhaltung lokaler Vorschriften wichtige Hindernisse für die grenzüberschreitende Expansion.
Ausblick auf den 15. Fünfjahresplan
Für den Zeitraum des 15. Fünfjahresplans prognostiziert die CNESA, dass die kumulierte installierte Kapazität bis 2030 zwischen 371 GW und 451 GW erreichen wird. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 20,7 Prozent bis 25,5 Prozent.
Der Bericht identifiziert zwei Haupttreiber für dieses Wachstum. Erstens wird der Markt weiterhin diversifizierte Wertströme erschließen, da sich die Energiespeicherung von einem unterstützenden Werkzeug für die Integration erneuerbarer Energien zu einem Kernbaustein des neuen Stromsystems entwickelt. Zweitens werden neue Technologien und Anwendungsfälle – einschließlich Langzeitspeicher, netzbildende Speicher und KI-Rechenzentren (AIDC) – weiter expandieren.





