Kalifornien steht vor einem wichtigen Schritt zur Modernisierung seines Stromnetzes. Zwei entscheidende Gesetzesentwürfe, Senate Bill 905 (SB 905) und Senate Bill 913 (SB 913), die von Senator Josh Becker eingebracht wurden, haben die Legislative passiert. Sie warten nun auf die Unterschrift von Gouverneur Gavin Newsom. Diese Gesetze sollen den Wert von kundennahen Energiespeichern, Solaranlagen und Elektrofahrzeugen erschließen, indem sie deren vollständige Teilnahme am Großhandelsenergiemarkt ermöglichen.
Wichtige Erkenntnisse
- SB 913 ermöglicht die Bewertung von Kundenspeichern, die Strom ins Netz einspeisen.
- SB 905 führt eine Netzauslastungsmetrik ein, um die Effizienz der Verteilnetze zu verbessern.
- Octopus Energy investiert in Uplight, um die Flexibilität im US-Energiemarkt zu stärken.
- Ziel ist es, Strompreise zu senken und die Energiewende voranzutreiben.
Virtuelle Kraftwerke und die Rolle der Kundenspeicher
Die Gesetzgebung in Kalifornien zielt darauf ab, die wachsende Zahl von dezentralen Energieressourcen besser zu nutzen. Dazu gehören Batteriespeicher, Solaranlagen und Elektrofahrzeuge, die sich im Besitz von Kunden befinden. Diese Ressourcen sollen in die Lage versetzt werden, aktiv am Großhandelsenergiemarkt teilzunehmen. Dies ist ein wichtiger Schritt, um das Stromnetz flexibler und widerstandsfähiger zu machen.
SB 913 verpflichtet die California Public Utilities Commission (CPUC), eine Bewertungsmethode für kundenseitige Batteriespeichersysteme (BESS) zu entwickeln. Diese Methode soll es ermöglichen, den Wert des Stroms zu erfassen, den diese Systeme während Engpässen ins Netz einspeisen. Aktuell können aggregierte Flotten von Kundengeräten nur am sogenannten Resource Adequacy (RA)-Markt teilnehmen, indem sie den Verbrauch am jeweiligen Standort reduzieren. Eingespeister Strom erhält dabei keine Bewertung.
Fakt: Kalifornien hat Hunderttausende solarbetriebene Batterien installiert, und wöchentlich kommen 2.000 weitere hinzu.
Die geplante Änderung würde Flottenbetreibern erlauben, die gesamte zuverlässig lieferbare Energiekapazität aus ihren verwalteten Geräten anzubieten. Dies würde nicht länger auf Schätzungen individueller Verbrauchsmuster basieren. Solche Ressourcen würden nur dann ausgewählt, wenn sie kostengünstiger sind als konkurrierende Erzeugungsquellen. Dies könnte zu einem Abwärtsdruck auf die Großhandelspreise führen.
Netzauslastung und Kosteneffizienz
SB 905 führt eine Netzauslastungsmetrik ein, die den Lastfaktor über alle Segmente des kalifornischen Verteilnetzes misst. Diese Metrik soll jene Schaltkreise und Umspannwerke identifizieren, die eine deutlich höhere Energieauslastung ohne teure Infrastrukturaufrüstungen bewältigen können. Dies geschieht, indem die Nachfrage von Spitzenzeiten umverteilt wird.
Analysen zeigen, dass viele Verteilnetze die meiste Zeit weit unter ihrer Kapazität arbeiten. Sie erreichen die volle Auslastung nur für eine begrenzte Anzahl von Spitzenlastperioden pro Jahr. Der Ausbau der Netzinfrastruktur, nur um diese kurzen Spitzen abzudecken, stellt laut Branchenvertretern eine ineffiziente Nutzung von Steuergeldern dar.
"Kalifornien hat jetzt Hunderttausende von solarbetriebenen Batterien, die in Garagen, auf Universitätsgeländen und Farmen im ganzen Bundesstaat installiert sind, und jede Woche kommen 2.000 weitere hinzu. Diese und andere Kundengeräte könnten eine Schlüsselrolle bei der Minderung der Energiepreise spielen, wenn Kaliforniens Energiemarktregeln dies zulassen."
— Brad Heavner, Geschäftsführer der California Solar & Storage Association (CALSSA)
Sobald die Netzauslastungsmetrik implementiert ist, erhält die CPUC einen direkten Mechanismus, um jährliche Verbesserungen der Auslastungsraten zu fordern. Energieversorger würden daraufhin Lastflexibilitätsprogramme entwickeln, die Kunden dazu anregen, den Stromverbrauch in die Nebenzeiten zu verlagern. SB 905 schreibt dabei keine spezifischen Programmdesigns vor, sondern fordert Netto-Senkungen der gesamten Versorgungskosten.
Hintergrund: Kaliforniens Energiekrise
Die legislative Initiative kommt zu einer Zeit, in der Kalifornien mit einer als Energiebezahlbarkeitskrise bezeichneten Situation konfrontiert ist. Die Strompreise steigen stark an, während die Nachfrage weiterwächst. Die Nutzung dezentraler Ressourcen kann hier einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung leisten.
Octopus Energy investiert in Uplight
Abseits der Gesetzgebung hat der Einzelhandelsstromanbieter Octopus Energy seine Investition in das US-amerikanische Energiesoftwareunternehmen Uplight abgeschlossen. Uplight gab am 1. September bekannt, dass es weiterhin als unabhängiges Unternehmen operieren wird. Die Investition dient dem Ausbau des Fokus auf kundenorientiertes Flexibilitätsmanagement.
Das Unternehmen plant, mit dieser Investition die nächste Wachstumsphase zu unterstützen. Dazu gehören Kundeneinsparungen in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar und mehr als eine Verdoppelung der flexiblen Kapazität auf 20 GW in den nächsten fünf Jahren. Nick Chaset, CEO von Octopus Energy US, wird auch die Rolle des CEO bei Uplight übernehmen.
Neue Produkte für mehr Flexibilität
Die beiden Unternehmen werden zwei Produkte von Octopus Energy in die Lösungssuite von Uplight integrieren:
- Octopus Shift: Eine Kundenengagement-Anwendung, die eine einheitliche Plattform bietet. Verbraucher können sich dort für Flexibilitätsprogramme von Versorgern anmelden und daran teilnehmen. Die Anwendung vereinfacht den Anmeldeprozess und fördert die kontinuierliche Kundenbeteiligung durch Belohnungen. Dies wandelt das Engagement in Netzkapazität für Versorger um.
- Octopus PowerStore: Bietet Batteriespeichersysteme für Privathaushalte (BESS) im Rahmen eines schlüsselfertigen Modells an. Dieses Modell erfordert keine Vorabinvestition des Kunden, wodurch ein großes Hindernis für die Einführung von Heimspeichersystemen beseitigt wird.
Dieser Ansatz bietet Energieversorgern eine zuschaltbare Speicherkapazität für das Spitzenlastmanagement. Gleichzeitig erweitert er den Zugang zu Speichern auf eine breitere Kundenbasis, als es Preisschranken normalerweise zulassen würden.
Starke Partnerschaft für die Energiewende
Octopus Energy bringt erhebliche operative Größe in die Zusammenarbeit ein. Das Unternehmen verwaltet das weltweit größte virtuelle Kraftwerk und erreichte im September 2025 einen Meilenstein von 2 GW. Es liefert seine Technologie- und Kundenengagement-Lösungen in 27 Länder.
Schneider Electric, bereits Investor bei Uplight, unterstützt das Unternehmen weiterhin. Neben der neu erworbenen Mehrheitsbeteiligung von Octopus Energy wird die Expansion von Uplight durch das Portfolio von Schneider Electric an Netz-, Software-, Automatisierungs- und Energiemanagementlösungen gefördert. Die Partnerschaft soll die Netzflexibilität und die Fähigkeiten im Bereich des Lastmanagements vorantreiben. Sie ermöglicht es Versorgern, dezentrale Energieressourcen in skalierbare, zuverlässige und kosteneffiziente Kapazitäten umzuwandeln. Dies fördert die Modernisierung des Netzes und die Energiewende.
Uplights Wachstum und Zukunft
Uplight entstand 2019 aus der Fusion mehrerer Start-up-Unternehmen, darunter Simple Energy und Tendril. Im Jahr 2021 erreichte Uplight nach Investitionen von Gruppen wie Schneider Electric eine Bewertung von 1,5 Milliarden US-Dollar. Im März 2025 kündigte Uplight eine Partnerschaft mit dem Versorgungsunternehmen San José Clean Energy an, um dessen Demand-Response-Programm zu erweitern. San José Clean Energy plant, bis 2028 insgesamt 25 MW an zuschaltbarer Energie und bis Ende desselben Sommers 5 MW zu registrieren.
Hannah Bascom, General Manager von Uplight, sagte zur Investition von Octopus: „Dies ist ein neues Kapitel für Uplight, da wir unsere kritischen Kapazitätsdienste für unsere Versorgungsunternehmen ausbauen.“
Die Entwicklungen in Kalifornien und die Investition von Octopus Energy in Uplight zeigen, dass virtuelle Kraftwerke und dezentrale Energiesysteme eine immer wichtigere Rolle in der globalen Energielandschaft spielen. Sie bieten Lösungen für die Herausforderungen der Energieversorgung und tragen maßgeblich zur Energiewende bei.





